Kult-Auto

Das Schilthorn und 007

Im Berner Oberland wurde Ende der 1960er-Jahre der Bond-Film mit George Lazenby gedreht. Nun erinnert die Bond World an die Dreharbeiten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwischen Oktober 1968 und Mai 1969 war das Schilthorn im Berner Oberland zur Kulisse für den legendären 007-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät». Das Drehrestaurant diente als Basis für den Bösewicht Blofeld und erhielt im Film den Namen Piz Gloria, der bis heute geblieben ist.

«Viele Bond-Fans reisen hier den Schauplätzen der Filme nach», sagt Christoph Egger, Direktor der Schilthornbahn. «Bisher wurden die Besucher, die mit der Erwartung auf das Schilthorn reisten, etwas über James Bond zu erfahren, noch enttäuscht», sagt Egger.

Interaktive Ausstellung

Das soll sich mit der Bond World 007 ändern, einer interaktiven Ausstellung, die am 28. Juni eingeweiht wurde. Schon beim Eintreffen an der Talstation Stechelberg kommt dank rotem Teppich und drei Aston-Martin-Modellen (ein DB4 Vantage von 1962 der Emil Frey AG Classics und je ein aktueller DB9 und Vanquish der Emil Frey AG) Bond-Atmosphäre auf. Nicht fehlen dürfen an der Eröffnung natürlich die Darsteller des Bond-Films von 1968/69. Mit Stefan Zürcher aus Wengen, der noch bis vor wenigen Jahren bei Bond-Filmen mitwirkte, John Glen (Regie), Terry Mountain (Raphael), Silvana Henriques (Angel) und selbstverständlich George Lazenby (James Bond) wurde das Schilthorn für einen Moment nicht nur in die Zeit der Dreharbeiten zurückversetzt, sondern dem Abend besonderer Glanz verliehen.

Lazenby und sein Sex-Geständnis

«Es ist wunderschön, nach fast 45 Jahren wieder hier zu sein», schwärmt George Lazenby. «In Mürren haben wir spektakuläre Szenen gedreht, aber auch viel gelacht und viel Sex gehabt. Es waren die wilden Sechzigerjahre», sagt der lustige Australier.

Und wie wurde er Schauspieler? «Ich habe immer sehr gut gelogen und man sagte mir, wenn du sehr gut lügen kannst, dann kannst du auch Schauspieler sein», lacht George Lazenby. Und apropos – Lügen und Fehler gibt es «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» einige zu erwähnen. Zum Beispiel die folgende Szene: 007-Gespielin Tracy sorgt für eine der besten Actionszenen des Films, als sie in ihrem Mercury Cougar samt Skiträgern bei einer wilden Verfolgungsjagd heisse Stunts auf Schnee hinlegt. Die Hatz durch die Berge führt sogar zu einem Stockcar-Eisrennen, zwischen Lauterbrunnen und Stechelberg, bei dem der Mercury verdutzte Rallyeautos aus dem Weg schubst und die Verfolger in ihrem Mercedes 220 S abschütteln kann. Der Fehler: Beim Stockcar-Rennen rammt der schwarze Mercedes, der Tracy und James Bond verfolgt, einen roten Mini mit der Nr. 11. In der nächsten Szene wird dieser aber von Bonds Mercury Cougar überholt …

«Ein Winterauto war der fast zwei Tonnen schwere Cougar mit Hinterradantrieb freilich nicht. Das war natürlich reine Kinomagie», so George Lazenby weiter. Im Film versagt im Schneegestöber sogar die Batterie, sodass James Bond und Tracy in einer Hütte Zuflucht suchen müssen. Sie wissen sich die Zeit aber gut zu vertreiben …

Der falsche Aston Martin

Auch nicht korrekt war der alte Aston Martin DB4 Vantage (1962) beim Empfang der Gäste an der Talstation Stechelberg: «Ich fuhr im Geheimdienst Ihrer Majestät keinen Aston Martin DB4 sondern einen Aston Martin DBS», so Lazenby. «Dieser neue DBS brachte mir allerdings im Film kein Glück: Beim tragischen Ende des Films wird meine frisch angetraute Gemahlin Tracy im Wagen erschossen. Gadget-Tüftler Q hatte dem DBS also nicht einmal gepanzerte Scheiben spendiert!»

