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Viel Vernunft und ein bisschen Spass

Neben den erfolgreichen Hybrid-Modellen lanciert Toyota ihr erstes Elektro- und ein neues Wasserstoffauto.

Der kompakte SUV Lexus UX 300e wird das erste vollelektrische Fahrzeug des Toyota-Konzerns. Er soll mit vollen Batterien rund 300 Kilometer weit kommen. Foto: PD

Der kompakte SUV Lexus UX 300e wird das erste vollelektrische Fahrzeug des Toyota-Konzerns. Er soll mit vollen Batterien rund 300 Kilometer weit kommen. Foto: PD

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Das Klima ist nicht nur – wie jetzt gerade – am WEF in Davos ein Thema, sondern seit geraumer Zeit auch in der Firmenzentrale von Toyota. Schon mehrmals hatte der Konzern den richtigen Riecher und umweltfreundliche Trends frühzeitig erkannt: Als erster Hersteller setzten die Japaner mit dem Prius konsequent auf den Hybridantrieb und damit auf die Elektrifizierung des Automobils. Später lancierten sie das erste in Serie hergestellte Brennstoffzellenfahrzeug, wenn auch nur in kleiner Stückzahl: Etwas mehr als 10'000 Exemplare wurden seit 2014 verkauft, davon rund 30 in der Schweiz.

Lange fuhr die Konkurrenz hinterher, bis das reine Elektroauto richtig Fahrt aufnahm und Toyota hier den Anschluss zu verlieren drohte. Doch nun gibt Japans mit Abstand grösster Autobauer Gegensteuer und will sich in eine Mobilitätsfirma verwandeln. «Mobilität für alle» lautet das Credo, das sich schon im vergangenen Oktober an der Tokyo Motor Show angekündigt hat – doch Autos standen damals kaum am Messestand von Toyota. Stattdessen wurden autonome Services gezeigt wie etwa ein Fitnessstudio auf Ra?dern, das man zu sich nach Hause bestellen kann.

Vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter

Alle automobilen Neuheiten von Toyota und der Tochterfirma Lexus wurden nun aber in Amsterdam am ersten Kenshiki Forum präsentiert. Beim grössten Medien­event der Marke in Europa wies Johan van Zyl, Geschäftsführer und Präsident von Toyota Europe, mehrmals auf die gesellschaftlichen Veränderungen und auf die damit verbundene Verantwortung der Autohersteller für die Natur hin. Toyota kümmere sich schon lange um die Umwelt und habe weltweit schon über 15 Millionen Hybridautos verkauft. «Im nächsten Jahrzehnt werden die Hybride nochmals eine wichtige Rolle spielen», sagte Van Zyl. «Auch wenn sie nicht die perfekte Lösung sind.» Trotzdem sollen zwischen 2020 und 2025 weitere 5,5 Millionen Toyota mit Hybridantrieb verkauft werden. Und bis spätestens 2030 wollen die Japaner eine Million emissionsfreie Fahrzeuge verkaufen.

Bis 2025 sollen nur noch 10 Prozent aller verkauften Autos nicht elektrifiziert sein.

Zum Portfolio gehören dann alle Arten von elektrifizierten Autos: weiterhin klassische Hybride, Plug-in-Hybride und neu auch reine Elektrofahrzeuge sowie die zweite Generation des Wasserstoffautos Mirai. In den nächsten fünf Jahren will Toyota 25 neue Hybrid- und fünf Plug-in-Hybrid-Modelle sowie mehrere E-Fahrzeuge auf den Markt bringen. Als Ziel sollen ab 2025 nur noch 10 Prozent aller verkauften Autos über keine Elektrifizierung verfügen – Vernunft pur.

Beim ersten Elektroauto aus dem Toyota-Konzern handelt es sich um den Lexus UX 300e. Der kompakte SUV soll mit vollen Batterien, die unter dem Fahrzeugboden angebracht sind, rund 300 Kilometer weit kommen. Und der UX 300e soll nicht einfach ein weiteres E-Mobil sein, sondern sich durch Qualität, Komfort und Langlebigkeit von der Konkurrenz abheben. «So wie man es von Lexus gewohnt ist», hiess es in Amsterdam. Der Preis für den UX 300e steht noch nicht fest, als Richtwert wurden 50'000 Euro angegeben. Ebenfalls am Forum zu sehen war ein zweites Elektrofahrzeug: die futuristische Elektrostudie Lexus LF-30, die induktiv aufgeladen werden kann, autonom fährt und über künstliche Intelligenz verfügt. Und die wohl nie in Serie gebaut wird.

Sportmodelle als Nischenprodukte

Wichtige Puzzleteile in der Strategie von Toyota sind der Yaris Hybrid und der RAV4 Plug-in-Hybrid. Von diesen beiden Fahrzeugen erhofft sich Toyota viel Verkaufsvolumen. Der RAV4 soll als Hybrid-Flaggschiff weniger als 29 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen und nur 1,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Die maximale E-Reichweite wird mit über 65 Kilometern angegeben. Die Speerspitze für die Zukunft bildet aber der neue Toyota Mirai: Die knapp 5 Meter lange Brennstoffzellen-Limousine hat drei Tanks, die sich in rund 5 Minuten mit Wasserstoff füllen lassen und eine Reichweite von maximal 650 Kilometern ermöglichen. «Für uns steht dieser Antrieb für die Zukunft der Mobilität», so Johan van Zyl. In Europa wird der neue Mirai voraussichtlich ab Ende 2020 erhältlich sein.

Bei aller automobilen Vernunft bleibt bei Toyota doch noch Platz für etwas Spass übrig: Die GR-Modelle Yaris und Supra sind auf Performance ausgelegt und optisch auf Sportlichkeit getrimmt. Im Yaris GR, der in verschärfter Form bei der Rallye-WM eingesetzt wird, steckt ein neu entwickelter 1,6-Liter-Turbomotor mit drei Zylindern, der 261 PS leistet und über den Vierradantrieb ein maximales Drehmoment von 360 Newtonmetern abgibt. Fahrspass trotz Downsizing – bislang stand nur ein Sechszylinder mit 340 PS zur Verfügung – verspricht der GR Supra, den es neu auch mit einem 2-Liter-Vierzylinder mit 258 PS gibt.

Erstellt: 22.01.2020, 16:24 Uhr

Kinto – Mobilität nach Toyota-Art

Wie andere Hersteller auch, will sich Toyota von einem klassischen Autobauer in ein Mobilitätsunternehmen verwandeln. Teil dieser Strategie ist die Marke Kinto, unter der verschiedene Dienstleistungen zusammengefasst werden. Ausgehend von Japan soll Kinto Schritt für Schritt auf andere Länder übertragen werden – ab diesem Jahr auch in Europa.

In der Schweiz, wo es schon lange Mobility und weitere mehr oder weniger erfolgreiche Mobilitätsangebote gibt, wird Kinto allerdings vorläufig nicht eingeführt. Zum Sortiment gehören Full-Service-Leasing (Kinto One), Carsharing mit Hybridmodellen (Kinto Share), eine Plattform mit Mitfahrgelegenheiten (Kinto Join) und Leasing im Abonnement (Kinto Flex). In Zukunft soll man über eine multimodale App mit Bezahlfunktion auf die Dienste zugreifen können, wie Matthew Harrison, Executive Vice President Toyota und Lexus Sales, am Forum in Amsterdam dargelegt hat. (mbm)

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