Kult-Autos

Und sie liebten ihn irgendwann doch

Zeitlebens hatte die VW-Porsche-Baureihe mit Vorurteilen und übergrossen Erwartungen zu kämpfen. Doch der 914 2.0 wurde trotzdem zum Erfolgsmodell.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zeitlebens hatte der VW-Porsche mit Vorurteilen und übergrossen Erwartungen zu kämpfen. Als VW-Porsche mit 1,7-Liter-Motor erfüllte der die Leistungsanforderungen der schnellen Jugend nicht, als Porsche 914/6 war er zu teuer und für Porsche-Traditionalisten keine Alternative für den 911. Als der nur gut 3300-mal gebaute Sechszylinder-914 eingestellt wurde, war der Weg frei für den 914/2.0 mit erstarktem Volkswagenherz und akzeptablem Preis. Er wurde ein Erfolgsmodell.

Ein Produkt der Zusammenarbeit von Volkswagen und Porsche

Die Verbindung zwischen Volkswagen und Porsche ist so alt wie der Volkswagen selber. Ferdinand Porsche war es ja, der dem Käfer auf die Räder half. Der erste Porsche war seinerseits nicht viel mehr als ein verbesserter Volkswagen. Die Wolfsburger hatten für technische Probleme in Stuttgart immer ein offenes Ohr gefunden.

Als sich Volkswagen entschloss, einen richtigen Sportwagen zu bauen, war es selbstverständlich, dass Porsche dabei mithelfen sollte. Für diese Firma kam das Vorhaben wie gerufen, denn Porsche wollte schon seit einiger Zeit einen Wagen für eine grössere Käuferschaft herstellen; er sollte eine Art Volks-Porsche werden. Die ersten Verhandlungen fanden Ende 1968 statt, und bald darauf konnte 1969 eine neue Firma ins Handelsregister eingetragen werden: die VW-Porsche Vertriebsgesellschaft GmbH. Zu Beginn war sie in den Büros der Firma Motometer in Stuttgart untergebracht, um zwei Jahre darauf – um 300 Angestellte angewachsen – nach Ludwigsburg umzusiedeln. Beide Vertragspartner waren mit je 50 Prozent am neuen Abenteuer beteiligt. Es war von Anfang an klar, dass Porsche das Auto entwerfen sollte; den Karosseriebau würde Karmann in Osnabrück übernehmen. Mit einer Belegschaft von über 7000 Personen war dieses Werk langjähriger Partner von VW wie auch von Porsche (VW-Karmann-Ghia).

Präsentation im Jahr 1969

Im August 1969 konnte die Presse mit dem neuen Wagen Bekanntschaft schliessen; am 11. September wurde er an der IAA in Frankfurt dem breiten Publikum vorgestellt. Das Interesse an diesem Auto war gross, denn schon Anfang 1969 hatte die Presse Gerüchte verbreitet, dass ein neuer Porsche mit Mittelmotor erscheinen sollte. Aber die vielen neugierigen Besucher fühlten sich etwas getäuscht. Der Vopo (Volks-Porsche oder aber auch die Abkürzung für die ostdeutsche Volkspolizei), wie er scherzhaft bezeichnet wurde, präsentierte sich recht mager. An Chrom war gespart worden, die Räder mit Reifen der Dimension 155 SR 15 (165 auf dem 914/6) wirkten schmal und waren nur mit Volkswagen-Raddeckeln versehen. Und der 1,7-Liter-Motor vermochte nicht wirklich sportwagenmässige Fahrleistungen zu produzieren. Dies änderte sich erst, als man nach dem Ableben des Porsche 914/6 im Jahr 1972 ein grösseres und stärkeres Aggregat von VW einbauen konnte/durfte.

Motor vom VW 411/412

Der 2.0-Liter-Motor war vom VW 411/412 abgeleitet worden. 100 PS wurden dank Bosch-Einspritzung bei 5000 U/min produziert. Während Leichtmetallzylinderköpfe und Ölkühler nach Sportwagen tönten, erinnerten die hängenden Ventile und die zentrale Nockenwelle an den volkstümlichen Personenwagen. Auch der Klang lag näher am Käfer als am Porsche. Doch hier wussten sich die Fans mit Auspufftuning zu helfen.

Positives Feedback der Fachpresse

Die «Automobil Revue» nahm sich bereits Ende 1972 den neuen Typ vor und war voll des Lobes. Besonders war man von den gesteigerten Fahrleistungen (0–100 km/h in 10 Sekunden, Spitze 192,5 km/h) angetan, während man auch Verbesserungen im Fahrverhalten und anderen Bereichen notierte: «Als 2.0 erreicht der robuste und originelle 914 nun auch bei einem konkurrenzfähigen Preis die Fahrleistungen, die man von Anfang an erwartet hatte. In der geprüften Ausführung erwies sich das Mittelmotor-Konzept als sehr fahrsicher bei guter Handlichkeit und somit auch für den Alltagsgebrauch interessant. Finish und Ausstattung machen den 914/2.0 zu einem seriösen, angenehmen Reisewagen für Liebhaber ungewöhnlicher Lösungen.» Dass man auf den Basispreis von 19'350 Franken locker nochmals 15 Prozent oder mehr durch Wahl der Komfortausstattung, Sportausstattung, Radio und Ähnlichem packen konnte, überrascht heute nicht mehr.

