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Reduziert auf den Elektroantrieb

Bevor Smart die Verbrennermotoren endgültig verbannt, wurde die aktuelle E-Generation noch einmal überarbeitet. Das Resultat überzeugt aber nicht in allen Bereichen.

Thomas Geiger
Äusserlich beschränken sich die Änderungen, abgesehen vom unterschiedlichen Design für Zwei- und Viertürer, auf die retuschierte Frontschürze und nachgezeichnete Leuchten. Foto: PD
Äusserlich beschränken sich die Änderungen, abgesehen vom unterschiedlichen Design für Zwei- und Viertürer, auf die retuschierte Frontschürze und nachgezeichnete Leuchten. Foto: PD

«Reduce to the max»: Mit der freiwilligen Selbstbeschränkung auf das wirklich Wesentliche ist der kleine Smart vor mehr als 20 Jahren gross rausgekommen und hat die Autowelt auf den Kopf gestellt. Zwar war kein anderes Auto so radikal reduziert wie der bunte Bonsai-Benz, doch so wirklich erfolgreich war er nie – und verwässert haben die Schwaben das Konzept mit starken Motoren und immer neuen Modellen bis hin zum Viertürer auch.

Doch nachdem Mercedes-Benz die alleinige Hoheit über den Stadtflitzer gerade abgegeben hat und den Nachfolger für das Jahr 2022 gemeinsam mit Geely in China auf den Weg bringt, kehren sie auf der Zielgeraden noch einmal zur alten Konsequenz zurück. Denn wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 26'400 Franken für den Fortwo, 27'400 Franken für den Forfour und 30'100 Franken für das Cabrio die überarbeitete Generation an den Start geht, dann geht es weniger um das, was es künftig neu gibt. Sondern interessant ist das, was es in Zukunft nicht mehr geben wird: den Benzinmotor.

Reichweite und Tempo passen

Während die grossen Marken und auch die Mutter Mercedes den Abschied vom Verbrenner zwar herbeireden, sich dabei aber noch das eine oder andere Jahrzehnt Zeit lassen wollen, machen sie bei Smart Nägel mit Köpfen und schwenken als erste und bislang einzige traditionelle Marke voll auf den Elektroantrieb um. Und natürlich passt der E-Antrieb zum Smart besser als zu vielen anderen Autos. Das wusste 1994 schon Nicolas Hayek, als er gemeinsam mit dem Stuttgarter Autobauer die Micro Compact Car AG in Biel gründete. Denn angesichts des winzigen Wendekreises fühlt man sich im Fortwo ohnehin wie im Autoscooter – und der fährt schliesslich auch elektrisch.

Bei Smart machen sie Nägel mit Köpfen und schwenken als erste und bislang einzige traditionelle Marke voll auf den Elektroantrieb um.

Mindestens ebenso erfreulich: Beim frisch überarbeiteten Smart ist mit dem E-Antrieb endlich das nervige Schnattern des Dreizylinders passé. Und weil der Smart ohnehin fast ausschliesslich in der Stadt gefahren wird, stört sich auch niemand an den bescheidenen Fahrleistungen. Maximal Tempo 130? Reicht heute locker. Von 0 auf 100 km/h in knapp zwölf Sekunden? «Who cares», würde Roger Schawinski sagen, doch der fährt längst einen Tesla.

Wichtig sind nicht die maximal 60 kW Leistung, sondern die bestenfalls 160 Nm Drehmoment, die mit den knapp 1100 Kilogramm leichtes Spiel haben und für einen spontanen Antritt sorgen. Die 4,8 Sekunden von 0 auf 60 km/h hören und vor allem fühlen sich deshalb viel besser an als die knapp 12 Sekunden, die bis Tempo 100 vergehen.

Selbst mit der bescheidenen Reichweite lässt sich unter diesen Voraussetzungen leben. Denn wer sich tatsächlich nur in der Stadt bewegt, der kommt mit dem Normwert von 159 Kilo­metern locker über die halbe Arbeitswoche. Nur das Laden selbst ist nervig, weil es unverhältnismässig lange dauert: Selbst mit dem immerhin knapp 1000 Euro teuren 22 kW-Lader dauert es 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Da sind modernere Konkurrenten wie der elektrische Mini oder der Opel Corsa-E deutlich flotter unterwegs.

Ideales Carsharing per App

Während Smart mit dem Verzicht auf den Verbrenner für Schlagzeilen sorgt, halten sich die Neuerungen sonst in engen Grenzen: Von aussen sind es vor allem eine retuschierte Frontschürze mit ernstem Blick und unterschiedlichem Design für Zwei- und Viertürer sowie die nachgezeichneten Leuchten, die den Unterschied ausmachen. Und innen gibt es zwar ein Update fürs Infotainment, aber auch die versprochene Smartphone-Integration ändert nichts daran, dass die analogen Instrumente und langsame Navigation heute wie von gestern wirken. Vom Rest des Infotainments ganz zu schweigen.

Analoge Instrumente und die langsame Navigation wirken veraltet. Foto: PD
Analoge Instrumente und die langsame Navigation wirken veraltet. Foto: PD

Dabei ist den Entwicklern die Digitalisierung keineswegs fremd. Doch weil für Software-Änderungen im Auto Geld und Möglichkeiten fehlen, toben sie sich bei den Apps zum Fahrzeug aus. So kann man das Laden nicht nur von der Apple-Watch aus steuern, sondern kann sogar sein privates Carsharing starten. Weil man den Wagen auch mit einem Code auf dem Smartphone öffnen und starten kann, lässt er sich problemlos im Freundes- und Familienkreis teilen. Nur den Parkplatzfinder mit Echtzeitinformationen aus Tiefgaragen und Wahrscheinlichkeiten für ganze Strassenzüge hätten sie sich sparen können: Denn wenn es ein Auto gibt, für das man immer einen Platz findet, dann ist es der Smart.

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