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LA Design Challenge: Der Ritt auf der grünen Welle

Der diesjährige Wettbewerb zur LA Autoshow im November zeigt, wie sich internationale Designer der verschiedensten Marken die Rennwagen der Zukunft vorstellen.

Mag das Öl noch so knapp und die Luft noch so dünn werden – auf Motorsport muss/will die PS-Gemeinde auch in Zukunft nicht verzichten. Das zumindest ist die feste Überzeugung der mehreren Hundert Autodesigner, die rund um Los Angeles für Hersteller aus aller Welt den Hotspot Kalifornien beobachten und dort den Trends der nächsten Jahre auf der Spur sind. Während sie in den Studios von Mercedes, VW, BMW, Toyota, Honda, General Motors oder Mitsubishi die meiste Zeit an ernsthaften Serienprojekten arbeiten oder die Messen mit wegweisenden Studien schmücken, dürfen sie einmal pro Jahr so richtig über die Stränge schlagen und pünktlich zur Autoshow in Los Angeles ihre verrücktesten und revolutionärsten Ideen ins Rennen um die mittlerweile in der ganzen Branche hoch angesehene LA Design Challenge schicken.

Wie sieht der Rennwagen 2025 aus?

Nachdem die Juroren im letzten Jahr um Vorschläge zu den Robocars für das Jahr 2057 gebeten hatten, geht es diesmal um die Rennwagen der Zukunft, die in dieser Vision schon 2025 beginnen wird. Von der Diskussion um Benzinpreis oder CO2-Ausstoss haben sich die Rennställe dabei längst verabschiedet. Denn egal ob auf klassischen Rundstrecken, beim interkontinentalen Motor-Triathlon, auf Salzseen oder in schwererem Gelände – die allermeisten Boliden fahren in der Vorstellung der Designer dann längst schon mit sauberem Strom, für den sie nicht mal schwere Akkus brauchen. Schliesslich wird die Energie mit Hilfe von Segeln, Windrädern oder Solarzellen direkt an Bord erzeugt oder über Induktionskontakte einfach aus der Strasse gezapft. Und wenn tatsächlich noch Sprit verbrannt wird, dann nur Wasserstoff oder synthetische Biokraftstoffe.

Bei Rennen wie der American le Mans Series zum Beispiel könnte dann der Audi R25 mit einem Bio-Hybridmotor starten, der Sprit aus Algen verbrennt und den Strom für seinen Elektro-Booster drahtlos und im Vorbeifahren aus speziellen Ladezonen entlang der Rennstrecke bekommt. Mit dem R25 im Rennen gehen eine Formel-1-Variante des Chevrolet Volt, der allein mit der Energie von Erde, Wind und Sonne fährt, sowie ein Brennstoffzellen-Bolide von Toyota, der dank effizientester Wasserstoffnutzung und Solar-Turbos ein ganzes 24-Stunden-Rennen ohne Boxenstopp schafft und trotzdem mehr als 500 km/h erreicht. Der Clou dabei: Bei hohen Geschwindigkeiten macht sich der Racer dünn, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Vor engen Kurven dagegen geht der Biobolide für grösstmögliche Traktion und einen stabilen Stand in die Breite. Ebenfalls mit von der Partie könnte der Mazda Kaan sein, der für die Elektrowertung der Formel 1 entwickelt wurde. Seine Radnabenmotoren beschleunigen ihn auf mehr als 400 km/h und brauchen nicht einmal Batterien. Denn bis dahin sind Strassen und Strecken in der Vision der Designer längst mit einem neuen Spezialpolymer geteert, das Strom führt und Elektromotoren nun über Induktionsschleifen in den Reifen mit Energie versorgt.

Mercedes setzt das Segel

Selbst in 20 Jahren werden die Amerikaner allerdings nicht nur über die Rundstrecke jagen, sondern auch die Rennen auf den Salzseen erfreuen sich dann noch immer grosser Beliebtheit. Allerdings glühen dort längst nicht mehr V12- oder W-16-Motoren, und auch das letzte Jet-Triebwerk ist verstummt. Stattdessen säuselt bei Racern wie den aus Ölfässern und Barbeque-Grills recycelten Rennzigarren von BMW nur noch ein Wasserstoffantrieb, und bei Mercedes hört man nur noch das Surren eines von Solarzellen gespeisten Elektromotors und das Pfeifen des Windes, der durch ein Hightech-Segel rauscht.

Rallyes wieder hoch im Kurs

Ebenfalls hoch im Kurs stehen auch bei unseren Enkeln noch Rallyes wie die Dakar oder die Baja California – schliesslich sind die Autos mittlerweile so grün, dass selbst Umweltschützer mit dem Spektakel ihren Frieden geschlossen haben. Der VW BioRunner zum Beispiel braucht für die 1000 Meilen über Sand und Schotter nur noch zehn Gallonen synthetischen Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen, der in zwei Turbinen mit mehr als 500'000 Umdrehungen pro Minute verbrannt wird. Gesteuert wird der Urenkel des Touareg aus einem Motorradsattel durch Gewichtsverlagerung und Muskelspannung, und statt konventioneller Fenster gibt es im Innenraum eine 360-Grad-Projektion, auf der der Fahrer seine Umgebung sehen kann. Konkurrenz bekommt der BioRunner von Volkswagen, der zwischen den Einsätzen von einem Begleithubschrauber transportiert oder ferngesteuert werden kann, von einer Art rasenden Raupe der Mitsubishi-Designer. Weil selbst der wüstenerprobte Pajero nicht überall durchkommt, haben die Japaner für den MMR25 ein neues Spezialrad entwickelt, das aus acht elektrisch angetriebenen, einzeln steuerbaren Gummiwalzen mit Offroad-Profil besteht. Verteilt auf die vier Ecken des Fahrzeugs macht das insgesamt 32 angetriebene Räder, für die es nun wirklich kein Hindernis mehr gibt.

Honda schwimmt und hebt ab

Egal ob Teer, Sand oder Salzsee – nur mit Autofahren will sich das Kreativteam von Honda nicht begnügen. Weil die Japaner schliesslich neben Autos auch Flugzeuge und Bootsmotoren bauen, haben die Designer gleich einen automobilen Triathlon entwickelt, bei dem die Teilnehmer innert 24 Stunden mit einem einzigen Fahrzeug einmal quer durch Amerika fahren, durch Asien schwimmen und über Europa fliegen müssen – und das alles, ohne ein Gramm CO2 auszustossen. Zwar experimentieren die Veranstalter der Rennserien schon heute mit den ersten grünen Technologien: Nicht umsonst gewinnt in Le Mans der Diesel und fährt bei der Dakar ganz vorne mit, nicht ohne Grund setzt die Formel 1 vom nächsten Jahr an auf Hybrid-Komponenten, und selbst bei den legendären Indy 500 gibt es Rennwagen mit Ethanol im Tank und demnächst sogar eine eigene Klasse für Öko-Sportler.

Keine Chance auf Realisation

Doch was jetzt in Los Angeles gezeigt wird, klingt alles so futuristisch, dass man sich solche Autos auch in 20 Jahren nicht auf einer Rennstrecke vorstellen möchte. Aber das muss man auch nicht. Denn ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Designstudien auf den internationalen Automessen haben diese Entwürfe nicht einmal geringe, sondern einfach überhaupt keine Chance auf eine zukünftige Verwirklichung. Selbst den Modellbauern bleibt diese Arbeit erspart – denn gezeigt werden die «Racecars 2025» vom 21. bis 30. November im Los Angeles Convention Center ausschliesslich als überdimensionale Skizzen.

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