Kult-Auto

Fünf Stiere aus einem Stall

Eine geradezu einmalige Zusammenstellung seltener Lamborghini wurde vor wenigen Tagen am Concorso d’Eleganza Villa d’Este präsentiert..

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Bei leichtem Nieselregen fanden am 25. Mai 2013 50 exquisite Automobile am Comersee zusammen. In neun verschiedenen Klassen wurden Einzelstücke und Serienfahrzeuge nach ihrer Schönheit und ihrem Zustand beurteilt.

Der 50. Geburtstag der Marke Lamborghini war den Veranstaltern Grund genug, den Sportwagen aus Santa Agata gleich eine ganze Kategorie einzurichten. Und es fuhren denn auch einige ganz besondere Fahrzeuge vor. Vermutlich ist es auch kein Zufall, dass ein Teil der fünf ausgestellten Lamborghini-Sportwagen in den Händen von Schweizer Sammlern sind.

350 GTV – der Erste

Vor 60 Jahren präsentierte Ferruccio Lamborghini in Genf seinen ersten Sportwagen. Der Lamborghini 350 GTV war von Franco Scaglione gezeichnet worden, doch der Prototyp fand weder die Gunst des Publikums noch die des Firmenchefs. Und es gab technische Probleme, denn der eigens entwickelte Zwölfzylinder-Motor passte gar nicht in den Bug des 350 GTV. Für die Präsentation wurden darum Ziegelsteine eingefüllt und die Motorhaube verschlossen.

Wenn ein Journalist fragte, ob er unter die Haube sehen dürfe, soll Lamborghini geantwortet haben: «Natürlich, kein Problem, wir müssen nur schnell den Mechaniker finden, der den Schlüssel hat; wo ist er denn ...?» Der 350 GTV erhielt später doch noch seinen Motor. Heute fährt er mit eigener Kraft und wurde am Concorso d’Eleganza mit einer Ehrung ausgezeichnet.

350 GT – der erste Verkaufte

Auf den 350 GTV folgte dann der optisch von der Carozzeria Touring überarbeitete Lamborghini 350 GT. In Cernobbio ausgestellt, war er in der Farbe Blau und es handelte sich um den ersten verkauften Lamborghini überhaupt. Dieser Wagen hat eine ganz besondere Geschichte, half doch sein erster Besitzer, der in Genf wohnhafte Robin Grant, bei den Testarbeiten mit und erhielt als Dank 1965 den neuen Vierliter-Motor. Damit wurde aus dem 350 GT eigentlich der Prototyp des Nachfolgers 400 GT.

Und noch eine Besonderheit hatte das wiederum mit einem Front-V12-Motor ausgerüstete GT-Coupé, es trug nämlich ein rot-weisses Lamborghini-Wappen auf dem Bug. Weil gerade noch keine neuen Sportwagenmarkenzeichen vorhanden waren, montierte man pragmatisch dasjenige, das normalerweise die Lamborghini-Traktoren zierte.

350 GTS – einer von zwei Spidern

Sieger in der Lamborghini-Klasse wurde der 350 GTS von 1965, einer von zwei offenen Einzelstücken, die Touring für den Turiner Autosalon gebaut hatte. Der goldfarbig gespritzte Spider wurde in Como seit 1965 zum ersten Mal wieder öffentlich präsentiert und er überzeugte durch Eleganz und Anmut. Eine Produktion wäre damals sicher von Erfolg gekrönt gewesen, doch fokussierten die Lamborghini-Mannen damals auf den revolutionären Mittelmotorsportwagen Miura.

Miura – der Schönste

Der Lamborghini Miura gilt bei Sportwagenfans weltweit als eines der schönsten, wenn nicht gar das schönste aller je produzierten Autos. Marcello Gandini in Diensten von Bertone hatte ganze Arbeit geleistet und ein Ingenieurenteam im Alter von 20 bis 30 Jahren triumphierte über Ferrari, weil man es schaffte, einen V12-Mittelmotor-Strassensportwagen rund sechs Jahre vor Ferrari zu präsentieren. Auf dem Genfer Autosalon 1966 war der Wagen eine Sensation und er galt sofort als Massstab in der Oberliga des Sportwagenbaus.

Mit dem SV zündete man nach dem S die dritte Leistungsstufe, 385 PS das lautstarke Ergebnis. Immerhin liege das Geräuschniveau beim Miura niedriger als beim Porsche Carrera 6, schrieb einst der bekannte Autojournalist Paul Frère, aber der Porsche war auch ein reinrassiger Rennwagen ohne jede Geräuschdämmung. Heute erzielen gut erhaltene Miura SV an Auktionen rund eine Million Franken und auch die leistungsschwächeren Modelle – 765 wurden gebaut – sind nur unwesentlich günstiger. Am Concorso wurde ein babyblaues SV-Modell gezeigt, diese Farbe soll damals besonders selten gewesen sein.

400 GT Flying Star II – der Speziellste

Er wurde zum letzten Showcar, den die Carozzeria Touring vor ihrer Schliessung 1966 präsentierte, und er sah mit seinem Kombiheck anders aus als alle Lamborghini vor und nach ihm. Neudeutsch spricht man bei dieser Karosserieform gerne von «Shooting Brake». Der Touring-Kombi war ein Hybrid aus verkürztem 350-GT-Chassis und dem Motor des 400 GT. Das kantige Heck eilte wohl dem Zeitgeschmack von damals voraus, heute wirkt der Sportkombi aber sehr gefällig. Langjähriger Besitzer des Wagens war Jacques Quirez, der Bruder der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan («Bonjour Tristesse»). Vor wenigen Jahren wurde der Lamborghini bei der wiederauferstandenen Firma Touring Superleggera restauriert.

Einen umfangreichen Bericht zum Concorso d’Eleganza Villa d’Este mit rund 400 Bildern wurde auf Zwischengas.com publiziert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.06.2013, 12:08 Uhr

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