Mehrere Bilder von diesem Aston Martin DBS kann man in der Bond World 007 des Schilthorn-Gipfelgebäudes sehen. Dort ist eine interaktive Ausstellung entstanden, die auch als Schlechtwetterprogramm perfekt geeignet ist. Diese Ausstellung steigert die Attraktion des Piz Gloria und zeigt sieben Schlüsselszenen aus dem Film. Die Szene 4 – Flucht und Verfolgung – zeigt zum Beispiel geniale Skiaufnahmen. Diese Stunts, vorwiegend von Skirennfahrern und einheimischen Skilehrern ausgeführt, prägen den Film. Bekannte Doubles wie Stefan Zürcher, Bernhard Russi und Willy Bogner zählen zu den Legenden des Filmes. Russi spielte einen der Verfolger James Bonds. Es handelt sich im Film um den Fahrer, der in die Schneefräse gerät!

Der Mercedes 600 von Telly Savalas

Für eine andere Szene musste eine stillgelegte Bobbahn in Mürren für den Film wieder aktiviert werden. Last but not least die Schlussszene, die aus Sicht der Oldtimer-Fans besonders interessant ist. Warum? Weil sie den Mercedes 600 (mit Ernst Stavro Blofeld am Lenkrad, gespielt von Telly Savalas) und den schon vorher erwähnten Aston Martin DBS zeigt. Im Film «Im Geheimdienst ihrer Majestät» passiert ja etwas Aussergewöhnliches. James Bond heiratet. Auf dem Weg in die Flitterwochen stoppen James Bond und seine Frau Tracy di Vincenzo (Diana Rigg), um die Blumendekoration am Wagen zu entfernen. In diesem Augenblick fährt der Mercedes 600 mit Ernst Stavro Blofeld am Steuer vorbei. Irma Bunt, Blofelds rechte Hand, schiesst aus dem fahrenden Wagen auf Bond und Tracy. Sie trifft die Braut bei diesem Anschlag tödlich.

Auch hier haben Bond-Fans reklamiert: Am Ende des Films steht der Wagen von James und Tracy links am Strassenrand, kurz vor einer Rechtskurve. James steht neben dem Wagen, Tracy sitzt drinnen. Als der Wagen mit Blofeld vorbeifährt, wird auf das Auto der beiden geschossen. In einem späteren Schnitt sieht man eine Einstellung, wo Tracy durch die Frontscheibe in den Kopf getroffen wurde. Aufgrund der Sitzhaltung der Schützin im Auto, der Strassenführung und der Trefferzone ist es eigentlich unmöglich, Tracy so zu treffen. Man hätte direkt frontal vor dem Auto stehen müssen. «It's not the reality, it's just a movie. Es ist nicht die Wirklichkeit, es ist nur ein Film. Ein anderes Beispiel ist das folgende: Als Tracy am Strand mit meinem Aston Martin flüchtet, kann man deutlich Reifenquietschen hören, auf Sand ist das aber unmöglich», lacht nochmals George Lazenby.

Nicht schlecht für einen Autoverkäufer!

Aber eben, es ist alles Fiktion, keine Wirklichkeit. Es ist nur ein Film. Aber nicht irgendein Film, sondern ein Hit, der drei Rekorde bei der Kinoauswertung in den Vereinigten Staaten brach: höchstes Einspielergebnis am ersten Auswertungstag, höchstes Einspielergebnis an einem Tag und höchstes Einspielergebnis am ersten Wochenende.

Insgesamt war dieser James-Bond-Film vier Wochen lang die Nummer eins in den US-amerikanischen Kinos. Das weltweite Kinoeinspielergebnis wird mit gegen 36 Millionen US-Dollar angegeben. «Also gar nicht schlecht für einen Autoverkäufer, der nur sehr gut lügen konnte», resümierte George Lazenby.

Erstellt: 06.07.2013, 20:32 Uhr

Artikel zum Thema

007 und das Land der Nummernkonti

Der britische Spion hat eine besondere, eine gespaltene Beziehung zur Schweiz. Ein neues Buch leuchtet sie aus. Mehr...

Bildstrecke

James-Bond-Bösewichte

James-Bond-Bösewichte Zum 50-jährigen James-Bond-Jubiläum werden die Bösewichte und ihre realen Pendants unter die Lupe genommen.

Bildstrecke

007-Auto im Verkehrshaus

007-Auto im Verkehrshaus Bonds Aston Martin DB5 in Luzern.

Bildstrecke

Bildstrecke

James Bond in Bern

James Bond in Bern 1969 wurde auch in der Stadt Bern ein Teil des Bond-Filmes «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» gedreht.

Präsentiert von Zwischengas.com


Mehr Bilder und zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf Zwischengas.com

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...