Interview

«Tesla ist schnell und sexy»

Am Samstag sind in Zürich die ersten Tesla S an Kunden in Europa ausgeliefert worden. Wir wollten vom Senior Manager Jochen Rudat wissen, was die US-Firma Tesla Motors besser macht als die grossen Hersteller.

Unter Strom: Tesla Senior Manager Jochen Rudat posiert im Zürcher Showroom vor dem neuen Model S.

Unter Strom: Tesla Senior Manager Jochen Rudat posiert im Zürcher Showroom vor dem neuen Model S. Bild: Stefan Jermann

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Jochen Rudat, der Elektroauto-Boom findet doch statt. Aber vorerst nur bei Tesla. Was machen die Amerikaner besser als die Konkurrenz?
Der grösste Vorteil von Tesla ist, dass wir bereits mit dem Roadster ein Auto gebaut haben, das nicht klein, langsam und hässlich war und nur eine maximale Reichweite von 80 Kilometern bot. Wir haben von Anfang an beweisen wollen, dass Elektromobilität durchaus schnell, sexy und alltagstauglich ist. Zudem haben wir als verhältnismässig kleiner Player den Vorteil, dass wir uns ausschliesslich auf Elektrofahrzeuge konzentrieren können.

Tatsächlich musste die Fertigung des Model S, der ersten von Grund auf als Elektroauto entwickelten Premium-Limousine von 400 Exemplaren pro Tag auf 500 Fahrzeuge erhöht werden um die Nachfrage zu befriedigen. Ganz ehrlich, haben Sie damit gerechnet?
Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt ist es immer sehr schwierig abzuschätzen, wie es ankommen wird. Mittlerweile fahren über 13 000 Exemplare des Model S auf den Strassen Nordamerikas. Ganz ehrlich: Das ist eine überwältigende Zahl, die uns alle sehr stolz macht. Und die wir nicht unbedingt erwartet haben.

Die Schweiz wies im weltweiten Vergleich den mit Abstand grössten Pro-Kopf-Anteil an Tesla Roadsters aus. Wie sieht das beim Model S aus? Wie viele Bestellungen sind bei Ihnen in der Schweiz schon eingegangen?
Noch können wir keine Zahlen pro Land kommunizieren. Aber ich kann bestätigen, dass das Interesse am Model S sehr hoch ist und die Schweiz damit erneut einer der wichtigsten Märkte in Europa für Tesla sein wird.

Offenbar ist die Jahresproduktion 2013 mit 21 000 Fahrzeugen bereits ausverkauft. Wie lange müssen Interessenten auf das Model S warten?

Das stimmt. Trotzdem sind die Lieferfristen erträglich. Denn wer heute ein Model S bestellt, kann sich das Auto mit ein wenig Glück unter den Weihnachtsbaum stellen. Ab kommendem Jahr soll sich die Wartezeit dann auf 2 bis maximal 3 Monate verkürzen.

Am Samstag wurden die ersten Autos an die Kunden übergeben. Welche Käufer spricht Tesla mit dem Model S an, und gibt’s einen «typischen Tesla-Kunden»?
Unser Kundenprofil ist breit gefächert. Für den einen ist die Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in nur 4,4 Sekunden ausschlaggebend, der andere begeistert sich am riesigen Stauraum mit zwei Kofferräumen vorne und hinten. Die meisten Kunden wollen aber emissionsfrei unterwegs sein, ohne Kompromisse in Sachen Reichweite und Komfort einzugehen. Man könnte auch sagen, der Architekt fährt auf unseren Lifestyle ab, der IT-ler begreift das Model S als fahrenden PC, Solaranlagenbesitzer als sinnvolle Nutzung des selbst erzeugten Stroms. Was wiederum alle gemeinsam haben, ist die Begeisterung für unsere Vision und immer weniger Gefallen an den horrenden Spritpreisen.

Das Model S kostet in der Schweiz zwischen 85 900 und 111 800 Franken. Für welches Modell entscheiden sich die Schweizer Kunden?

Die meisten Schweizer Kunden wählten bis jetzt die teurere Variante mit der 85-kWh-Batterie, die eine Reichweite von 500 Kilometern ermöglicht. Zudem ist ein Leben lang gratis Zugang zu unserem Supercharger-Netzwerk in ganz Europa im Kaufpreis inbegriffen.

Was heisst das genau?
Supercharger sind Schnellladestationen, die wir an Autobahnraststätten aufbauen. Dort kann ein Tesla Model S in 20 Minuten 50 Prozent der Kapazität aufladen. Viele Schweizer Kunden wählen auch noch das Performance Paket, das Beschleunigung auf Porsche-911-Niveau bietet.

Und wie viele Kilometer schafft das günstigere Modell?
Eigentlich genügend, denn auch die Basisvariante kommt mit der 60-kWh-Batterie auf eine Reichweite von 375 km.

Das neue Modell und die erhöhte Nachfrage verlangen nach einer besseren Infrastruktur. Welche Auswirkungen hat das Model S auf Tesla in der Schweiz?
Wir haben den Vorteil, dass das von Grund auf neu konzipierte Model S viel weniger wartungsintensiv ist als ein Verbrenner. Deshalb kommen wir auch mit viel schlankeren Strukturen aus.

Das heisst, Sie können einen gleich guten Service bieten, wie die anderen Hersteller?

Einen besseren. Denn bei jedem in der Schweiz verkauften Model S sind 8 Jahre Service (oder 160 000 Kilometer) inklusive aller Ersatzteile (ohne Pneus) inbegriffen.

Dafür muss der Kunde weit fahren, bis er ein Servicecenter von Tesla findet.
Im Gegenteil. Der Service wird Zuhause beim Kunden ausgeführt. Egal ob der Kunde in St. Moritz, Genf oder Ascona wohnt, die Anfahrt unserer Techniker ist ebenfalls im Kaufpreis inbegriffen.

Also genügt die derzeitige Infrastruktur von Tesla in der Schweiz auch in Zukunft?

Nein, trotz dem bereits beim Roadster bewährten Ranger-Service und dem Service-Center im Grossraum Zürich sind wir auf der Suche nach weiteren Standorten in der Schweiz.

Ende Jahr rollt BMW den i3 an den Start. Ein erstes ernst zu nehmendes Premium-Elektroauto aus Deutschland. Ist das für Tesla ein Konkurrent oder für die Elektromobilität ein wichtiger neuer Player?
Es ist wichtig und gut zu sehen, dass die «alten» Automobil-Riesen einen Schritt in der Elektromobilität tun. Teslas Ziel ist es, mehr Elektroautos auf die Strasse zu bekommen. Das bedeutet nicht, dass wir nur Teslas sehen wollen. Jedes Elektroauto ist unserer Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung, um das Bewusstsein der Bevölkerung zu sensibilisieren.

Also keine Konkurrenz?
Keine direkte. Er liegt in einer anderen Preisklasse und bietet auch nicht ansatzweise die Reichweite, die wir mit dem Model S möglich machen. Für uns war es immer oberstes Ziel zu zeigen, dass Elektromobilität alltagstauglich ist. Daher legen wir grössten Wert auf eine möglichst hohe Reichweite, ein emotionales Fahrerlebnis und eine hohe Funktionalität – und zwar ohne Range Extender. Aus unserer Sicht ist jeder Tropfen Benzin, der für Mobilität verwendet wird, vergeudet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2013, 01:21 Uhr

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