«Unsere Produktpalette passt»

Porsche-Schweiz-Chef Stephan Altrichter über den Erfolg der Marke, die Modellneuheiten auf der Tokyo Motor Show und den Einzug von Turbomotoren im 911 Carrera.

Porsche-Schweiz-Chef Stephan Altrichter mit dem neuen Macan GTS an der Tokyo Motor Show.

Porsche-Schweiz-Chef Stephan Altrichter mit dem neuen Macan GTS an der Tokyo Motor Show. Bild: Porsche

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Stephan Altrichter, trotz des Franken- Schocks Anfang Jahr konnte Porsche in der Schweiz bis Ende September über 50 Prozent zulegen. Wie erklären Sie sich das?
Wir haben damals innerhalb von einer Woche reagiert und die Preise an den Kurs angepasst. Und was niemand voraussehen konnte: Die Schweizer haben mehr konsumiert. Der Binnenmarkt hat die Exportverluste der Wirtschaft kompensiert.

Das allein erklärt aber nicht, warum gerade Porsche so erfolgreich war.
Die Emotionalität und das Design sagen den Schweizern zu, und in Zeiten wie diesen kommt uns die Wertstabilität zugute. Wir haben die vergangenen fünf Jahre hart an einem extrem professionellen Händlernetz gearbeitet. Was die Kundenzufriedenheit angeht, sind wir im Vergleich zu anderen Wettbewerbern weit vorne. Und: Ich glaube, wir haben momentan einfach eine Produktpalette, die sehr gut passt. Mit dem Macan konnten wir über 60 Prozent neue Kunden dazugewinnen, und viele, die einen 911 fahren, haben sich noch einen Macan dazugekauft.

Welche Rolle wird der aktuell auf der Tokyo Motor Show gezeigte Macan GTS spielen?
Mit Sicherheit eine dominante, weil er wichtige Porsche-Merkmale wie Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit ganz weit nach vorne stellt. Alle GTS-Modelle sind in der Schweiz sehr beliebt, das sehen wir auch beim 911.

Erwarten Sie nach dem VW-Skandal einen Rückgang der Dieselmodelle? Eventuell zugunsten der Plug-in-Hybride bei Panamera und Cayenne?
Die festgestellten Verstösse bei Abgastests in den USA beziehen sich rein auf 4-Zylinder-Dieselmotoren des VW-Konzerns. Porsche hat derartige Aggregate nicht im Angebot – weder in den USA noch auf anderen Märkten weltweit. Dementsprechend sind wir von den Vorwürfen ohnehin nicht betroffen. Davon unabhängig: Der Plug-in-Hybrid kommt in der Schweiz gut an, zumal es ihn im Cayenne in Kombination mit Vierradantrieb gibt. Der Anteil beträgt derzeit um die 20 Prozent.

In Tokio debütieren aber auch die neuen Carrera-4-Modelle, die für die Schweiz sicher wichtig sind.
Ja, der Allrad-Elfer ist das Schweizer Auto schlechthin. Der Anteil liegt zwischen 75 und 80 Prozent, Turbo allerdings inklusive.

Apropos Turbo: Jetzt, da die Technologie auch in den Carrera-Modellen Einzug hält – gibt es Leute, die sich möglichst noch einen 911er mit Saugmotor sichern wollen?
Ja, auch die gibt es. Vor allem die aktuellen GTS-Modelle sind so sehr begehrt, dass wir momentan zu wenig auf dem Markt haben.

Wird es der neue Carrera mit Turbolader auf dem Markt schwer haben?
Nein, die Auftragseingänge sind schon jetzt sehr gut, obwohl wir bislang nur die Zweiradantriebe im Angebot hatten. Mit den Vierradantrieben wird der Neue an Attraktivität dazugewinnen. Zudem ist er technisch so viel weiterentwickelt.

Was heisst das genau?
Zum Beispiel die Motoren, die mehr leisten, weniger verbrauchen und schon bei 1700 Umdrehungen das volle Drehmoment zur Verfügung stellen, die Hinterradlenkung oder das neue Fahrwerk – es gibt so viele Features, die das Gesamtpaket 911 verbessert haben. Früher wollte doch jeder einen Turbo, jetzt kann ihn jeder fahren. Gerade in der Schweiz, wo man eher von unten raus fährt, macht die Turbotechnologie Sinn.

Das neue Porsche Communication Management hat so viele Features, dass es dafür schon fast ein Studium braucht. Ganz ehrlich, will das ein 911-Kunde?
Ich denke, es gibt zwei Gruppen. Wir haben Kunden, die bestellen sich nicht mal eine Klimaanlage, weil sie ein gewichtsoptimiertes Fahrzeug wünschen. Solche, die das Auto ganz normal verwenden, werden jedoch dankbar sein für neue Features wie Real-Time-Traffic für zeitnahe reale Verkehrsnachrichten, die auf das Navigationssystem übertragen werden. Unter den Konnektivitäts- Features gibt es zudem eine App für die Rennstrecke, um die Fahrdaten herauszuspielen. Heutzutage geht es doch vor allem darum, diese Welten zu vereinen. Ich bin sicher, da sind wir ganz gut unterwegs mit unseren Autos, die Alltagstauglichkeit und soziale Verträglichkeit mit einem recht radikalen Sportwagen verbinden.

Wie viele Kunden gehen tatsächlich auf die Rennstrecke?
Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen. Wir wissen aber, dass die Kunden sehr motorsportbegeistert sind. Die Sports Cup Suisse Community wird immer grösser, und nächstes Jahr, wenn wir mit dem GT4 Clubsport eine neue Serie bringen, wird sie bestimmt weiter wachsen.

Erstellt: 02.11.2015, 15:53 Uhr

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