Kult-Auto

Der Biss der Schlange

Der ab 1964 gebaute Mustang war von Anfang an ein grossartiger Erfolg für Ford. Doch schon 1965 machte Caroll Shelby aus dem «Pony-Car» einen legendären Rennwagen, den GT350R.

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Caroll Shelby, 1923 geboren und im Mai dieses Jahres verstorben, war so etwas wie der lebende «American Dream». Sein Vater war Postbote tief in Texas, Caroll hatte einen Herzfehler und verbrachte die ersten sieben Jahre seines Lebens vor allem im Bett. Zwar sagte er selber, es sei aus seinen Gesundheitsproblemen «herausgewachsen», doch er musste Zeit seines Lebens jede Menge Medikamente nehmen – vor einem Rennen warf er jeweils eine Nitroglyzerin-Pille ein.

Trotz Gesundheitsproblemen erfolgreich

Trotzdem wurde er zu einem sehr erfolgreichen Rennfahrer, bestritt 8 Formel-1-Rennen – und gewann 1959 zusammen mit Roy Salvadori die 24 Stunden von Le Mans auf einem Aston Martin DBR1. Drei Jahre später begann er – mit Unterstützung von Ford – mit dem Bau der wunderbaren AC Cobra. Und für das Projekt von Ford, endlich die 24 Stunden von Le Mans gewinnen zu können (was 1966 mit dem GT40 dann gelang), war Shelby ebenfalls verantwortlich.

Und weil die Cobra so ein wunderbares Tier war, ihren Gegnern auf der Rennstrecke um die Ohren fuhr und auch auf öffentlichen Strassen das Image von Ford in nie für möglich gehaltene Höhen brachte, galt das Wort von Shelby in der Führungsetage etwas. Mit dem Mustang hatte Ford im April 1964 ein Auto auf den Markt gebracht, das einschlug wie eine Bombe: in den ersten 18 Monaten wurden rund eine Million Exemplare verkauft (Ford hatte damit gerechnet, dass es vielleicht 100'000 Stück werden könnten).

Unter der Haube des GT350 war so ziemlich alles anders

Nicht nur in den USA galt damals die Regel: «Race on Sundays, sell on Mondays.» Und dafür waren sowohl der Mustang wie auch Shelby prädestiniert. Das Geheimnis hiess in den USA: SCCA. In diesen Rennserien wurden Wochenende für Wochenende Fahrzeuge aufeinander losgelassen, die, je nach Serie, ziemlich seriennah waren. Das Publikum liebte diese Rennen, denn das, was sie am Sonntag auf der Rennstrecke sahen, konnten sie am Montag kaufen. Wobei: gerade der Shelby Mustang GT350, der ab 1965 bei den Ford-Händlern stand, war schon ziemlich weit entfernt von einem «gewöhnlichen» Mustang. Von aussen waren die Unterschied nicht besonders gross, man konnte die Coupé-Form noch problemlos erkennen. Doch unter dem Blech war dann so ziemlich alles anders.

Offzielle 306 PS

Es begann mit dem Motor. Das Reglement verlangte einen Grossserienantrieb, und da hatte Ford mit dem 4,7-Liter-V8, genannt K-Code, eine wunderbare Maschine im Regal. Der leichte Achtzylinder schaffte schon in der Basis-Ausführung 275 PS. Shelby gab dem K-Code nun aber noch etwas mehr Luft zum Atmen (viel mehr erlaubte die SCCA-Regeln nicht) – und so stieg die Leistung auf offiziell 306 PS. Doch Shelby erzählte später, dass er für den GT350 nur die besten Aggregate erhielt, die schon ohne weitere Bearbeitung etwa 300 PS schafften.

Ausserdem wurde die Mustang-Starrachse (die baugleich war mit jener des «billigen» Ford Falcon) durch die aufwendigere Konstruktion aus dem Ford Galaxie ersetzt, hinten gab es grössere Trommelbremsen, vorne Scheibenbremsen von Kelsey-Hayes. Und die Batterie wurde für eine bessere Gewichtsverteilung in den Kofferraum verfrachtet. Und schliesslich wurde der Mustang, wo es nur ging, um Gewicht erleichtert, die Rückbank wurde entfernt, die Motorhaube aus Fiberglas gefertigt.

Auf Wunsch mit Le-Mans-Streifen

Das SCCA-Reglement verlangte, dass mindestens 100 Stück dieser modifizierten Fahrzeuge gebaut werden müssen. Ford konnte aber 1965 562 Exemplare an Privatfahrer verkaufen – alle waren weiss lackiert (die Farbe heisst offiziell Wimbledon White), gegen Aufpreis gab es die sogenannten Le-Mans-Streifen. In den Ford-Auftragsbüchern steht, dass nur gerade 28 Prozent der Kunden diese Streifen bestellten, doch heute gibt es kaum mehr einen GT350 ohne diese Dinger. Geschaltet wurde über ein manuelles 4-Gang-Getriebe von Borg-Warner, speziell waren die doppelten «sidepipes», durch die die Abgase lautstark entweichen konnten. Als Reifen waren spezielle Goodyear-«Blue Dot» montiert, die auf 15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Zentralverschluss aufgezogen waren; gegen Aufpreis gab es sogar Magnesium-Felgen.

Vom GT350R wurden nur etwa 34 Stück hergestellt

Und dann gab es da noch den GT350R. Es begann damit, dass Ford 15 Mustang-Exemplare zu Shelby ins kalifornische San José lieferte, die quasi nackt waren – sie hatten keine Scheiben, weder Heizung noch Lüftung, keine Sitze, keinerlei Dämmmaterial. Shelby setzte Plexiglas-Scheiben ein, ersetzte die gesamte Frontpartie durch eine Fiberglas-Konstruktion, die dem Mustang noch mehr Luft zuführte, breitere Reifen wurden aufgezogen. Der Achtzylinder erhielt zudem einen Vierfach-Holley-Vergaser, was die Leistung auf offiziell 320 PS steigerte (es waren aber mindestens 360 PS...). Ein Überrollkäfig wurde eingebaut, ein 34-Gallonen-Tank in den Kofferraum platziert. Wie viele GT350R Shelby genau baute, das weiss man leider nicht mehr, mehr als 34 Stück dürften es aber nicht gewesen sein. Auch sie wurden über die offiziellen Ford-Händler verkauft – und waren auf der Rennstrecke unschlagbar.

Echter GT3502R ist gut eine Million Dollar wert

Schon 1966 wurden die GT350 zivilisiert, es gab zusätzliche Farben und auf Wunsch eine schlappe 3-Gang-Automatik. Die GT350 (sowie ihre stärkeren Brüderlein, die GT500 mit dem 7-Liter-V8) wurden bis 1972 gebaut, obwohl sich Shelby schon 1969 aus diesem Programm zurückgezogen hatte, weil er unter seinem Namen eigentlich keine weichgespülten Mustang verkaufen wollte. Für den wahren Kenner gelten sowieso nur die 65er-GT350 als begehrenswert, kürzlich wurden für ein feines Exemplar fast 300'000 Dollar bezahlt. Ein echter GT350R, wie er am 18. Januar 2013 auf der Versteigerung von RM Auctions in Arizona angeboten wird, geht wohl kaum unter einer Million Dollar.

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Erstellt: 22.11.2012, 10:01 Uhr

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