Vor dem Parkhaus abstellen, das Auto macht den Rest

Autohersteller tüfteln am Parkieren ohne Fahrer. Damit soll in Parkhäusern Platz gespart werden. Und nicht nur das.

Ein Mercedes-Benz fährt während einer Präsentation autonom durch ein mit Bosch-Sensoren ausgestattetes Parkhaus. Foto:dpa

Ein Mercedes-Benz fährt während einer Präsentation autonom durch ein mit Bosch-Sensoren ausgestattetes Parkhaus. Foto:dpa

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Es klingt wie Science-Fiction, aber in Stuttgart funktioniert es bereits: Ein Autofahrer kann an der Parkhaus-Einfahrt aus seinem Fahrzeug aussteigen, einmal auf dem Handy klicken – dann sucht sich das Auto allein einen Parkplatz. Und wenn der Besitzer wieder wegfahren will, drückt er noch einmal auf dem Handy und sein Wagen kommt selbständig zur Ausfahrt herausgefahren.

Der Autohersteller Daimler und der Technologiekonzern Bosch experimentieren mit dieser Technik im Parkhaus des Mercedes-Museums seit 2017. Mit zwei Fahrzeugen, die dort mit fünf Kilometern pro Stunde fahren. Zwar gibt es noch keinen Serienwagen, der die Technik beherrscht, dennoch haben Daimler und Bosch am Dienstag stolz einen «Meilenstein» verkündet: Sie haben nun die Genehmigung der Behörden bekommen, ihr System ohne Sicherheitsfahrer – also einen Fahrer, der nur in riskanten Situationen eingreift – oder einen anderweitig kontrollierenden Menschen zu betreiben.

Diese Genehmigung ist laut Daimler und Bosch die weltweit erste dieser Art. Für die Entwickler ist das ein weiterer Schritt in Richtung vollautomatisiertes Autofahren, auch wenn die regulatorischen Voraussetzungen für Serienfahrzeuge noch nicht definiert sind.

Versicherungen rechnen mit weniger Schäden

Ab 2020 wollen die beiden Unternehmen ihre Technik an andere Betreiber von Parkhäusern verkaufen. Gespräche laufen bereits, das Interesse sei «sehr gross», so die Unternehmen. Das Ziel der Tüftler sei es, dass man zum Beispiel nach einer Flugreise sein Auto via Handy schon anfordern kann, während man auf sein Gepäck wartet. Der Wagen kommt dann aus dem Parkhaus vorgefahren, wenn man das Flughafen-Gebäude verlässt. Wann Technik und Gesetze diese Vision möglich machen, ist noch völlig offen.

Dennoch seien Betreiber von Parkhäusern und auch Versicherungen sehr interessiert an diesem sogenannten Automated Valet Parking (AVP). In den Garagen spare es ein Fünftel des Platzes, weil die Autos viel enger aneinander abgestellt werden können, wenn mit der neuen Technik nach dem Einparkieren kein Fahrer mehr die Tür zum Aussteigen öffnen muss. Und die Versicherer rechnen mit viel weniger Schäden. «40 Prozent aller KfZ-Schadensfälle sind Parkunfälle», sagen die Macher von Bosch und Daimler. Diese Schäden würden komplett wegfallen, wenn die Technik mit ihren Sensoren das Rangieren übernimmt.

Anderen Autoherstellern anbieten

«Automatisiertes Einparkieren ist viel sicherer», betont Carsten Hämmerling von Daimler. In den zwei Jahren des Pilotprojekts in Stuttgart habe es keine einzige gefährliche Situation gegeben. Laut Genehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart und des Landesverkehrsministeriums dürften die Autos zwar maximal zehn Kilometer pro Stunde fahren, doch die Firmen gaben sich bislang mit fünf Km/h zufrieden. «Mit mehr Erfahrung wollen wir schneller werden», sagt Rolf Nicodemus von Bosch.

«Automatisiertes Einparkieren ist viel sicherer.»Carsten Hämmerling, Daimler

Die AVP-Parkhaus-Technik wendet einen komplett anderen Ansatz an als die Roboter-Autos, die Mercedes und andere Unternehmen in anderen Städten ausprobieren. Denn in der Stuttgarter Garage sitzen die Sensoren und das Gehirn des Systems nicht im Fahrzeug, sondern im Parkhaus. Die Sensoren und Stereokameras sind neben den Fahrstrecken und an der Decke installiert. Sie kommunizieren über Wifi mit dem Auto, und lenken dieses zum freien Parkplatz – auch an anderen, «normal» fahrenden Fahrzeugen und Fussgängern vorbei.

Bislang funktioniert das allerdings nur mit zwei speziell ausgerüsteten Mercedes-Fahrzeugen. Gewöhnliche Besucher des Parkhauses müssen mit ihren Autos ganz altmodisch händisch einparkieren. Ziel von Bosch und Daimler ist es, so schnell wie möglich Serienmodelle zu entwickeln - allerdings müssen sie dabei auf die Regulierungsbehörden warten, bis diese die rechtlichen Standards festgeschrieben haben. Zudem wollen die Unternehmen ihre Technik auch für andere Autohersteller anbieten. Hier würden bereits Gespräche mit dem Verband der Automobilindustrie geführt.

Erstellt: 23.07.2019, 16:58 Uhr

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