Mit dem Dreirad in die Kurve liegen

Gerade mal 35 i-Road hat Toyota für einen Flottenversuch in Frankreich gebaut. Wir waren mit dem schrägen Gefährt unterwegs.

Schräg, aber oho: Toyota startet mit 35 i-Road einen Flottenversuch bei einem Carsharing-Projekt in Grenoble. Foto: Toyota

Schräg, aber oho: Toyota startet mit 35 i-Road einen Flottenversuch bei einem Carsharing-Projekt in Grenoble. Foto: Toyota

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Er sieht aus, als wäre er irgendwo auf der Milchstrasse falsch abgebogen: Viel abgedrehter als im neuen Toyota i-Road kann man den Stadtverkehr nicht erleben. Dabei ist der 2-Sitzer mit Weltraumdesign und Elektroantrieb keine Vision, sondern Realität – zumindest 35-mal. Denn so viele i-Road haben die Japaner für einen Flottenversuch in Grenoble gebaut, der am 1. Oktober beginnt.

Bei Tempo 45 ist Schluss

Auf den ersten Blick sieht der Schmalspur- Stromer aus Japan aus wie ein spaciger gezeichneter Renault Twizy. Denn genau wie bei den Franzosen sitzt man hintereinander in luftiger Karosse und fragt sich, wie einen so ein Ding bei Wind und Wetter trocken ans Ziel bringen soll. Doch es braucht nur ein paar Meter und vor allem die erste Kurve, schon fährt man in einer anderen Dimension. Das liegt weniger an den beiden gerade einmal drei PS starken Radnabenmotoren, die schon bei 45 km/h eingebremst werden. Sondern das fusst vor allem auf der faszinierenden Fahrwerkskonstruktion. Denn gelenkt wird nicht mit den Vorderrädern, sondern die Richtung bestimmt die breite Gummiwalze unter dem Hintern des Fahrers. Zudem legt sich der i-Road mit einer ausgefallenen Neigetechnik auch noch in die Kurve.

So carvt man durch die City wie ein Skifahrer durch die Slalomstangen, fädelt sich durch die kleinste Lücke und findet auch dort noch ein Plätzchen, wo selbst der Smart abdrehen muss. Kein Wunder bei einer Verkehrsfläche von 2,35 mal 0,85 Metern und einem Wendekreis von 3 Metern. So spielerisch der i-Road auch wirken mag, Chief-Engineer Akihiro Yanaka nimmt das Projekt sehr ernst. Nicht umsonst hat er mit seinem Team schon vier Jahre an dem Stadtflitzer der Zukunft getüftelt. Ob sich die Arbeit gelohnt hat, kann Yanaka noch nicht sagen. Zwar klopfen im alles andere als mondänen Grenoble immer wieder Passanten an die Fenster und würden einem den Wagen am liebsten sofort unter dem Hintern wegkaufen. Ob sich diese Begeisterung in echte Begehrlichkeit und dann in dauerhafte Zufriedenheit verwandeln lässt, das wollen die Japaner beim Carsharing- Projekt in Frankreich herausfinden.

Der Firmenchef als Fürsprecher

Das hänge nicht zuletzt am Preis, räumt Yanaka ein, und in seinem Umfeld werden im Augenblick noch horrende Summen gemunkelt. Mit der aufwendigen Neigetechnik und dem teuren Lithium- Ionen-Akku soll der i-Road aktuell so teuer sein wie ein Kompaktklasseauto. «Wenn wir damit Erfolg haben wollen, müssen wir unter den Preis eines Aygo kommen», sagt Yanaka. Vorerst hofft er auf positive Resonanz aus Frankreich. Dass es dafür nicht viel braucht, hat er in Tokio erfahren, als er einen Fürsprecher gewinnen konnte: Firmenchef Akio Toyoda. Der fährt zwar am liebsten im Rennanzug über die Nordschleife, doch nach ein paar Runden im i-Road hatte er genau jenes fröhliche Lachen auf den Lippen, das er so gern wieder in die Gesichter der Toyota-Kunden bringen will, freut sich der Projektleiter: «Wenn das mal kein gutes Omen ist.»

Erstellt: 19.09.2014, 17:32 Uhr

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