Zum Hauptinhalt springen

Hyundai will abheben

Die Hyundai Motor Group startet in diesem Jahr eine breite Innovationsoffensive. Eines der Pionierprojekte wird in der Schweiz realisiert.

Dieter Liechti
Das SA-1 Flugtaxi, das Hyundai zusammen mit Uber entwickelt hat, wurde vergangene Woche an der weltweit grössten Konsumentenelelektronikmesse in Las Vegas vorgestellt. Foto: Etienne Laurent (Reuters)
Das SA-1 Flugtaxi, das Hyundai zusammen mit Uber entwickelt hat, wurde vergangene Woche an der weltweit grössten Konsumentenelelektronikmesse in Las Vegas vorgestellt. Foto: Etienne Laurent (Reuters)

«Ford, die tun was.» Mit diesem Slogan feierte der europäische Ableger des US-Auto-Giganten einst grosse Erfolge. Mittlerweile muss sich Ford in der Schweizer Markenhitparade mit Platz 7 begnügen, nachdem 2019 auch Seat an den Kölnern vorbeigezogen ist. Noch nicht in den Schweizer Top Ten angekommen ist zwar Hyundai, doch wenn es einen Konzern gibt, der den Ford-Slogan erben kann, dann die Hyundai Motor Group (HMG). Zum einen verfügen sie derzeit über das breiteste Antriebsportfolio (Benzin, Diesel, Hybrid, Elektro, Wasserstoff), zum anderen ist der Innovationsgeist der Südkoreaner ungebrochen: Erst vergangene Woche sorgte Hyundai mit der Präsentation eines Flugtaxis für Schlagzeilen.

Doch die Südkoreaner haben noch viel mehr vor, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Chief Executive Officer der Hyundai Motor Group, Euisun Chung, Anfang Jahr bestätigte. «Wir wollen die Führungsrolle des Konzerns in Zukunftsbranchen wie Elektrifizierung, autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen ausbauen», sagte der Konzernchef. Und fordert von seinen Mitarbeitern für 2020 «die kreative Denkweise und den unternehmerischen Willen von Start-up-Unternehmen».

Hyundai bereitet für das laufende Jahr die Lieferung der ersten 50 Wasserstoff-Elektro-Nutzfahrzeuge für die Schweiz vor.

Denn die Südkoreaner wollen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern wollen ihre Führungsposition bei der Fahrzeugelektrifizierung ausbauen, in die Wasserstoffindustrie investieren, den Bereich autonomes Fahren kommerzialisieren sowie das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen intensivieren.

«Um unsere Position bei der Fahrzeugelektrifizierung zu festigen, sollen 44 elektrifizierte Modelle bis 2025 auf den Markt kommen, darunter mehrere batterieelektrisch betriebene Modelle», so Chung. Bisher umfasst indes das elektrifizierte Angebot 24 Modelle. Um das batterieelektrische Angebot in den kommenden fünf Jahren auf 23 Modelle zu steigern, hat der Konzern eine neue Elektroarchitektur entwickelt, die im kommenden Jahr eingeführt wird.

Hyundai will den Bereich autonomes Fahren ausbauen. Ein erster Prototyp wurde bereits vorgestellt. Foto: Ross D. Franklin (Keystone)
Hyundai will den Bereich autonomes Fahren ausbauen. Ein erster Prototyp wurde bereits vorgestellt. Foto: Ross D. Franklin (Keystone)

Die weltweite technologische Führung im Geschäft mit Brennstoffzellen-Fahrzeugen soll über die Automobilindustrie hinaus auch auf andere Branchen ausgeweitet werden. Gemeinsam mit Cummins, einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Motoren und Generatoren, wird das Brennstoffzellensystem von Hyundai mit Elektroantriebs-, Batterie- und Steuerungssystemen von Cummins kombiniert, um neue und moderne Technologien auf den US- und europäischen Markt zu exportieren.

