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Challenge Bibendum - Gipfel der Knauser

Wenn einer «Bibendum» ruft, dann kommen die Knauser alle. Denn weltweit gibt es kaum eine andere so hochrangige Veranstaltung zur nachhaltigen Mobilität für die Zukunft wie die Challenge im Zeichen des gleichnamigen Michelin-Männchens.

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Rio de Janeiro – Nach zwölf Jahren hat der französische Reifenhersteller jetzt die zehnte Auflage des Umweltgipfels ausgerufen und die Spritsparmodelle der Welt nach Rio de Janeiro geben. Den Ort haben die Franzosen aus gutem Grund gewählt: Schon heute ist Brasilien eine der zehn grössten Wirtschaftsnationen und will bis es in den nächsten Jahren unter die Top 5 bringen. Damit einher wird ein Wachstum des bislang noch vergleichsweise unterentwickelten Automobilmarkts gehen und so noch mehr Verkehr in schon heute völlig verstopfte Städte wie Sao Paulo oder Rio de Janeiro schwemmen. Und in den anderen südamerikanischen Staaten und dem Rest der Welt sieht es kaum anders aus. Nicht umsonst rechnen Experten damit, dass sich der aktuelle Fahrzeugbestand von weltweit etwa 800 Millionen Pkw, Bussen und Lastwagen in den nächsten 20 bis 30 Jahren verdoppeln wird.

Kein Wunder also, dass auch in diesem Jahr wieder eine grosse Zahl von Herstellern, Experten, Forschern und Politikern dem Ruf des weissen Gummiriesen gefolgt sind und neben rund 5 '000 Kongressteilnehmern auch 150 zukunftsweisende Fahrzeuge an den Fuss des Zuckerhuts geflogen wurden. Besonders spektakulär sind darunter natürlich die Designstudien, die man bislang meist nur auf den Automessen gesehen hat. So fuhren auf dem Areal des Kongresszentrums Rio Centro, in dem 1992 übrigends auch der erste Umweltgipfel der Vereinten Nationen abgehalten wurde, unter anderem der Audi E-Tron, ein elektrischer Strandbuggy, den die brasilianischen Fiat-Designer auf die Strasse gestellt haben und der mit einem Diesel-Hybrid bestückte Citroen Hypnos, der auf dem Pariser Salon 2008 alle Blicke gefangen hat. Absoluter Star beim Gipfel der Knauser war allerdings der futuristische Smart-Konkurrent BB1 von Peugeot, der mit seinen Radnabenmotoren lautlos über das Gelände stromerte und trotzdem immer sofort zu finden war. Denn erstens sieht kein anderes Auto so unkonventionell aus wie der Viersitzer mit dem mehrfach gefalzeten Glasdach, und zweitens war der schwarz-blaue Sonderling immer von der grössten Menschentraube umlagert.

Ethanolsprit - in Brasilien schon lange Alltag

Doch mehr Mut als diese zumeist elektrisierten Exoten, die Tüftler-Autos von Universitäten und Forschungseinrichtungen, die Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor oder die sauberen Visionen für Busse und Lastwagen machen in Rio die vielen seriennahen oder bereits in Serie produzierten Sparer. Das gilt für die Elektroautos wie die beiden Heuliez-Stadtwagen Will und Mia gleichermassen wie für die Hybrid-Modelle vom Schlage einer Mercedes S-Klasse. Und das gilt insbesondere für die Flotte der Ethanol-Brenner, die zumindest in Brasilien Gang und Gäbe sind. «Ausser importierten Luxusmarken wie Mercedes, Porsche oder BMW gibt es hier keinen Hersteller, der keine Autos für den Mischbetrieb mit Benzin und Ethanol im Programm hat», sagt Adhemar Altieri vom Verband der brasilianischen Zuckerrohr-Industrie. Kein Wunder: Schliesslich hat Bio-Kraftstoff in Brasilien mittlerweile einen Marktanteil von weit über 50 Prozent.

Aber für eine saubere Mobilität der Zukunft braucht es mehr als effiziente Antriebe und alternative Treibstoffe – zum Beispiel die passenden Reifen. Keiner weiss das besser als Didier Miraton, der im Michelin-Vorstand für die Technik zuständig ist. «Beim Pkw geht schon heute jede Tankfüllung auf die Reifen und ihren Rollwiderstand. Und je sparsamer die Antriebe werden, desto grösser wird dieser Anteil», ist er überzeugt. Um dem entgegen zu wirken, arbeiten die Franzosen mit Hochdruck an Rollwiderstand und Gewicht. «Im Schnitt schaffen wie so einen CO2-Gewinn von ein bis zwei Gramm im Jahr», sagt Miraton und stellt bis 2020 eine Verbrauchsvorteil von 10 bis 15 Prozent in Aussicht. Mittelfristig wird das allerdings nicht genügen, fürchtet der Michelin-Manager: «Deshalb werden wir den reifenbedingten CO2 halbieren, bis sich der weltweite Fahrzeugbestand tatsächlich verdoppelt hat.»

Rio de Janeiro droht am C02 zu ersticken

Egal ob Antrieb oder Reifen: Dass alle Anstrengungen für eine saubere Mobilität bitter nötig sind, weiss keiner Besser als Eduardo Paes, der Bürgermeister von Rio de Janeiro. «Bereits heute macht der Verkehr am CO2-Ausstoss in der Stadt rund ein Drittel aus,» zitiert er die jüngsten Statistiken und fürchtet Schlimmeres. «Wenn wir nicht aufpassen und bald etwas ändern, drohen wir hier am Verkehr buchstäblich zu ersticken.» Deshalb sei er so froh, dass die Challenge Bibendum in diesem Jahr ausgerechnet bei ihm Station gemacht habe. Nach den bisherigen Umweltgipfeln in Los Angeles, Shanghai, Tokio und jetzt Rio könnte man meinen, dass mit solchen Widernissen vor allem die Mega-Metropolen zu kämpfen haben. Doch weit gefehlt: Dass dieses Problem alle angeht, zeigt schon die Wahl für den nächsten Austragungsort: Die elfte Challenge Bibendum findet im Mai 2011 in Berlin statt.

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