Prius als Rallye-Primus

Die 14. Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe zeigt sich als Wettbewerb mit eigenen Gesetzen: Trotz Motorsport-Prominenz machte ein Amateur in einem Toyota Prius das Rennen.

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Schwarze Nacht, strömender Regen und schmieriger Asphalt. Und dann die Haarnadelkurven im zweifachen Dutzend, deren Ein- und Ausgänge in dieser gespenstischen Gleichmässigkeitsprüfung nur zu erahnen waren. Oben im Dunkel auf dem Weg hoch zum Col de Turini wurde es selbst Andrea Chiesa ein bisschen unheimlich. Denn mit einer vom Reglement stark gewichteten Verbrauchswertung – wer würde sich da zusätzlich stromfressende Frontscheinwerfer auf die Motorhaube schnallen? Chiesa, der ehemalige Formel-1und Le-Mans-Pilot aus Cadenazzo, war am vergangenen Donnerstag von Lugano aus mit dem Hybridauto Chevrolet Volt auf seine erste Öko-Rallye gestartet: die Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe, Auftakt des FIA Alternative Energy Cup 2013.

Amateur besiegt Profirennfahrer

Andrea Chiesa war nicht der einzige Teilnehmer aus dem Profi-Motorsport. Vor allem Daniel Elena, als Co-Pilot von Sébastien Loeb neunfacher und amtierender Rallye-Weltmeister, galt am Steuer eines Citroën DS5 Hybrid als Favorit. Dass am Ende weder Elena noch Raymond Durand in einem Opel Ampera, immerhin zweifacher Sieger des Alternative Energy Cup, ganz vorne landeten, zeigt den besonderen Charakter dieses Wettbewerbs: Der Rhythmus zwischen Vollstrom-Fahrt auf den Wertungsprüfungen und Energiesparen auf den Verbindungsetappen muss sitzen. Am besten gelang dies Artur Prusak aus Polen in einem Toyota Prius II: Er gewann die Gesamtwertung vor Roland Burtin (Frankreich) in einem Biodiesel-Honda Civic und Luis Murguia (Spanien) in einem Toyota Yaris Hybrid. Die Wertung der Elektroautos gewann Jean Ferry (Monaco) in einem Mitsubishi i-MiEV.

Vom Auris bis zum Think City

Das diesjährige Teilnehmerfeld bot einen recht vollständigen Überblick über alle bereits erhältlichen Autos mit den CO2 reduzierenden Antrieben: Bei den Vollhybridmodellen waren Toyota Prius, Prius Plug-in Hybrid, Auris Hybrid und Yaris Hybrid sowie Honda CR-Z, Insight und Jazz und Kia Optima gemeldet. In der Klasse der Elektroautos mit Range Extender, einem zuschaltbaren Benzinmotor, fuhren Opel Ampera, Chevrolet Volt und Fisker Karma. Bei den Elektroautos starteten Tesla Roadster, Nissan Leaf, Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn, Renault Fluence Z.E., Smart Electric Drive, Mia und Think City. Die Stromer mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern – also alle ausser Teslas Roadster – fuhren in einer 357 Kilometer kurzen Sonderwertung mit mehreren Ladestationen.

Erdgas- und Biovarianten am Start

Am Start zudem etliche Erd-, Autogas- und Bioethanolvarianten verschiedener Marken, die vor allem in Frankreich und Italien höchst beliebt sind. Das Gesamtklassement ermittelte sich durch einen Vergleich von Leistungsgewicht der Autos und Energiedichte des Kraftstoffs. Vor allem bei den Fans der umweltfreundlichen Autos hat sich die «grüne Monte» zu einem ernsthaften Wettbewerb entwickelt, bei dem vor allem Tesla, Toyota und Opel in den vergangenen Jahren punkteten. Dass andere Marken mit konkurrenzfähigen und neuen E- und Hybridautos (etwa Renault, Ford, Volvo und Volkswagen) hier auf ihren Auftritt verzichten, ist keine Ignoranz, sondern Respekt vor der sportlichen Herausforderung: Denn genau wie in jedem anderen Motorsport-Wettbewerb bringt nur ein Sieg die gewünschten PR-Effekte.

IT-Experte mit zwei Laptops

«Das Fahrerische ist nicht das Problem», sagt Andrea Chiesa. «Wichtig sind Navigation, Timing, die richtigen Instrumente und die Vorbereitung.» Dabei ist das Equipment im Cockpit so innovativ wie die Antriebsstränge: Der Rallye-Sieger, der polnische IT-Experte Artur Prusak, orientierte sich mit seinem Co-Piloten Jean Baptiste Loty erfolgreich mit zwei Laptops, zwei Smartphones und Spezialapps. Weniger gut lief es für die Aushängeschilder sportlichen elektrischen Fahrens: Den beiden gestarteten Tesla Roadster wurde von den Veranstaltern eine zu geringe Spannung zur Verfügung gestellt: Die längere Ladezeit verursachte eine zu späte Zielankunft und lud ihnen 3600 Strafpunkte auf. Womit die Elektrorenner aus dem Rennen um die vorderen Plätze gefallen waren.

2014 mit neuen Wettbewerbern?

Nur wenig besser lief es bei der Prominenz: Daniel Elena schied auf der letzten Etappe mit einem Reifenschaden aus. Und Andrea Chiesa landete schliesslich im Mittelfeld. Doch die mit dem Hybridantrieb mögliche Rallyetaktik hat auch ihn fasziniert: Das unmittelbare Drehmoment der Elektromotoren zieht selbst schwere Autos wie seinen Chevrolet Volt schnell aus der Kurve. Und die Rekuperation, also die Rückgewinnung der beim Bremsen frei werdenden Energie, bringt vor allem in den Bergen echte Vorteile. «Wenn der Markt aufwacht, werden grössere Budgets in den elektrischen Motorsport fliessen», meint Chiesa auch mit Hinblick auf die für dieses Jahr geplante Formula E.

Wie stark sportliche Wettbewerbe wie die alternative Rallye Monte Carlo der Akzeptanz (teil-)elektrischer Autos helfen können, wird sich vor allem im kommenden Jahr zeigen: Dann stünde mit BMW i3, VW Golf Blue-e-motion, Ford Focus Electric, Renault Zoe, Porsche 918 Spyder, Tesla Model S und Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive eine beeindruckende Flotte bereit. Bleibt nur abzuwarten, welcher Hersteller sich mit vollem Einsatz in die Serpentinen über Monaco traut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2013, 11:32 Uhr

RANGLISTE

Gesamtklassement Hybrid und alternative Kraftstoffe:

1. Artur Prusak (POL)/Jean Baptiste Loty (FRA), Toyota Prius. 2. Roland Burtin/JeanMichel Perissoud (FRA), Honda Civic. 3. Luis Murguia/Javier Urmeneta (ESP), Toyota Yaris Hybrid.

Gesamtklassement Elektroautos:
1. Jean Ferry/Patrick Curti (Monaco), Mitsubishi i-MiEV. 2. Pascal Ferry/Aurore Gallet (Monaco), Mitsubishi i-MiEV. 3. Fuzzy Walter Kofler/Franco Gaioni (ITA), Think City.

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