Zeitloses Blechkleid

Auch fast 43 Jahre nach seiner Präsentation eckt das Karosseriedesign des VW-Porsche immer noch an. Für den einen sieht das Auto zu wenig muskulös aus, für den anderen sind Front und Heck zu ähnlich geraten. Insgesamt kann man aber sagen, dass der 914 gut gealtert ist, und da das Blechkleid nie modisch war, mutet es fast zeitlos an. Dies kann man von der Farbe des gefahrenen Wagens nicht behaupten, der Orangeton entlarvt den Wagen ganz klar als ein Kind der 70er-Jahre. Cool!

Passt wie ein Handschuh

Im Innern begrüsst nüchterne Sportlichkeit die Besatzung. Daran kann man nichts aussetzen, schon gar nicht an den beiden dominierenden Instrumenten mit Tacho bis 250 km/h und Drehzahlmesser. Der Schalthebel sitzt günstig, die Sitze sind bequem. Die Rundumsicht ist für einen Mittelmotorwagen ziemlich gut, nur gegen schräg hinten ist der nicht einsehbare Bereich etwas gross.

Targafreuden im Sommer

Eine Stärke des VW-Porsche war schon immer das wegnehmbare Targadach, daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Dachteil kann einfach entnommen und unter dem Deckel des hinteren Kofferraums verstaut werden. Ab jetzt sind je nach Seitenfensterstellung angenehme Belüftung bis Wind in Orkanstärke möglich.

Näher beim Porsche als beim Volkswagen

Der Motor wird mit dem rechts an der Lenksäule montierten Zündschloss gestartet, was für Porsche-Fans wohl eine Enttäuschung ist. Sofort erklingt das Vierzylinder-Boxerlied, das so ganz anders tönt, als die Reihenvierzylindermotoren der Neuzeit. Der erste Gang liegt links hinten, wie es bei einem Sportgetriebe sein soll. Die Schaltung ist etwas haklig, die Schaltwege sind lang, aber die Anschlüsse stimmen. Schnell kommen Laune und ein vertrauensförderndes Sicherheitsgefühl auf. Mit geringer Seitenneigung umrundet der Volks-Porsche Biegungen jeglicher Art, dass es eine Freude ist. Der eine oder andere mag die beiden Zylinder vermissen, die den Volkswagen zum Porsche machten, von der Dynamik her braucht man sie nicht, nicht zuletzt dank der eingesparten 40 Kilogramm.

Sportliches Fahren zum günstigen Tarif

Um die 20'000 bis 30'000 Franken werden heute für einen gut erhaltenen 914/2.0 bezahlt, das ist rund ein Drittel bis die Hälfte des Kaufpreises, den man für den selteneren 914/6 aufwerfen muss, bei nur unwesentlich verminderter Fahrfreude und voraussichtlich günstigeren Unterhaltskosten, allerdings auch ohne bedeutendes kurzfristiges Wertsteigerungspotenzial.

Der porträtierte VW-Porsche 914/2.0 mit Jahrgang 1973 wurde von der Oldtimer-Galerie Toffen zur Verfügung gestellt. Wir danken. Weitere Informationen zum VW-Porsche 914 und seinen Brüdern finden Sie hier und hier.

Erstellt: 17.10.2012, 10:38 Uhr

Bildstrecke

Der Porsche und die Schweiz

Der Porsche und die Schweiz Während der Anfangszeit von Porsche spielten Schweizer eine entscheidende Rolle.

Bildstrecke

928: Ich bin auch ein Porsche

928: Ich bin auch ein Porsche Der 928er zog 1977 kritische Blicke auf sich und wird bis heute unterschätzt.

Bildstrecke

Porsche Panamera GTS

Porsche Panamera GTS Mehrheitsfähiger Renner: Trotz vier Plätzen und 1,9 Tonnen überzeugt der Panamera GTS auch auf dem Track.

Bildstrecke

Porsche-Museum

Porsche-Museum Radical-classics.com übernachtete im Porsche-Museum in Stuttgart.

Bildstrecke

Porsche Carrera RS

Porsche Carrera RS Porsche Carrera RS 2.7 und 3.0 – für Rennsport und Strasse.

Präsentiert von Zwischengas.com


Mehr Bilder und zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf Zwischengas.com

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...