Vom Austin zum Nash Metropolitan – kleine Autos für das grosse Amerika

Als Walt Disney Inspirationen beim Zeichnen von Donald Ducks Auto suchte, fiel sein Blick keineswegs zufällig auf American Austin und American Bantam.

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Wenn man an die Vereinigten Staaten und die typischen Autos, die dort verkehren, denkt, dann fallen einem sicher primär grosse V8-Strassenkreuzer und vielleicht ein paar kraftstrotzende Muscle Cars ein. Doch bereits in den Dreissigerjahren versuchten findige Autohersteller, die amerikanischen Kunden von kompakten Automobilen zu überzeugen und eine der Firmen hinter diesen Versuchen hiess Austin.

Der Austin Seven für die Amerikaner

Mit dem Austin 7 stellte die Austin Motor Company im Jahr 1922 ein kleines und günstiges Auto vor, das für England eine ähnliche Bedeutung hatte wie das Ford T-Modell für Amerika. Bis 1939 wurden 290’000 Exemplare fabriziert, eine unglaublich grosse Zahl für damalige Begriffe. Sir Herbert Austin erkannte die Chance, den Austin 7 auch international zu vermarkten und reiste 1929 in die Vereinigten Staaten, um einen örtlichen Hersteller für eine Lizenzproduktion zu suchen. In Butler (Pennsylvania) wurde er fündig, denn dort agierte die Standard Steel Car Company, die über gute Voraussetzungen verfügte, eine grosse Anzahl Autos zu günstigen Konditionen herzustellen. Und gross sollte der Ausstoss sein, denn 60'000 bis 100'000 kleine Autos sollten pro Jahr an den Kunden gebracht werden.

Um den amerikanischen Kunden ein überzeugendes Produkt bieten zu können, wurde der Austin 7 substantiell überarbeitet. Das Design lehnte man an populäre Chevrolets-, Stutz- und Marmon-Modelle an, federführend war dabei Alexis de Sakhnoffsky, der auch schon das Aussehen einiger Cord- und Packards gestaltet hatte. Technisch blieb man dem englischen Modell nahe, der Vierzylinder leistete 13 bis 14 PS bei 3200 Umdrehungen, die Kurbelwelle war nur zweifach gelagert. Auch in den Dimensionen unterschied sich der American Austin, so wurde er genannt, kaum vom Original aus England.

Prominente Besitzer und fehlender Verkaufserfolg

Buster Keaton fuhr einen American Austin, Ernest Hemingway genauso. Der kleine Wagen galt als chic, ein idealer Zweitwagen mit verblüffend sparsamen Tugenden. Mit rund 6 Litern pro 100 km brauchte der Winzling vielleicht einen Drittel dessen, was sich die grossen amerikanischen Sechs- und Achtzylinder genehmigten. Es gab Bestellungen für über 180'000 Fahrzeuge, doch dann forderte die Weltwirtschaftskrise auch in den USA ihre Opfer. 95 Prozent der Bestellungen wurden storniert, American Austin konnte gerade einmal 8558 Fahrzeuge verkaufen im Jahr 1930. Die Amerikaner hatten kaum mehr Geld für einen Zweitwagen und als Erstfahrzeug kaufte man statt des leichtgewichtigen Vierzylinders lieber einen gebrauchten Strassenkreuzer mit viel Platz. Die Zahlen brachen auf 275 Dollar ein und 1934 ging American Austin in den Konkurs, nach gerade einmal rund 20'000 produzierten Autos.

Aus American Austin wird American Bantam

Die Reste der untergegangenen Firma wurden von Roy Evans, einem ehemaligen Topverkäufer von Austin, für USD 5000 übernommen. 1937 wurde der ehemalige American Austin als American Bantam vorgestellt. Er war in vielen Punkten verbessert und verändert worden, so war die Kurbelwelle nun dreifach gelagert, die Schmierung optimiert und ein neues Dreiganggetriebe entwickelt worden. Auch das Styling wurde angepasst, es zeigte nun einen rundlichen Kühlergrill und Kotflügel, die an Duesenberg und Auburn Speedster erinnerten.

Doch auch Evans konnte sich im Markt nicht durchsetzen. Weniger als 6000 Bantams konnten bis 1941 produziert werden, einer davon inspirierte Walt Disney bei der Gestaltung des Wagens, den er Donald Duck zudichtete. Am Rande sei noch erwähnt, dass American Bantam 1939 ein Geländefahrzeug entwickelte, aus dem später der Jeep wurde.

Nash Metropolitan als später Nachkomme

Einige Jahre später entstand nochmals ein kleiner Amerikanerwagen mit englischer Hilfe, doch dieses Mal hatten die Amerikaner das Sagen. Die Nash Motor Company hatte sich bereits mit einigen unorthodoxen Fahrzeugen einen guten Namen verschafft und mit dem NXI Konzeptfahrzeug ein kleines Zweitauto für Mütter, die ihre Kinder zur Schule fahren wollten, geschaffen.

Aus dem NXI wurde der Nash Metropolitan. Nur herstellen konnte ihn Nash wegen fehlender finanzieller Mittel nicht selber und man tat sich mit der Austin Motor Company zusammen, die den Wagen mit Unterstützung von Fisher & Ludlow, welche die Karosserien herstellte, für den amerikanischen Markt baute. Aus Kostengründen nutzte man viele Komponenten des Austin A40, so den 1,2-Liter-Motor, Lenkung, Aufhängungen und Bremsanlage. Mit 3,8 Metern Länge, 1,56 Metern Breite und 810 kg Leergewicht war der als Coupé oder Cabriolet lieferbare Nash Metropolitan wohl das kompakteste amerikanische Auto seiner Zeit.

Die Presse reagierte vorwiegend positiv auf den Kleinen, gegenüber einem VW Käfer bot er bessere Fahrleistungen bei geringerem Verbrauch und vergleichbaren Preisen. Doch noch immer kauften die Amerikaner lieber grosse als kleine Autos. Immerhin entwickelte sich der Metropolitan aber zur Nummer 2 auf der Importliste hinter dem VW Käfer, welcher allerdings über fünfmal häufiger eingeführt wurde. Fast 95'000 Metropolitans konnten bis 1962 auf dem amerikanischen Kontinent verkauft werden, drei viertel waren die «Hardtop» genannte Coupé-Variante.

Amerikanische Kompaktwagengeschichte an einer einzigen Versteigerung

Der American Austin und seine Nachfolger erfreuen sich einer steigenden Popularität in den Staaten, nicht zuletzt deshalb, weil sogar der Pebble Beach Concours d’Elegance vor einigen Jahren diese Autos ins Zentrum rückte. Dass jetzt aber gleich drei Exemplare des American Austin, ein American Bantam und ein Nash Metropolitan an einer einzigen Versteigerung fast gleichzeitig unter den Hammer kommen, das ist wohl ein besonderes Ereignis.

RM Auction verkauft die auf den Bildern gezeigten Fahrzeuge gegenwärtig auf einer Versteigerung. Die Schätzpreise liegen bei maximal 50'000 Dollar, wobei die Wagen «without reserve», also ohne Mindestpreis, angeboten werden. Man darf gespannt sein, wie hoch die Gebote gehen werden.

Weitere Informationen und viele Bilder zu American Austin, American Bantam und Nash Metropolitan finden sich auf www.zwischengas.com. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 12:10 Uhr

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