Kult-Autos

Das Indy-Rennen in Oerlikon

Wenn grosse Motoren aufheulen und intensives Dröhnen ertönt, dann ist auf der offenen Rennbahn die Indianapolis in Oerlikon angesagt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Normalerweise finden an dieser Stätte das Sechstagerennen oder andere Rennfahrrad-Veranstaltungen statt. Doch einmal im Jahr werden hier ausgewählte Rennwagen für Demonstrationsfahrten eingeladen, die auf grösstes Publikumsinteresse stossen. Geschätzte 6000 Zuschauer verfolgten 2012 verschiedene Fahrzeugklassen, angefangen bei Motorrädern und Gespannen, über Monoposto-Formelrennwagen bis zu zweisitzigen Sportwagen. Als Leckerbissen waren Indianapolis-Fahrzeuge angekündigt worden.

Oerlikon und Indianapolis im Vergleich

Der Vergleich zwischen der Rennbahn Oerlikon und dem legendären Oval von Indianapolis ist interessant: Während in Oerlikon zwei 180-Grad-Steillwandkurven mit 44,5 Grad Neigung und eine Streckenlänge von 333,3 Metern vor allem auf die Rennfahrerräder mit einer Geschwindigkeit von um die 60 km/h ausgerichtet sind, erlaubt das rund 4000 Meter lange Oval des Indianapolis Speedways mit vier um etwas über neun Grad geneigten Steilkurven, von denen jede rund 122 Meter lang ist, Geschwindigkeiten von weit über 350 km/h. Während in Oerlikon einige Tausend Zuschauer der Rennaktion zuschauen können, kann die Rennstrecke von Indianapolis rund 300'000 Zuschauer beherbergen, wahrhaft gigantische Dimensionen. In Indianapolis bestand die Oberfläche bis 1935 aus Ziegelsteinen, welche nach und nach mit Asphalt überdeckt wurden. Die offene – und damit dem Wetter ausgesetzte – Rennbahn von Oerlikon, die im Jahr 2012 das hundertjährige Bestehen feiert, besteht aus Beton: Die 1912 erbaute Spannbeton-Konstruktion war die erste dieser Art weltweit!

Rennwagen zum Anfassen

Die kleinen Dimensionen in der offenen Rennbahn von Oerlikon schaffen grosse Intimität. Fast im Meterabstand zu den Zuschauern an der oberen Streckenbegrenzung rasen die Rennwagen vorbei, Geräusch- und Duftemissionen der historischen Fahrzeuge können unmittelbar genossen werden. Im Innern des Ovals stehen die Fahrzeuge während der Pausen zur Erkundung bereit, die Fahrer/Besitzer geben freizügig Auskunft. Nirgends sonst kann historischer Rennsport so unmittelbar und derart unterhaltend genossen werden.

Indycars auf der Rennbahn

Als Besonderheit für die zehnte Austragung von Indianapolis haben die Organisatoren rund um Georg Kaufmann ein Fahrzeugfeld mit Indy-Fahrzeugen aufgetrieben. Zwar dürfte nur eine Minderheit der Wagen wirklich je im berühmten Oval gefahren sein, die amerikanischen Rennwagen brachten aber auf jeden Fall viel American Spirit nach Oerlikon. Das Publikum jedenfalls zeigte sich von den ungewohnten Rennfahrzeugen wie Buick Indianapolis Indy Race von 1930, Nash 480 Aeropower von 1930, Stutz DV 32 Racer von 1930, Buick Bulldog von 1933, Ford Ermer Special V8 von 1935 und Miller Sprintcar von 1937 begeistert.

Der Ford Ermer Special V8 von 1935

Sprintcar-Rennen waren und sind in den USA sehr beliebt. Während am Anfang üblicherweise auf Pferderennbahnen gestartet wurde, kamen später auch Schotter- und Asphaltrennen dazu. In Eigenregie bauten rennbegeisterte Amerikaner Specials, die sich besonders für diese Wettkämpfe eigneten. Ein Beispiel dafür ist der Ford Ermer Special V8 von 1935, der bis 1955 in verschiedenen Serien aktiv war und manchen Sieg einfuhr. Aufgebaut auf einem 26er-Essex-Chassis und ausgerüstet mit einer Ford-Truck-Vorderachse und einer Halibrand-Quick-Change-Hinterachse, die das Auswechseln der Übersetzung in Minuten erlaubte, zählt der Ford-Special auf die Kraft des Flathead V8. Dank Fenton-Alu-Zylinderkopf und einer Verdichtung von 8,7:1 entwickelt der Veteran rund 150 PS aus 4080 cm3.

Zusammen mit den 745 kg Gewicht des kompakten Rennwagens sorgt der starke Motor für tüchtige Fahrleistungen. Gebremst wird mit einem Handhebel (keine Fussbremse), der via Hydraulik auf alle vier Räder wirkt. Der konkurrenzfähige Rennwagen blieb bis vor kurzem im Ermer-Familienbesitz und wurde vom Sohn des Erbauers vor rund 12 Jahren restauriert und danach im historischen Rennsport eingesetzt.

Maserati, Bugatti, Alfa Romeo, Jaguar...

Das Fahrzeugfeld bot Gelegenheit, manch legendären Rennwagen wiederzusehen. Grand-Prix-Seriensieger wie der Bugatti T35B oder Maserati 8CM und 250F spulten genauso ihre Runden ab wie Morgan Threewheeler, ein Alfa Romeo 6C, ein Amilcar oder ein Lotus 23. Ob ein- oder zweisitzig unterwegs, es wurde tüchtig Gas gegeben, sehr zur Freude des Publikums. Das Fahren auf dem engen Oval birgt einige Tücken! In den Kurven wird das Fahrzeug auf den Boden gepresst und folgt beinahe stur seiner Bahn, am Kurvenausgang aber flacht die Strecke ab und die üblichen Fliehkräfte beginnen zu wirken. Es heisst also aufpassen und nicht zu schnell aus der Kurve zu kommen.

Erstellt: 26.07.2012, 16:22 Uhr

Präsentiert von Zwischengas.com


Mehr Bilder und zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf Zwischengas.com

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Auf Händen getragen: Eine handgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria wird anlässlich des Fests zu Ehren der «Virgen del Carmen» durch die andalusische Stadt Málaga geführt. (16. Juli 2019)
(Bild: Daniel Perez / Getty Images) Mehr...