Das einzige richtige Cabriolet von Porsche

Dieses Jahr könnte man den 50. Geburtstag des offenen Porsche 911 feiern: 1964 wurde erstmals ein Porsche 901 Cabriolet gebaut, das aber nie in Serie ging. Anders der Targa, der jetzt wieder auflebt.

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Gegen Ende der Bauzeit des 911-Vorgängers Porsche 356, des ersten Serienmodells aus Stuttgart, war das Cabriolet nur noch beschränkt beliebt. Immer weniger Käufer entschieden sich für einen offenen 356er. Diese Erkenntnis und wachsender Kostendruck brachten die Entwickler des 901 dazu, auf einen offenen Sportwagen gänzlich zu verzichten. Butzi Porsche, dem gemeinhin die Designleitung bei der 901-Entwicklung zugeordnet wird, sagte damals, dass kein Cabriolet vorgesehen sei. Und Entwicklungsingenieur Komenda formulierte gar den Satz, er sei «grundsätzlich gegen jedes überflüssige Loch in der Karosserie».

So wurde der 901 (nach einigen Monaten mutierte die Typenbezeichnung wegen Einsprachen von Peugeot zu 911) an der IAA 1963 als reines Coupé vorgestellt. So sicher war man sich bei Porsche allerdings dann doch nicht, denn noch im selben Jahr entstanden erste Skizzen einer offenen Variante. Es sollte aber noch bis Juni 1964 dauern, bis ein Cabriolet im Massstab 1:1 in Auftrag gegeben wurde – weil man sich inzwischen eines Cabriolet-Booms in den USA bewusst wurde.

Zangengeburt und Notlösung

Am 10. September 1964 lieferte die Karosseriefirma Karmann den Prototyp des Porsche 901 Cabriolet ohne Verdeck und Gestänge ans Werk. Für das Dach sollte ein Künstler sorgen, der in der Schweiz bei Ramseier (Carosserie Worblaufen) sein Handwerk gelernt hatte. Neben dem Dach verlangte die Karosserie auch nach Festigungsmassnahmen, doch diese erwiesen sich als aussichtslos. Das Cabriolet war nicht steif genug hinzukriegen. Als Notlösung griff man zum festen Bügel über der Fahrgastzelle: Der Targa war geboren. Als Notlösung, sozusagen als Worst Case.

Im September 1965 konnte der Porsche 911 Targa auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt präsentiert werden, sechs Monate später stand er auch in Genf am Auto-Salon. Die «Automobil Revue» kommentierte damals: «Targa nennt Porsche die neue, offene Karosserievariante. Aussergewöhnlich an dieser Ausführung ist der fix mit der Karosserie verbundene Überrollbügel, der zur Erhöhung der Sicherheit erstmals serienmässig in einem Fahrzeug Anwendung findet. (...) Diese Karosserie trägt vier verschiedenen Witterungs- oder sonstigen Stimmungen Rechnung. Es sind dies die Versionen Spider (Fahrzeug ganz offen), Hardtop (aufgesetztes Hardtop, Heckfenster durch Reissverschluss geschlossen), Bel-Air (ohne Hardtop, aber mit Heckfenster) und Voyage (geschlossenes Stoffverdeck, mit oder ohne Heckscheibe).»

Ausflug zur Panoramascheibe

Im ersten Baujahr verkaufte sich der 911 Targa 718-mal, was etwa 20 Prozent der gesamten 911-Stückzahl entsprach. Der Anteil stieg auf rund 34 Prozent im Folgejahr. Ab Modelljahr 1969 wurde dann das Ministoffverdeck mit weicher Heckscheibe durch eine Glaskonstruktion mit eingebauter Heckscheibenheizung ersetzt, wobei die nächsten zwei Jahre noch beide Bauweisen verkauft wurden.

Für das G-Modell und seine Nachkommen mit den Faltenbälgen an den Stossstangen ab 1973 sollte das zusammenfaltbare Dach beim Einstiegsmodell durch eine GFK-Verbundkonstruktion ersetzt werden, was bei der Kundschaft aber nicht gut ankam. Immerhin war die platzsparende Klappvariante aber als Zubehör erhältlich, ab Frühling 1974 kehrte man dann zur beliebteren Variante als Serienausstattung zurück. Der Targa-Anteil belief sich beim G-Modell (bis 1989) auf nicht ganz 30 Prozent.

Der G-Modell-Nachfolger 964 Targa war Anfang der Neunzigerjahre der letzte «echte» Targa, denn beim ab 1993 gebauten 993 entschied man sich, statt des herausnehmbaren Mittelteils eine elektrisch verschiebbare Panoramascheibe einzubauen. Diese Bauweise behielt man bis in die Neuzeit bei, erst 2014 wurde mit dem 991 Targa wieder auf die klassische Variante mit breitem Targa-Bügel zurückgegriffen.

Die Renaissance des Targa

Eine echte 911-Cabriolet-Variante wurde 1981 mit der Studie 911 Turbo Cabriolet in Frankfurt erstmals gezeigt, 1982 konnte dann in Genf das seriennahe 911 SC Cabriolet bewundert werden. Es kam gerade rechtzeitig für den beginnenden Offenfahrenboom in Europa und sorgte sogar für eine Renaissance des Targa, der parallel weitergebaut wurde. Das Cabriolet aber wurde ab 1983 zur unverzichtbaren Ausführung, die sich bei den 911er-Fans grosser Beliebtheit erfreute. Auch die Turbo- und 4x4-Versionen sind seither als Cabriolets erhältlich.

Mit dem Speedster erschien 1989 eine Reminiszenz an den 356 Speedster als extremste Cabrioletvariante, die in vergleichsweise geringen Stückzahlen produziert wurde. Auch vom folgenden 964 gibt es ab 1992 wieder eine Speedster-Variante, die allerdings nur bis 1993 gebaut wurde.

Das wiederentdeckte 901 Cabriolet

Und der Vater aller dieser Überlegungen, der 901-Cabriolet-Prototyp? Er stand sich jahrelange die Reifen platt, bis ihn der amerikanische Porsche-Liebhaber Myron Vernis 2001 befreite. Er unterliess es, den Wagen zu restaurieren, machte ihn aber fahrbar. Selbst auf die Rekonstruktion des Faltdaches verzichtete er, denn er wolle den Wagen sowieso nur offen fahren.

Mehr über den ersten offenen Porsche 901 und seine Nachkommen gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und auf über 150 Bildern zu geniessen.

Erstellt: 05.02.2014, 21:12 Uhr

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