Französische Revolution

Die drei Hersteller Citroën, Peugeot und Renault wollen bei der IAA in Frankfurt nächste Woche mit völlig unterschiedlichen Konzeptstudien für Aufsehen sorgen.

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Nachdem die Franzosen im vergangenen Jahr anlässlich der Mondial de l’Automobile in Paris nicht so richtig glänzen konnten und beim Heimspiel vor allem von den deutschen Marken ausgekontert wurden, bringen sich Citroën, Peugeot und Renault eine Woche vor den Medientagen der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt – wechselt sich jeweils mit Paris ab – mit drei (mehr oder weniger) spannenden Studien in Stellung. Während Citroën mit der Studie Cactus M mit der Vergangenheit kokettiert und mit der Idee eines zukünftigen Cactus-Cabriolets spielt, blickt Peugeot weiter in die Zukunft und zeigt mit dem Fractal, wie sich die Marke ein Elektrocoupé für die Stadt vorstellt und welche Sinne bei dieser Vision angesprochen werden. Fast schon bieder, aber dafür am realistischsten erscheint dagegen der Renault Alaskan Concept, mit dem die Franzosen bald auch noch auf den boomenden Pick-up-Zug aufspringen wollen.

Citroën: Es lebe der Mehari

Unabhängig vom Wetter lässt Citroën in Frankfurt mit dem Cactus M die Erinnerungen an den «Sommer der Liebe» Ende der 60er-Jahre an der Côte d’Azur aufleben. Denn der schmucke Oben-ohne-Cactus ist eine Hommage an den kultigen Mehari, den Citroën von 1968 bis 1987 immerhin fast 150'000-mal gebaut – und auch verkauft hat. Wie damals beschränkt sich der Aufbau des 4,16 Meter langen M auf das Allernötigste: vier Sitze, knappe Türen – über die man auch steigen kann, wenn sie geschlossen sind –, eine Frontscheibe und einen Dreizylindermotor mit 110 PS. Ein Dach oder Seitenscheiben? Fehlanzeige. Und der Überrollbügel aus Holz dient in erster Linie dem Transport von Surfbrettern, die bei einer Neuauflage des französischen Fun- und Strandmobils natürlich nicht fehlen dürfen.

Um den Neuzeit-Mehari gegen Sand und Salzwasser zu schützen, haben die Designer im Innenraum auf besonders widerstandsfähige Materialien wie Holz und Neopren gesetzt. Und schon mal ein paar Ablauflöcher ins Bodenblech gestanzt, falls es mal regnen sollte. Apropos Regen: Die Franzosen haben an alles gedacht, und so lässt sich die Rückbank ganz einfach zu einer Liegefläche umbauen, und mit ein paar wenigen Handgriffen kann man ein Zeltdach aus dem doppelten Ladeboden ziehen und über dem Cactus M aufspannen. Wer kein Campingprofi ist, muss sich nicht fürchten: Das Zelt wird mit einem Kompressor aufgeblasen. Leider wird der Cactus wohl so nicht in den Handel kommen, aber immerhin macht er Lust auf das Cabriolet des Cactus, das bei den Franzosen als gesetzt gilt.

Peugeot: Eins auf die Ohren

Bei Konzernschwester Peugeot schweift der Blick der Designer und Ingenieure um Concept-Car-Kopf Matthias Hossann weiter, viel weiter in die Zukunft: Mit dem Fractal will Peugeot einerseits zeigen, wie sich die Löwenmarke ein Elektrocoupé für die Stadt vorstellt, andererseits soll das Layout des Cockpits aufzeigen, in welche Richtung sich der Arbeitsplatz des Fahrers entwickeln wird. Dabei setzen die Franzosen auf einen zusätzlichen Sinn – das Gehör: «Bisher wurden die Sinne des Fahrers visuell über das hochgesetzte Kombiinstrument und haptisch über das kompakte Lenkrad und den Touchscreen angesprochen. Hinzu kommt nun das Gehör, das durch eine im Automobilbereich völlig neue Art der Klangbearbeitung angeregt wird. Die zusätzliche auditive Wahrnehmung von Informationen sorgt für ein noch intensiveres Fahrerlebnis.»

Zudem verfügt der Peugeot Fractal über eine spezifische Soundsignatur, die vom brasilianischen Klangdesigner und DJ Amon Tobin entwickelt worden ist. Diese erklingt, sobald die Türen über die Smartwatch des Fahrers geöffnet werden. Das Fahren mit einem Elektrocoupé soll so zu einem einzigartigen, höchst intensiven Erlebnis werden. So werden insbesondere Fussgänger und Radfahrer akustisch über den jeweiligen Fahrzustand des Fractal – Beschleunigung, Verzögerung oder konstante Geschwindigkeit – informiert. An Bord kommt ebenfalls ein völlig neues Audiokonzept zum Einsatz, bei dem Funktionen wie Zündung, Blinker und Warnblinker, Beleuchtung und Navigation klanglich untermalt werden.

Renault: Abenteuer statt Arbeit

Alles andere als futuristisch, aber keinesfalls ohne Reiz ist der Alaskan Concept, der bei Renault für Aufsehen sorgen soll. Denn der sportliche Pick-up ist keine Fingerübung für die Designer, sondern zeigt, wie der Midsize-Pick-up der Franzosen aussehen wird, der Ende nächsten Jahres in Serie auf die Strasse rollt. Die Franzosen, immerhin Europas Marktführer bei den leichten Nutzfahrzeugen, wollen das Feld nicht mehr der Konkurrenz bei Toyota, Nissan und Mitsubishi oder VW überlassen.

Für den Auftritt auf der Showbühne wird aus dem zukünftigen Arbeiter für den Alltag ein wagemutiger Abenteurer, der neues Terrain in fernen Gegenden erkunden will. Erkunden kann man den zukünftigen Renault-Pick-up an der IAA aber auch am Stand von Nissan – denn der Alaskan ist kein neues Auto, sondern ein retuschierter Navara der Schwestermarke Nissan, der nächste Woche auf der IAA seine Weltpremiere feiert.

Erstellt: 07.09.2015, 15:13 Uhr

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