Die Brennstoffzellensysteme sind für den Transportsektor, Schiffe, Schienenfahrzeuge und Gabelstapler ebenso vorgesehen wie für die Stromerzeugung und Stromspeicherung. Ab 2030 will Hyundai jährlich rund 200'000 Brennstoff­zellensysteme weltweit liefern.

Die Schweiz als Testmarkt

Eine wichtige Rolle beim Thema Brennstoffzelle nimmt die Schweiz ein: So bereitet Hyundai für das laufende Jahr die Lieferung der ersten 50 Wasserstoff-Elektro-Nutzfahrzeuge für die Schweiz vor. Bis 2025 ist die Produktion von insgesamt 1600 schweren Nutzfahrzeugen geplant, die grösstenteils für den Schweizer Markt vorgesehen sind.

Zusammen mit strategischen Partnern hat Hyundai zudem ein Geschäftsmodell entwickelt, mit dem grüner Wasserstoff produziert und der Aufbau einer Wasserstoffversorgung in ganz Europa ermöglicht werden kann. Im Bereich der autonomen Antriebe will die Gruppe in naher Zukunft selbstfahrende Fahr­zeuge mit dem Level 4 und dem Level 5 kommerzialisieren, um auch in diesem Sektor eine führende Rolle einzunehmen.

Das gemeinsam mit Uber entwickelte Flugtaxi S-A1 kann elektrisch vertikal starten und landen und bis zu fünf Personen mit 290 km/h Höchstgeschwindigkeit transportieren.Foto: PD
Das gemeinsam mit Uber entwickelte Flugtaxi S-A1 kann elektrisch vertikal starten und landen und bis zu fünf Personen mit 290 km/h Höchstgeschwindigkeit transportieren.Foto: PD

Wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie der Südkoreaner «sind neue Technologien und Projekte für intelligente Mobilitätslösungen, bei denen der Mensch immer im Mittelpunkt steht». So hat Hyundai vergangene Woche auf der Elektronikshow CES 2020 in Las Vegas seine Vision für die ­Mobilität der Zukunft in urbanen Zentren vorgestellt. Diese basiert auf drei Säulen, die miteinander kombiniert werden.

Im Rahmen der für diesen Zweck neu gegründeten Division, der Urban Air Mobility (UAM), nutzt Hyundai den Luftraum über den Metropolen und transportiert Menschen sowie Waren zu einem zentralen Verteilpunkt – dem Hub, «einem Ort für Mobilitätstransfer und Gemeinschaftsaktivitäten». Von dort aus bringen Spezialfahrzeuge Menschen und Waren zu den ­jeweiligen Zielen, und es werden bereits im Mobilitätsraum erste Wünsche der Reisenden erfüllt.

Flugtaxi zunächst mit Pilot

Eine wichtige Funktion nimmt dabei das Flugtaxi ein, das auf der CES Weltpremiere feierte: Das S-A1, ein gemeinsam mit Uber entwickeltes Personal Air Vehicle (PAV), kann elektrisch vertikal starten und landen. Das Luftfahrzeug PAV verfügt über mehrere Rotoren und ist für bis zu fünf Personen ausgelegt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 290 km/h, die Flughöhe soll zwischen 300 und 600 Metern liegen. Bis zu 100 Kilometer Reichweite bietet das S-A1, das in der Anfangsphase von einem Piloten gesteuert wird. Nach der Entwicklung der entsprechenden Technologien wird ein autonomer Betrieb möglich sein.

Bei allen Technologien setzen die Südkoreaner auf eine offene Innovationsstrategie, die eine Zusammenarbeit und Partnerschaft mit globalen Unternehmen in verschiedenen Branchen weltweit umfasst. «Wir werden breit gefächerte Innovationen identifizieren, die vielfältige Möglichkeiten ausserhalb des Unternehmens berücksichtigen und überall dort nach Partnern suchen, wo neue Technologien, Visionen und Talente vorhanden sind, um unsere ambitionierte Innovationsstrategie zu unterstützen», so Konzernchef Chung. Hyundai, die tun was.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch