Kult-Autos

Raritäten von der Insel

Am British Car Meeting in Mollis kamen Fans britischer Klassiker auf ihre Kosten. Wir zeigen die schönsten Fahrzeuge.

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Einmal im Jahr spannen in Mollis Organisatoren, Vereine, Obrigkeit und die Bauern zusammen und ermöglichen einen Oldtimer-Anlass. Auch am 26. August zog das British Car Meeting (BCM) nicht nur Teilnehmer aus der Schweiz an, sondern auch aus Italien, Deutschland und weiteren Ländern. 1100 Fahrzeuge trafen trotz durchzogenem Wetter beim Flugplatz von Mollis ein.

Willkommen als Teilnehmer ist, wer ein englisches Automobil fährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Auto jung oder alt, selten oder weitverbreitet ist. Und so parkierte denn auch ein Mini der Achtzigerjahre neben einem Rolls-Royce der Golden Sixties, oder ein Lotus Esprit der Neuzeit neben einem MG TC, der knapp nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde.

Sonderausstellung mit Jaguar-Limousinen

Jedes Jahr wird ein «Special Guest» eingeladen. 2012 fiel die Wahl auf Jaguar. Georg Dönni stellte für das 33. BCM zusammen mit dem Jaguar Drivers Club eine Limousinen-Ausstellung zusammen. Praktisch jeder je gebaute Limousinentyp von Jaguar/Daimler, inklusive der Vorkriegsmodelle von S.S., waren zu bewundern, schön aufgereiht in der Mitte des Platzes. Und es sollte nicht dabei bleiben. Fast 200 Jaguar-Fahrzeuge parkierten schliesslich auf den Wegen rund um den Flugplatz Mollis.

Wir stellen hier vier einzigartige Modelle vor:

S.S. 1 Four Light Saloon von 1935

1931 stellte die Swallow Sidecar Company (1933 bereits in SS abgekürzt) als erstes vollständig produziertes Fahrzeug den SS 1 an der London Motorshow vor. Der Wagen überzeugte durch eine sehr elegante, flache Karosserie mit langer Haube und durch einen tiefen Preis, der auf halber Höhe zur Konkurrenz von Bentley und Lagonda lag. Es wurden verschiedene Versionen gebaut, der Hubraum des Reihensechszylinders stieg von 2054 cm3 stufenweise bis auf 2,7 Liter.

Der Four Light Saloon weist vier Seitenfenster auf. Der Wagen mit dem Kennzeichen AAR 401 wurde am 11. Januar 1935 an einen Herrn Murray Watt ausgeliefert. Über viele Stationen kam der elegante Jaguar-Vorgänger (nach dem Krieg änderte man den nicht mehr marktfähigen Namen SS auf Jaguar) in die Schweiz und wurde vom heutigen Besitzer während sechs Jahren und unter Aufwendung von 6000 Arbeitsstunden vollständig restauriert. Nicht nur der Holzaufbau musste komplett ersetzt werden, auch Chassis und Aufhängungsteile wurden vollständig renoviert. Rund 80 Prozent der alten Konstruktion konnten gerettet werden. Das Resultat überzeugt und konnte bereits an verschiedenen Ausstellungen und sogar am Concorso d’Eleganza Villa d’Este bewundert werden.

Daimler XJ40 3.6 von 1989

Nur wenige Jaguar XJ40 haben überlebt, obschon selbst die ältesten nur knapp im Youngtimer-Alter sind. Zwei Jahre nach der Abspaltung von British Leyland wurde die neue Limousine vorgestellt, die mit ihrem gradlinigen Design dem Geschmack der Achtzigerjahre entsprach. Anfänglich wurde die Baureihe durch grosse Qualitätsprobleme geplagt. Erst mit der Übernahme durch Ford besserte sich dies. Die XJ40-Modelle weisen bereits einen hohen Elektronikanteil auf, der zwanzig Jahre später viel Kummer verursachen kann und manche Fahrzeuge auf den Schrottplatz treibt. Doch der Daimler XJ40 3.6 von 1989, der Teil der Jaguar-Limousinen-Ausstellung von Mollis war, leidet nicht unter diesen Problemen und präsentierte sich als schön erhaltenes Exemplar der noch kaum gesammelten Baureihe. Luxuriös mit edelstem Leder und Holz ausgestattet, überzeugt der bordeauxrote Edel-Jaguar auch den letzten Zweifler. Die Club-Atmosphäre mit den breiten, bequemen Ledersesseln lädt auch zu längeren Fahrten ein, die elegante Karosserie macht auch vor dem Luxushotel Eindruck. Und dabei kostet selbst ein schönes Exemplar weniger als ein gebrauchter Dacia Logan.

Swallow-Doretti von 1954

Ein Auto, das nur 10 Monate lang produziert wurde, muss eine Rarität sein. Da macht der Swallow Doretti keine Ausnahme. Hergestellt wurde der kompakte Sportwagen in den Jahren 1954 bis 1955 von der Firma Swallow Coachbuilding. Die Technik entlehnte man bei Triumph, Motor, Getriebe und Achsen stammten vom TR 2. Der Rahmen war aber grösser, die Karosserie bestand aus Aluminium. Der Doretti wurde preislich über dem TR 2 angesiedelt, überzeugte aber auch durch eine reichhaltige Ausstattung und wesentlich mehr Komfort als sein Technik-Spender. Sogar die Heizung war serienmässig. Der Wagen verkaufte sich in England und den USA sehr gut, sehr zum Missfallen von Sir William Lyons, dem Eigentümer von Jaguar. Dieser liess seine Beziehungen spielen und die Produktion musste nach nur 276 Exemplaren eingestellt werden. Kein Wunder sind diese Autos heute selten.

Der aktuelle Besitzer des in Mollis gezeigten Swallow Doretti von 1954 hat den Wagen eigenhändig restauriert, kennt sozusagen jede Schraube. Viele Teile mussten neu angefertigt werden, denn Ersatzteile für die Doretti-spezifischen Komponenten existieren kaum.

Triumph Italia 2000 von 1961

Ende der Fünfzigerjahre beschloss der italienische Triumph-Importeur, eine Lücke im Standard-Triumph-Programm zu schliessen. Es gab nämlich kein Coupé. Auf der Basis des Triumph TR3 entstand ein elegantes Coupé, gezeichnet von Meister Giovanni Michelotti. Gebaut wurden die Karosserien bei Vignale. Aus den geplanten 1000 Exemplaren wurde allerdings nichts, denn mit dem Ende der Produktion des TR3B wurde die Herstellung der Sonderkarosserie eingestellt, trotz gutem Echo. Gut 300 Fahrzeuge sollen die Hallen von Vignale verlassen haben, rund 85 überlebende Fahrzeuge, davon gut die Hälfte fahrbar, sind heute bekannt. Fast ein Fünftel hiervon war in Mollis anwesend und das portraitierte elfenbeinweisse Exemplar von 1961 überzeugte durch hohe Originaltreue. Neuwagenkunden mussten damals übrigens unterschreiben, dass sie keinen Anspruch auf Ersatzteile hätten, denn solche wurden nicht hergestellt. Jede Karosserie wurde von Hand auf einem Holzmodell gedengelt, kein Wunder können die Teile nicht von einem Fahrzeug aufs nächste übernommen werden.

Nächstes Jahr wieder

Wer nun Lust bekommen hat, die schöne Engländer-Auswahl auch einmal zu bewundern, muss leider bis zum nächsten Jahr warten, aber bereits am 25. August 2013 ist es wieder so weit.

Viele weitere Bilder und mehr Informationen zu englischen Fahrzeugen sind auf Zwischengas.com zu finden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 17:15 Uhr

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