Der Gejagte wird zum Jäger

Mit dem Model Y erweitert Tesla die Modellpalette um einen Kompakt-SUV. Der hat allerdings Rückstand auf die Konkurrenz.

Das Model Y ist auf der Strasse schnell unterwegs, in Europa wird es frühestens in zwei Jahren verkauft. Fotos: PD

Das Model Y ist auf der Strasse schnell unterwegs, in Europa wird es frühestens in zwei Jahren verkauft. Fotos: PD

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Das hört die Tesla-Gemeinde nicht gerne: Wenn das Model Y frühestens ab Herbst 2020 auf die Strassen rollt, dann haben die Amerikaner einen Teil ihres grossen Vorsprungs durch Elektrotechnik gegenüber der Konkurrenz verspielt.

Denn während Elon Musk den Kompakt-SUV vergangene Woche mit gewohnt grossen Worten angekündigt hat, stehen bereits ein paar vergleichbare E-SUV am Start oder ­werden in den kommenden Monaten lanciert. Das wird Musk ­ärgern, denn in Europa wird das Model Y nicht vor 2021 erhältlich sein, also bestenfalls in zwei Jahren.

Viele Attribute des erfolgreich gestarteten Model 3 findet man auch im Model Y.

Erstaunlich. Denn Tesla hat es sich beim Model Y verhältnismässig einfach gemacht und den Neuling quasi 1:1 auf Basis des Model 3 aufgebaut. Laut offiziellen Angaben kommen 75 Prozent des neuen Elektro-SUV auch im Model 3 zum Einsatz. Ein Vorgehen, wie es bei den etablierten Autoherstellern natürlich auch gang und gäbe ist.

Das bedeutet: Viele Attribute des erfolgreich gestarteten Model 3 findet man auch im Model Y – das reduzierte Design, das «nackte» Cockpit mit dem riesigen Touchscreen, die vergleichbaren und immer noch imponierenden Fahrleistungen oder das XXL-Panorama-Glasdach. Nur halt alles ein wenig höher.

Basismodell kommt später

Höher sind auch die Ansprüche, die Musk an seinen Neuling stellt. Zum einen verspricht er «die Funktionalität eines SUV, aber er fährt sich wie ein Sportwagen». Zum anderen ist der E-Pionier zuversichtlich, dass das Model Y zum erfolgreichsten Tesla werden könnte.

Dafür sprechen die bereits erwähnten Pluspunkte des Model 3, dagegen spricht aber das defensive Timing. Denn ganz offensichtlich will der Tesla-Boss im Falle des Model Y negative Schlagzeilen verhindern, sollte es mit der Produktion wieder Probleme geben, wie beim Model 3. Ob diese Taktik zum jetzigen Zeitpunkt des Aufbruchs in die E-Mobilität noch aufgehen kann?

Bilder: Damit soll die E-Mobilität in Fahrt kommen

Sicher ist, dass Tesla wie beim Model 3 erst einmal mit den leistungsstärksten Versionen Long Range, Dual Motor AWD und Performance loslegt. Das Basismodell hingegen geht in den USA nicht vor Frühjahr 2021 an den Start. Erst dann ist das Model Y mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 390 Kilometern (nach neuer Verbrauchsmessung WLTP) und einer Höchstgeschwindigkeit von 193 Stundenkilometern zum Einstiegspreis von 39'000 Dollar erhältlich. In Europa ein Jahr später.

Bis dahin wird die Variante Long Range mit Hinterradantrieb und der Top-Reichweite von maximal 540 Kilometern zum Preis ab 57000 Franken der günstigste Einstieg in die Model-Y-Welt. In dieser Ausführung beschleunigt das Elektro-SUV in 5,8 Sekunden auf Tempo 100 und fährt maximal 209 km/h schnell. Die Allrad-Version mit zwei Elektromotoren kommt nach WLTP-Standard 505 Kilometer weit, beschleunigt in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, schafft maximal 217 km/h. Preis: 61'000 Franken.

Noch keine Bestellzahlen

An der Spitze der Modellpalette steht die Topversion Performance ab 70'000 Franken: Hier stehen eine elektrische Reichweite von bis zu 480 Kilometern, eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h und 3,7 benötigte Sekunden für den Standardsprint im Datenblatt.

Bei diesen Preisen handelt es sich um die fünfsitzige Version mit «normaler» Farbe. Wer 7 Plätze will, muss 3200 Franken Aufpreis zahlen, wer den «Autopilot» mit allen Möglichkeiten ordert, bezahlt weitere 8500 Franken. Und wer beim Topmodell überall ein Häkchen setzt, landet bei total über 85'000 Franken. Bestellt werden kann das Auto ab sofort – auch in der Schweiz, gegen eine Anzahlung von 2000 Franken.

Dass Elon Musk 72 Stunden nach der Präsentation noch keine Zahlen zu den Bestelleingängen des Model Y getwittert hat, kann eigentlich nur zwei Gründe haben: Die Tweets von Musk werden aufgrund negativer Erfahrungen sicherheitshalber überwacht, oder die Zahlen blieben bisher hinter den Erwartungen zurück.

Erstellt: 18.03.2019, 17:15 Uhr

Statt SEXY nur S3XY

Der Name des neuen Tesla-Modells ist kein Zufall, sondern steht in direktem Zusammenhang mit den anderen Autos der Kalifornier. Auf S, 3 (hätte E heissen sollen) und X folgt Y – aneinandergereiht hätte das das Wort SEXY ergeben. Doch für einmal war ein traditioneller Hersteller schneller – Ford hatte sich das E bereits gesichert. Also ist Tesla nicht SEXY, sondern S3XY ... Aber damit kann Musk wohl leben. (lie)

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