Kult-Autos

Ferraris Bestseller der frühen Jahre

Das Unternehmen ist 1953 noch immer ein Kleinst-Hersteller. Doch das Modell 212, gebaut zwischen 1951 und 1953, ist so ein bisschen der Bestseller jener frühen Jahre.

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Der 212 ist zusammen mit seinem grösseren Bruder, dem 225S, das letzte Ferrari-Modell vor dem grossen Durchbruch mit dem 250 – und ein 212er war der erste Ferrari, an den Pininfarina seine Hände legte. Und schliesslich waren es zwei 212er, die Ferrari 1951 den ersten Sieg bei der legendären Carrera Panamericana bescherten.

Es gab die 212er entweder als Export (wahrscheinlich 24 Exemplare), mit den geraden Chassisnummern, die bei Ferrari für die Rennfahrzeuge reserviert blieben, oder dann als Inter (84 oder 86 Stück), die Strassenfahrzeuge mit den ungeraden Chassisnummern. Der Hubraum betrug bei den 212ern genau 2562,51 ccm (Bohrung x Hub: 68 x 58,8 mm). Mit einem 32er-Weber-Vergaser und einer Verdichtung von 7,5:1 kam der Colombo-V12 auf etwa 130 PS, doch die meisten Kunden wünschten sich auch bei den Inter ein paar Pferdchen mehr, und so gab es dann auch drei 36er-Weber, eine Verdichtung von 8,5:1 und dann rund 170 PS. Damit schaffte so ein rund 1000 Kilo schwerer 212 Inter, dessen Radstand 2,6 Meter betrug, dann problemlos 200 km/h und beschleunigte in 9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Von Touring eingekleidet

Während die ersten Strassenfahrzeuge von Ferrari zumeist von Touring eingekleidet worden waren, hatte dann zu Beginn der 50er-Jahre Vignale ein Hoch. Aber auch Touring karossierte so einige 212er, Ghia durfte mittun, und sogar der englische Massschneider Abbot, der ein viersitziges, ziemlich hässliches Cabrio baute. Es gibt nur wenige Ferrari, bei denen es in der einschlägigen Literatur so unterschiedliche Angaben gibt, wer denn nun wie viele der Fahrzeuge eingekleidet habe. Also wollen wir uns nicht weiter auf dieses Thema versteifen.

Nur sechs Stück gebaut

Wir haben es hier mit einem sogenannten «Geneva Coupé» zu tun. Sechs Stück davon wurden bei Vignale gebaut, alle 1953. Sie gehörten alle zu den letzten hergestellten 212 Inter. Speziell an diesen Fahrzeugen ist das ziemlich dramatische Design, das Alfredo Vignale und Giovanni Michelotti dem Wagen verpassten. Man kann hier ausserdem gut erste amerikanische Einflüsse, vor allem von Harley Earl, sehen, kleine Flossen hinten, das flugzeugähnliche Dach. Die «Geneva Coupés», die so heissen, weil das erste Exemplar 1953 auf dem Auto-Salon von Genf ausgestellt worden war, wurden komplett in Alu gebaut – etwas, was Alfredo Vignale persönlich anscheinend so gut konnte wie kein anderer. Er trug auch den Übernamen «der Mann mit dem Hammer». Die Linien, sagt man, sollen Vignale und Michelotti gemeinsam in den Staub auf dem Boden der Turiner Vignale-Fabrik gezeichnet haben.

Dieses Fahrzeug war einer der ersten Ferrari, der schon als Neuwagen gleich in die USA verkauft wurde, an einen Alfred Momo aus New York. Dieses «Geneva Coupé» mit der klassischen Rosso-Rubino-Lackierung blieb bis 2002 in den USA, dann kaufte ein bekannter japanischer Sammler den Wagen.

Aus Geldnot verkauft

Es gibt einige ganz besondere 212er, etwa die «Hummel», ein Vignale-Entwurf mit der Chassisnummer 0197EL, der in einer sehr aussergewöhnlichen Kombination von Gelb und Schwarz lackiert war. Oder jenen 212er mit der Chassisnummer 0265 und einer Pininfarina-Karosse, den Roberto Rossellini seiner Frau Ingrid Bergmann zum ersten Hochzeitstag geschenkt hatte. Also, er wollte ihn ihr zum ersten Hochzeitstag schenken, doch bis das Fahrzeug endlich ausgeliefert wurde, schrieb man schon das Jahr 1953, das Paar war dann schon fast drei Jahre verheiratet. Die beiden brachen mit dem 212er am 5. Juni 1953 zu einer Reise von Rom nach Stockholm auf, es gibt Bilder von dem Fahrzeug mit Gepäckträger. Am 30. Januar 1954 verkaufte der notorisch in Finanznöten steckende Rossellini den Wagen aber bereits wieder.

«Einige Versionen sahen schrecklich aus»

Diese 212er waren ab 1951, wie eingangs erwähnt, die ersten Ferrari, die von Pininfarina eingekleidet wurden. Zuerst zeichneten die Turiner nur je ein Cabrio und ein Coupé, doch die eher strengen Linien gefielen dem Publikum bestens, und 1952/53 entstanden dann ungefähr 15 Pininfarina-Exemplare des 212 Inter. Für Vignale war das allerdings ein grosses Problem, denn sobald Pininfarina mit von der Partie war, hatten Alfredo und seine Mitarbeiter gar nichts mehr zu berichten. Es muss aber auch erwähnt sein, dass halt nicht alle Vignale-Ferrari besonders gelungen waren, oder wie es der Ferrari-Kenner Marcel Massini einmal ausdrückte: «Es muss gesagt sein, dass einige Versionen ausserordentlich schrecklich aussahen.»

Der hier gezeigte Vignale von 1953 ist einer der letzten Ferrari, der von Vignale eingekleidet wurde, und es ist ganz sicher kein schreckliches Automobil. Sonst wäre es wohl kaum im vergangenen Jahr von RM Auctions für 654'000 Dollar verkauft worden.

Erstellt: 31.03.2011, 09:02 Uhr

Bilder und Bericht zum Ferrari 212 wurde Ihnen präsentiert von Radical Mag.

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