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Warum Öko-Autos nicht auf Touren kommen

Benzin- und Dieselautos sind beliebter als vor drei Jahren. Hingegen harzt es bei Hybrid und Co., obwohl sich die Leute für umweltfreundlichere Autos aussprechen. VCS und Auto-Schweiz erklären, weshalb.

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Herr und Frau Schweizer sind autofreundlicher geworden. Zu diesem Schluss kam eine Umfrage des Forschungsinstituts GfS Bern. 1000 Stimmberechtigte in der Schweiz wurden im Auftrag von Auto-Schweiz, der Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure, befragt. Das Auto wird wieder mehr als Gebrauchsgegenstand denn als Umweltproblem betrachtet. In der letzten Umfrage von Auto-Schweiz im Jahr 2009 waren die umweltpolitischen Aspekte noch ähnlich wichtig wie die des Nutzens.

So haben die konventionellen Autoantriebe mit Benzin und Diesel wieder mehr Zustimmung erhalten, während die alternativen Antriebe an Beliebtheit einbüssten:
1. Energieeffiziente Benzinmotoren (89 Prozent, +5)
2. Verbrauchssparende Dieselmotoren (80 Prozent, +13)
3. Hybridantriebe (76 Prozent, -12)
4. Reine Elektromotoren (59 Prozent, -9)

Skepsis gegenüber neuen Technologien

Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz, interpretiert die Resultate der Umfrage: «Ein erster Hype um alternative Antriebssysteme scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die hohen Erwartungen aus der ersten Euphorie konnten sich noch nicht erfüllen.» Im ersten Halbjahr 2012 waren 2,3 Prozent der Neuzulassungen in der Schweiz Autos mit alternativen Antrieben. Burgener nennt drei Gründe für den kleinen Anteil: Erstens die vergleichsweise hohen Kosten, zweitens das relativ geringe Angebot, und drittens die Speicherkapazität der Batterie. «Heute ist ihre Reichweite zu gering. Die Batterie muss hier zulegen und auch preislich günstiger werden. Das ist ein schwieriges Unterfangen.»

Auch Gerhard Tubandt, Mediensprecher des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), sieht in den Kosten einen Grund für den geringen Anteil an diesen Fahrzeugen. Für ihn ist es verständlich, dass die Leute auf das Portemonnaie schauen. Es herrsche zudem eine gewisse Skepsis, wie oft bei neuen Technologien. Teilweise seien diese Fahrzeuge immer noch Nischenprodukte, doch sie seien am Aufkommen. «Ausserdem erkennt die Politik langsam, aber sicher, dass in diesem Bereich etwas unternommen werden muss», so Tubandt.

Steuerliche Anreize setzen

Dass man hier handeln muss, ist auch im Interesse der Umfrageteilnehmer: Eine knappe Mehrheit (52 Prozent, +1) möchte, dass sich die Autoindustrie mehr zur Verminderung der Abgase einsetzt. Auch vom Staat erhoffen sich die Befragten einen Beitrag: 84 Prozent (+5) sind der Meinung, dass besonders energieeffiziente Autos steuerlich begünstigt werden sollen. Stark zugenommen hat seit 2009 die Forderung, Fahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch stärker zu besteuern (60 Prozent, +13).

Allerdings sind die befragten Leute mehrheitlich gegen höhere Treibstoffpreise, Roadpricing und CO2-Abgaben sowie gegen ein Verbot von Autos, die älter als 13 Jahre sind. Der Grund: die Finanzen. Höhere Steuern für verbrauchsintensive Autos fordern und selber nur ungern dafür bezahlen wollen – wie soll das aufgehen? «Das ist ein Widerspruch, der immer wieder auftritt – nicht nur in der Studie von Auto-Schweiz», meint Gerhard Tubandt vom VCS. Bei einer CO2-Abgabe auf Treibstoff oder Steuerabzügen für ökologischere Modelle gehe es nicht darum, die Autobesitzer zu schröpfen. Eine CO2-Abgabe würde der Bevölkerung zurückerstattet. «Das Ziel ist einzig und alleine, Anreize für den Kauf effizienterer Fahrzeuge zu schaffen.»

«Keine AKW wollen und gleichzeitig nach Elektromobilität schreien»

Nach Ansicht von Auto-Schweiz-Direktor Burgener hingegen braucht es auf Bundesebene kein zusätzliches Bonussystem. Die meisten Kantone würden heute Alternativantriebe durch eine kantonale Motorfahrzeugsteuer fördern. «Auto-Schweiz ist strikte gegen die Einführung eines Bonus-Malus-Systems.» Falls ein Bonus bei Neufahrzeugen ausbezahlt werden soll, können die Mittel laut Burgener von der heutigen vierprozentigen Automobilsteuer genommen werden.

Wie steht man bei Auto-Schweiz zu Autos mit alternativen Antrieben? Burgener meint, sie hätten selbstverständlich eine Daseinsberechtigung, sofern sie sich auf dem Markt durchsetzen. «Wir finden es einfach nicht richtig, wenn der Staat dies fördert. Der Markt muss das steuern.» Zudem müssten die Leute einsehen, dass man nicht alles haben kann: Man könne nicht auf Atomkraftwerke verzichten und gleichzeitig nach Elektromobilität schreien.

«Der Wandel braucht Zeit»

Autofreundlicher eingestellte Schweizer – ein Grund zur Sorge beim VCS? «Natürlich ist dies nicht erfreulich», sagt Tubandt. «Es gibt aber Anzeichen, dass ein Wandel im Gange ist.» Der VCS-Sprecher verweist auf den Mikrozensus Mobilität des Bundes von diesem Frühling. Gemäss diesem besitzen heute deutlich weniger junge Leute als früher einen Führerschein (wir berichteten; Anm. d. Red.). Die Einstellung zum Auto verändere sich langsam, es finde ein Generationenwechsel statt, so Tubandt. «Man muss realistisch sein, eine Veränderung gibt es hier nicht von heute auf morgen. Der Wandel braucht Zeit.»

Bei Auto-Schweiz ist man hingegen «sehr erfreut» über das Gesamtergebnis der Studie: «Die Bemühungen der Autoindustrie, die Fahrzeuge effizienter zu machen, tragen Früchte. Die Leute honorieren das», so Burgener. «Das System mit Benzin und Diesel hat sich im Alltag bewährt, und der Preis ist akzeptabel. Die Effizienzsteigerung ist auf dem richtigen Weg.»

Erstellt: 17.08.2012, 10:57 Uhr

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