Das Auto wird zur fahrenden Lounge

Mit dem Forschungsfahrzeug REC15 will Mercedes-Benz im Januar zeigen, wie man in der nahen Zukunft reisen wird.

Blick in die Zukunft: Die Mercedes-Designer und Ingenieure sind überzeugt, dass man 2030 so luxuriös reisen wird. Foto: Mercedes

Blick in die Zukunft: Die Mercedes-Designer und Ingenieure sind überzeugt, dass man 2030 so luxuriös reisen wird. Foto: Mercedes

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Kuschelige Loungechairs, die man wie im Wohnzimmer nahezu frei bewegen kann, eine gedämpfte, extrem reduzierte Atmosphäre wie in der ersten Klasse eines Raumkreuzers und, wo man hinschaut, digitale Anzeigeflächen, die mit ihrer Umgebung verschmelzen – so stellen sich die Designer den Innenraum für den Mercedes von morgen vor. «Denn wenn wir irgendwann einmal tatsächlich autonom fahren, dann können und müssen wir den Kunden ein ganz neues Erlebnis bieten, damit sie die neuen Möglichkeiten als Gewinn empfinden», sagt Hartmut Sinkwitz, der in Stuttgart das Interieurdesign leitet.

«Privatsphäre als Luxus»

Fahrzeit solle man nicht mehr als Verlust empfinden, sondern als Genuss, weil man sich im Auto von morgen während der Fahrt erholen, mit den Mitfahrern unterhalten, seine Arbeit erledigen oder mit digitalen Medien beschäftigen kann. Und während man in immer volleren Städten immer mehr Lärm, Stress und Enge empfinde, soll das Auto zunehmend zu einem persönlichen Rückzugsraum, einer Oase der Ruhe werden: «Privat- oder Intimsphäre wird dann der wahre Luxus sein», ist Mercedes-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky überzeugt und wittert darin eine Chance, wie sich eine Mercedes S-Klasse auch dann von einem Kleinwagen differenzieren kann, wenn Fahrverhalten oder digitale Ausstattung mal keinen Unterschied mehr machen.

Wie dieses neue Erlebnis aussehen könnte, wollen die Schwaben im Januar mit einem neuen Forschungsfahrzeug im Format einer Luxuslimousine demonstrieren, das seit gut einem Jahr unter dem Werkscode REC15 entwickelt wird. Vor der Weltpremiere auf der Consumer Electronics Showin Las Vegas hat Mercedes darauf schon einmal einen digitalen Ausblick gegeben.

«Maximale Entspannung»

Statt im Auto sind die vier Loungechairs auf einer Bühne in einem dunkeln Raum montiert, und die Fahrt beginnt erst, nachdem man eine Projektionsbrille aufgesetzt hat. Die beamt einen ins Jahr 2030 und pflanzt einen auf den Fahrersitz der S-Klasse von übermorgen. Allerdings schaut man nicht zur Frontscheibe raus, sondern hat sich nach dem Losfahren kurzerhand den Hinterbänklern zugewandt. Jetzt schweift der Blick durch eine ausgesprochen luftige Kabine, die mit Holz und weissem Leder ausgeschlagen ist und kaum mehr greifbare Konturen hat.

Die Füsse schwenken über einen ebenen Parkettboden ohne Kardantunnel, es gibt keine Ablagen mehr und keine Armlehnen, sondern alles sieht clean und simpel aus. «Wir haben den Innenraum entrümpelt, um dem Auge maximale Entspannung zu geben», sagt Sinkwitz. Einziger Einrichtungsgegenstand neben den vier Sesseln ist ein Konferenztisch, der sich auf Kommando zwischen den Insassen aufbaut. Auf seiner digitalen Arbeitsplatte kann man surfen, spielen oder arbeiten.

Auch in den Türen und an der Rückwand blickt man auf Displays mit kontextbezogenen Inhalten. Fliegende Partikel geben unterbewusst Aufschluss über die Geschwindigkeit, man kann Medieninhalte betrachten oder dem Autopiloten über die Schulter schauen, und sobald man die Hand ausstreckt, erscheinen dank Eyetracking und kapazitiven Sensoren an der jeweils passenden Stelle virtuelle Bedienelemente.

«Kein Computerhersteller»

Sobald man den Fahrersitz wieder nach vorne dreht, sieht REC15 allerdings vergleichsweise konventionell aus. Zwar ist der Bildschirm im Cockpit grösser, und die Formen sind futuristischer. Aber nach wie vor schaut man auf ein Lenkrad und auf zwei Pedale. Die machen sich im autonomen Betrieb ganz schlank, sodass man sie erst wieder in Position bringen muss, wenn man selbst das Steuer übernimmt. Aber darauf wollen die Designer auch beim autonomen Mercedes von morgen nicht verzichten. Denn erstens schafft das Vertrauen beim Fahrer und signalisiert, dass er noch immer alles in der Hand haben kann. Und zweitens wollen sich die Schwaben damit von Google & Co. distanzieren: «Wir sind schliesslich Auto- und kein Computerhersteller » sagt Sinkwitz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2014, 18:30 Uhr

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