Peugeot 2008 Hybrid Air: Mit Stickstoff statt Strom

Wie ein Druckspeicher dem Lithium-Ionen-Akku die Schau stehlen soll.

Der Peugeot 2008 Hybrid Air unterstützt den Benziner mit Druckluft. Bild: Peugeot

Der Peugeot 2008 Hybrid Air unterstützt den Benziner mit Druckluft. Bild: Peugeot

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Stille Revolution? Wenn es nach Peugeot und Citroën geht, dann klingt das Auto von morgen nicht wie ein Ufo, sondern eher wie Vogelgezwitscher. Denn während alle Welt ihr Heil im Hybridantrieb ohne und mit Steckdosenanschluss sucht, wollen die Franzosen ihre Autos künftig mit Druckluft betreiben.

Zumindest auf den ersten Metern. Denn zum elektrischen Fahren braucht man schliesslich Akkus, am besten mit Lithium-Ionen-Technik. Und die sind dem PSA-Konzern zu teuer, zu aufwendig und zu kompliziert, als dass man sie gewinnbringend auch in Kleinwagen einbauen könnte. Genau dort aber müssen die Franzosen ansetzen, wenn sie ihren Flottenverbrauch senken wollen, weil genau das die Autos sind, die sie am häufigsten verkaufen.

40 zusätzliche PS

Deshalb sucht Projektleiter Karim Mokaddem nach einem alternativen Energieträger, ist dabei auf Stickstoff statt Strom gestossen und hat gemeinsam mit Bosch nun eine erste Flotte von Prototypen aufgebaut, die mittlerweile regelmässig durch den Stadtverkehr von Paris zwitschern. Nimmt der Fahrer den Fuss vom Gas, wird auch dort rekuperiert. Nur dass jetzt statt des Generators eine Pumpe läuft. Sie presst Hydrauliköl in einen Stickstofftank im Mitteltunnel.

Der Druck des ungiftigen und ganz natürlichen Gases, das zum Beispiel Hauptbestandteil unserer Atemluft ist, wird damit von 200 auf 350 Bar erhöht. Legt die Elektronik die entsprechenden Ventile um und setzt diesen Druck wieder frei, kann man damit über das in einem geschlossenen Kreislauf bewegte Öl einen Hydraulikmotor antreiben und so gut 40 PS aktivieren. Das reicht, um den umgerüsteten Peugeot 2008 auf bis zu 60 km/h zu beschleunigen, oder ist eine spürbare Unterstützung für den 82 PS starken 3-Zylinder-Benziner, der vorn mit unter der Haube steckt.

Innert zehn Sekunden geladen

Zwar reicht der gespeicherte Druck nur für wenige Hundert Meter reinen Fahrbetrieb. Doch wo die Akkus eines Elektrohybriden frühestens nach ein paar Minuten wieder voll sind, ist der Hybrid-Air-Tank schon innert zehn Sekunden wieder geladen. «Kein anderes System kann den Verbrenner so schnell und so oft unterstützen», schwärmt der Projektleiter. Das zahlt sich vor allem im Stadtverkehr aus: Dort hat der Verbrenner auf den Testrunden durch die Hauptstadt in bis zu 80 Prozent der Fahrzeit Pause und der CO2-Ausstoss sinkt um 45 Prozent. Schon für den aktuellen 2008 stellt Mokaddem einen Normverbrauch von 2,9 Litern in Aussicht.

Natürlich gibt es auch die Hybrid-Air-Technologie nicht zum Nulltarif. Doch gemessen an den rein elektrischen Komponenten und den Lithium-Ionen-Akkus ist die französische Luftnummer ein Schnäppchen: «Mit dieser Technik können wir den Aufpreis für ein Hybridmodell halbieren», sagt Eric Lalliard.

Die Idee ist verlockend, die Umsetzung aber schwierig, weil es an ihrer Industrialisierung mangelt: Weil die Technologie nur in Nischen fernab der Autoindustrie angewandt worden ist, gibt es keinen Zulieferer. Darum können sich die vornehmlich japanischen Anbieter konventioneller Hybrid-Kleinwagen noch in Sicherheit wiegen, räumt Bosch-Mann Christian Mecker ein: «Wenn wir jetzt durchstarten, können wir in drei Jahren auf dem Markt sein. Vorher allerdings müssen wir weitere Partner ins Boot holen. Denn alleine bekommen wir die Revolution nicht durch.»

Erstellt: 07.07.2014, 16:46 Uhr

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