«Wir Autobauer werden zu Tech-Companies»

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer verriet in einer Gesprächsrunde mit Schweizer Journalisten, wie er die automobile Zukunft sieht.

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer über Tesla: «Wir freuen uns über jeden, der mit uns die Elektromobilität vorantreibt.» Foto: PD

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer über Tesla: «Wir freuen uns über jeden, der mit uns die Elektromobilität vorantreibt.» Foto: PD

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In welche Richtung entwickelt sich die Automobilwelt?
In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird wahrscheinlich mehr passieren als in den letzten 100. Zum einen werden wir in den Städten das autonome und emissionslose Fahren erleben. Zum anderen eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Mobilitätsangebot und Kunde zusammenzuführen. Hinzu kommen neue Wettbewerber. In der Vergangenheit wussten wir ungefähr, was die anderen machen. Trotz des harten Wettbewerbs galten gewisse Spielregeln. Jetzt drängen Player wie Google, Uber, in China Didi und Gerüchten zufolge auch Apple mit einer ganz anderen Vorgehensweise in den Mobilitätsmarkt.

Wie reagiert die «alte» Branche auf die neue Konkurrenz?
Wir haben Milliarden in Fabriken investiert und beschäftigen über 120'000 Menschen. Wir können nicht alles vergessen, was wir aufgebaut haben, und so tun, als wären wir ein Start-up. Aber wir müssen uns in diese Richtung öffnen. Die IT-Giganten versuchen zu lernen, wie man Autos baut, und wir Autobauer versuchen, uns zu Tech-Companies zu entwickeln. Die spannende Frage ist: Wer lernt schneller, was der andere besser kann? In den nächsten zwei, drei Jahren dürfte sich entscheiden, wer in zehn Jahren noch ein Big Player im Bereich Mobilität sein wird.

Mobility on Demand: Chance oder Risiko?
Sehen Sie sich die Entwicklung der letzten 50 Jahre an. Früher mussten die Menschen eine ganze Weile sparen, bis sie sich ihren Autotraum erfüllen konnten. Dann kam die Finanzierungswirtschaft, und das Premiumsegment ist explodiert, weil die Menschen mit monatlichen Zahlungen relativ früh zu einem Premiumprodukt kamen. Wenn wir das weiterdenken, wird der Markt durch Mobility on Demand umso grösser. Plötzlich können wir Menschen ein Angebot machen, die gar kein Auto besitzen – zum Beispiel einen BMW 7er mit Chauffeur, der sie gelegentlich ins Restaurant fährt.

BMW als Uber-Konkurrent?
Wir haben früh erkannt, dass der Trend in Richtung Mobilitätsdienstleistungen geht. Wir waren die Ersten in der Automobilbranche, die in Carsharing investiert haben. Das Thema kommt für uns nicht überraschend. Als etabliertes deutsches Unternehmen müssen wir allerdings anders vorgehen. Wir handeln auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Mitteln.

Autonomes Fahren: Werden sich die gesetzlichen Hürden überwinden lassen?
Ich bin der Meinung, dass es so viele Vorteile bringt, dass die Gesetze folgen werden. In Europa haben wir die Tendenz, eher die Risiken als die Chancen zu sehen. In den USA wird das Thema ganz anders diskutiert. Dort sagt man sich: Wenn wir das autonome Fahren einführen, wird es wie beim Fliegen technische Probleme geben, aber wir reduzieren die Anzahl der Verkehrstoten von 30'000 auf 5000. Wenn es für die Gesellschaft Vorteile bringt und wenn es technisch möglich ist, wird man Lösungen finden. Die Frage ist nur, wann. Das kann ich Ihnen auch noch nicht so genau sagen.

Wie werden Google und Apple eingeschätzt?
Ich gehe davon aus, dass diese Unternehmen teilweise darüber nachdenken, eigene Autos zu bauen, und teilweise eher ein System zum autonomen Fahren anbieten werden, ähnlich, wie das bei Android der Fall war. Andererseits müssen sich diejenigen Autohersteller, die sich keine eigene Entwicklung leisten können, diese dazukaufen, wenn sie weiterhin mitmischen wollen. Die BMW Group betrifft das nicht. Wir sind stark genug, um selber in die Technologie zu investieren.

Wie «gefährlich» ist Tesla?
Konkurrenz belebt das Geschäft, und wir freuen uns über jeden, der mit uns gemeinsam die Elektromobilität vorantreibt. Jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, was hier der richtige Weg ist. Die BMW Group ist mit ihren Elektrofahrzeugen i3 und i8 im Bereich E-Mobilität und Leichtbau bereits an der Spitze der Technologie, und wir werden uns auch weiterhin intensiv mit den Anforderungen der Elektromobilität beschäftigen.

Ist die Zukunft elektrisch?
Ich denke, dass wir in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine Wende erleben werden. Dann ist die Batterietechnik vielleicht endlich so weit, dass die Probleme mit der Reichweite und den Kosten gelöst sind. So viele Überzeugungstäter, sprich Leute, die sagen, sie würden aus reinen Umweltgründen 7000 Euro mehr ausgeben, gibt es auf der Welt nicht. Und was man nicht vergessen darf: Wir reden viel über Urbanisierung, aber es leben immer noch zwei bis drei Milliarden Menschen auf dem Land. Hinzu kommt die individuelle wirtschaftliche Situation. Die wenigsten werden ihr vieroder fünfjähriges Auto sofort durch ein neues Elektrofahrzeug ersetzen können.

Auf welche Antriebstechnologie setzt BMW?
Wir investieren sowohl in die Batterietechnik als auch in die Wasserstofftechnologie. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Verbrennungsmotoren weiter, um die strengen CO2-Gesetze erfüllen zu können. Insgesamt betrachtet befinden wir uns in einer Investmentphase, wie sie es so noch nie gegeben hat.

Erstellt: 11.04.2016, 17:54 Uhr

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