Kult-Auto

Der Supersportwagen der Fünzigerjahre

Der Cunningham C-3 war der schnellste amerikanische Strassensportwagen seiner Zeit und der europäischen Elite von Aston Martin bis Ferrari zumindest ebenbürtig.

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Als der Cunningham C-3 1952 auf dem Autosalon in Paris präsentiert wurde, war er der einzige amerikanische Sportwagen überhaupt und durchaus ein Konkurrent für die europäische Sportwagenelite. Dank seiner Schönheit, die er Giovanni Michelotti zu verdanken hatte, schaffte er es sogar in das Museum of Modern Art.

Briggs Swift Cunningham war ein amerikanischer Sportsmann und Unternehmer, der Benzin im Blut und die Geschwindigkeit im Kopf hatte. Er stammte aus einer reichen Familie und konnte es sich leisten, seinen Leidenschaften mit eigens entwickelten Produkten zu frönen. Neben Segeljachten wurde er hauptsächlich mit den Automobilen, die seinen Namen trugen, berühmt. Aber er erntete auch als Fahrer Lorbeeren, und er setzte ungewöhnliche Fahrzeuge im Langstreckenrennsport ein, zum Beispiel den Cadillac Le Monstre.

Aus der Not geboren

Briggs Leidenschaft waren Langstreckenrennen, und er versuchte wiederholt, den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans zu erringen. Einige Male lag der erste Platz in Reichweite, doch der komplette Erfolg gelang nie. Wegen veränderter Rahmenbedingungen sah sich Cunningham für die Teilnahme 1952 gezwungen, eine Serie von 25 Fahrzeugen zu produzieren. Der Geschäftsmann Cunningham hoffte zudem, durch den Verkauf von Sportwagen, die für den Strassen- und den Renneinsatz taugten, die teuren Renneinsätze querfinanzieren zu können.

Der neue Sportwagen für Strasse und Rennen sollte C-3 heissen. Den ersten Prototyp konstruierte Cunningham mit seinen Ingenieuren in den eigenen Räumen in West Palm Beach. Als Basis nutzte man den C-2-Rennwagen, übernahm den wie eine Leiter aufgebauten Rahmen und die aufwendige De-Dion-Aufhängung. Als Motor setzte man auf einen Chrysler-V8. Bei der Nachkalkulation zeigte sich, dass ein derart gebauter Sportwagen rund 15'000 US-Dollar kosten würde – ohne Herstellermarge. Dies wurde als zu teuer empfunden, man suchte neue Wege und kontaktierte die Carrozzeria Vignale, die in der Lage war, deutlich günstigere Karosserien zu liefern, womit der Basispreis gegen 9000 Dollar sinken sollte.

Design von Giovanni Michelotti

Virgil Exner, ein Freund Cunninghams, skizzierte bereits 1951 ein mögliches C-3-Coupé, das dem Chrysler d’Elegance von 1953 relativ ähnlich sah. Giovanni Michelotti erhielt 1952 den Auftrag, das Coupé (und später auch das Cabriolet) zu gestalten. Heraus kam ein eleganter Fliesshecksportwagen mit eindeutig europäischer Linienführung und eleganter Zweifarbensilhouette. Von vorne glich der Wagen den Ferrari-Entwürfen Michelottis, die Seitenansicht wirkte aber individuell. Insgesamt darf die Form sicher als eine der schönsten der frühen Fünfzigerjahre überhaupt gesehen werden.

Auch die Technik wurde vereinfacht und möglichst seriennah gehalten. Statt der De-Dion-Hinterachse setzte man für die Serienfertigung auf die Chrysler-Starrachse mit Längslenkern, Schraubenfedern und Panhardstab. An der Vorderachse wurden die Räder an Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreiecksquerlenkern und Schraubenfedern geführt. Als Bremsen nutzte man hydraulisch angesteuerte Mercury-Trommeln. Der Motor war ein Chrysler CID «Fire Power» Hemi V8 mit Cunninghams eigener Konstruktion zur Anbringung von vier Zenith-Vergasern. Die Leistung betrug damit rund 220 PS bei 4400 U/min. Geschaltet wurde via Automatik oder manuell mit einem synchronisierten Dreiganggetriebe. Tatsächlich veränderte sich die Spezifikation über die Bauzeit immer wieder.

Der fertige Wagen wog rund 1270 kg, mass 4,34 Meter in der Länge und 1,78 in der Breite. Die ausführliche Bezeichnung lautete «Cunningham C3 Continental Sports Coupé». Das Interieur war luxuriös ausgestaltet und in hoher Qualität gefertigt. Rund 190 km/h gestand man dem Sportwagen zu, als Reiseverbrauch wurden 15 bis 17 Liter pro 100 km geschätzt. Die Beschleunigung auf 60 mph (96 km/h) soll der Wagen in weniger als sieben Sekunden geschafft haben. Der Verkaufsprospekt wies deutlich auf die Vereinigung amerikanischer Technik mit italienischer Kunst hin, und tatsächlich schaffte es das Coupé 1953 dann auch im Rahmen der Sonderausstellung «Ten Automobiles» in das Museum of Modern Art (Moma).

Begeistert empfangen

Der elegante Sportwagen wurde unter anderem am Pariser Salon (1952) und am Genfer Auto-Salon (1953) gezeigt und stiess auf positives Echo. Im April 1953 stand in der «ADAC Motorwelt» in den «Genfer Notizen»: «Nur 10'000 Dollar kostet in Amerika dieser neue Cunningham. Von Vignale karossiert, basiert das Fahrwerk auf einem fünfeinhalb Liter grossen V-Achtzylinder-Motor mit 223 PS und 190 km/st Spitze.» 10'000 Dollar waren damals aber eine mächtige Stange Geld, ein Austin-Healey etwa kostete knapp ein Viertel dieser Summe in den Staaten. Im Vergleich zu den damals produzierten Ferrari-Sportwagen lag der Cunningham C-3 aber gut im Rennen, und auch Fahrleistungen und Strassenlage waren konkurrenzfähig.

Es wurde von respektablen Produktionszahlen geträumt. Noch im Februar 1953 schrieb die «Automobil Revue» im Rahmen ihres «Turiner Karosseriebriefs»: «Bei Vignale hat sich die Zusammenarbeit mit Cunningham eingespielt. Zurzeit sind über 80 der im letzten Herbst in Paris gezeigten Coupé-Karosserien im Gange. Ein Cabriolet für diesen Wagen ist in Vorbereitung und ist vielleicht schon in Genf zu sehen.» Dies war aber offensichtlich stark übertrieben, denn tatsächlich wurden gerade einmal 19 Coupés (andere Quellen nennen 20) und vier (oder fünf, respektive neun?) Cabriolets gebaut. Jedenfalls sollen 24 C-3 heute noch existieren, was eine beeindruckende Überlebensrate ist.

Das abgebildete blau-weisse C-3-Coupé mit Jahrgang 1952 und Chassisnummer 5210 wird an der Scottsdale-Versteigerung von Gooding & Company als Lot 21 zum Schätzpreis von USD 450'000 bis 550'000 angeboten.

Weitere Informationen, viele Archivbilder und weiterführende Verweise zum Cunningham C-3 finden sich auf www.zwischengas.com.

Erstellt: 13.01.2014, 11:45 Uhr

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