Kult-Auto

Unterschätzte Schönheit

Das Coupé des Borgward Isabella gehörte in den 50er-Jahren zu den adrettesten Fahrzeugen auf unseren Strassen. Dem Unternehmen half das wenig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Allein schon darüber, wie der Modellname Isabella entstanden sei, ranken sich zahlreiche Mythen. Eine davon besagt, dass Firmengründer Carl Friedrich Wilhelm Borgward vor den ersten Testfahrten des neuen Modells in der Öffentlichkeit gefragt wurde, wie man die geheimen Vorserienmodelle benennen soll. Darauf meinte er lapidar: «Mir doch egal, schreibt von mir aus Isabella drauf.»

So entstand der Legende nach der Modellname eines der wohl am meisten unterschätzten Automobile aus deutscher Produktion. Denn die Isabella, besonders in der hier vorgestellten Coupé-Version, ist ein ganz feines Ding. Kein Protzer, kein Blender – aber gut gemacht und vor allem sehr, sehr bequem. ?

Gemacht für die Schlaglöcher-Strassen von damals

Natürlich kann man nicht heutige Massstäbe anlegen, wenn man das Innenleben und das Fahrverhalten bewertet. Allein schon der Umstand, dass die Strassen in den 60er-Jahren nicht ansatzweise so gut waren wie heute, hatte einen grossen Einfluss auf die Auslegung des Fahrzeugs. Oftmals musste noch auf Schotter rumgekurvt werden, und Schlaglöcher, die ihrem Namen noch alle Ehre machten, müssen in die Bewertung des Fahrverhaltens einfliessen. Natürlich – manche Strassen sind heute wieder in ähnlich erbärmlichem Zustand, doch damals wars doch noch etwas schlimmer. Umso schöner, dass die Federung der Isabella fast alles glattbügelt, völlig unaufgeregt, fast schon souverän.

Dabei war das Borgward-Coupé weder besonders gross noch schwer – auf einer Länge von rund 440 cm fanden fünf Personen locker Platz, auch wenn der Zustieg in den Fond nicht sonderlich bequem war. Und mit rund 1000 Kilogramm Leergewicht war das Isabella-Coupé in der damaligen Zeit nicht gerade ein Super-Leichtgewicht, aber doch leicht genug, damit der Vierzylindermotor mit 75 PS (mit hängenden Ventilen und Zahnradantrieb der seitlichen Nockenwelle) nicht allzu viel Mühe mit dem Gefährt hatte. ?

Hakelige Lenkradschaltung

Wie damals bei vielen Herstellern üblich verfügte auch die Isabella von 1957 über eine sehr hakelige Lenkradschaltung. Die vier Vorwärtsgänge waren immerhin alle synchronisiert und liessen sich mit etwas Übung auch tadellos und ohne Störgeräusche einlegen. Als Besonderheit darf die hydraulische Betätigung der Kupplung gelten – damals alles andere als üblich. Unser Fahrzeug war zudem derart gut in Schuss, dass es auch sonst keine Störgeräusche gab. Die Verarbeitung war für damalige Verhältnisse sehr gut, selbst nach über 50 Jahren knarzte oder klapperte im Coupé nichts. ??

Allerdings profitierte das Coupé, das 1957 auf den Markt kam, von der Limousine, die zu dieser Zeit bereits während dreier Jahre gebaut wurde. So konnten die nicht gerade wenigen Kinderkrankheiten grösstenteils ausgemerzt werden, bevor das Coupé auf der Bildfläche erschien. Zwei Jahre nach der Einführung bekam man das Coupé übrigens auch mit damals sehr trendigen Heckflossen, die einfach auf die hinteren Kotflügel aufgesetzt wurden – eine «Aufwertung», die der Wagen gar nicht nötig hatte. Allerdings erinnerte das Auto mit dem Flossen noch stärker an die amerikanischen Strassenkreuzer dieser Zeit.

Moderne Radführung

Und genau so liess sich auch die Isabella fahren. Hektik war dem Wagen ein Graus – der Weg ist das Ziel, und geduldigen Passagieren ermöglichte die Isabella auch als Coupé lange Reisen mit viel Komfort. Mit ein Grund für den hohen Fahrkomfort war die ziemlich moderne Radführung. Vorne gabs doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern und Stossdämpfer, hinten sorgte eine Pendelachse mit Schubstreben und Schraubenfedern für den Kontakt zur Fahrbahn. Einzig die Bremsanlage war noch nicht so modern. Die vier Trommeln (vorne Duplex) machten das Auto beim beherzten Tritt aufs Bremspedal zwar langsamer – dabei aber von einer Bremsung zu sprechen, wäre übertrieben. ??

1961 Konkurs eröffnet

Leider vermochten die zahlreichen Isabella-Varianten das Unternehmen nicht zu retten. Bereits 1961 wurde über das Lebenswerk von Borgward der Konkurs eröffnet, die Produktionsanlagen nach Mexiko verkauft. Vom einst viertgrössten Automobilhersteller Deutschlands blieb nicht viel übrig – ausser ein paar tollen Oldtimern. Bis jetzt jedenfalls. Denn bereits vor einigen Jahren gründete der Enkel Carl F. W. Borgwards, Christian Borgward, zusammen mit Karlheinz L. Knöss in Luzern die Borgward AG. Dort wird seither an der Rückkehr der Marke Borgward gearbeitet. Den ersten Designentwurf des «neuen» Borgward wollen wir den Freunden der alten Borgwards aber nicht zumuten.

Auf Radical-classics.com finden Sie weitere spannende Geschichten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2012, 12:20 Uhr

Bilder und Bericht werden Ihnen präsentiert von Radical Mag.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Überflieger: Eine F-16 des türkischen Stern-Akrobatik-Teams zeigt bei der Teknofest Flugshow in Istanbul, zu was die Maschine fähig ist. (20 September 2018)
(Bild: Osman Orsal) Mehr...