«Kein digitales Medium kann dies ersetzen»

Swiss-Moto-Chef Yves Vollenweider setzt auf Shows und Sonderausstellungen.

Die russische Marke Ural zeigt mit einer Studie, was ein elektrisches Seitenwagen-Bike leistet. <nobr>Fotos: PD</nobr>

Die russische Marke Ural zeigt mit einer Studie, was ein elektrisches Seitenwagen-Bike leistet. Fotos: PD

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Yves Vollenweider, Automessen auf der ganzen Welt klagen über Absagen von Herstellern und sinkende Besucherzahlen. Wie sieht das bei der grössten Zweiradmesse der Schweiz aus?
Klassische Veranstaltungen, bei welchen es nur um reine Produktorientierungen geht, haben es sicherlich schwer. Doch während meiner Lehre zum Motorradmechaniker hat mein Lehrmeister immer gesagt, dass wir keine Motorräder, sondern Träume verkaufen. Diesem Grundsatz bleiben wir auch bei der Swiss-Moto treu und positionieren uns anders als klassische Messeformate.

Was bedeutet «anders»?
Wir und unsere Aussteller investieren viel Zeit und Aufwand in die Inszenierung vor Ort. Wir wecken mit Sonderausstellungen und Shows Emotionen und machen so die Träume der Töfffans greifbar. Kein digitales Medium kann dieses Erlebnis ersetzen.

Trotz Träumen: Seit 2015 gehen die Verkäufe von Motorrädern und Rollern zurück. Ist Töff­fahren out?
Nein, natürlich nicht. Bei Rollern spürt man zwar eine gewisse Übersättigung, und zudem machen sich die explosionsartig zunehmenden E-Fahrrad-Verkäufe in den urbanen Ballungszentren bemerkbar. Aber bei den Motorrädern gab es 2018 weniger Neuheiten, weil die Hersteller nach der auf 1. Januar 2017 erfolgten Anpassung auf die strengen Euro-4-Normen über­durchschnittlich viele Neukonstruktionen auf den Markt gebracht haben. Doch für 2019 sieht es viel besser aus, und die Swiss-Moto wird sehr spannend.

Apropos Spannung: Die Automobilindustrie steht unter Strom. Wie sieht diese Entwicklung bei den Zweirädern aus?
Eine schwierige Frage. Aus meiner Sicht hängt dies wesentlich von der künftigen Entwicklung der Automobilindustrie ab, denn die Trends der Automobiltechnik werden jeweils früher oder später auf das motorisierte Zweirad übertragen. Aber mich als Konsument irritiert, dass es in Bezug auf die ökologischen Faktoren sehr widersprüchliche Studien gibt.

Die Schweizerische Fachstelle für Motorrad und Roller schreibt: «Die Elektrotechnik bleibt beim Motorrad vorderhand chancenlos, denn die Industrie bietet keine Lösungen, die vom Markt akzeptiert werden.» Stimmen Sie dem zu?
Ja. 2018 wurden gerade mal 127 E-Motorräder und 715 E-Roller verkauft. Sollten sich die E-Fahrzeuge im Automobilbereich aber durchsetzen, dann steigt beim Verbraucher auch die Akzeptanz für E-Motorräder. Und immerhin lancieren in diesem Jahr mit Harley-Davidson und Vespa erstmals zwei grosse Hersteller vielversprechende E-Modelle, die die E-Revolution anzetteln könnten.

Ganz auf bewährte Technik setzt Harley-Davidson mit seinem neuen Softtail-Modell FXDR.

Während die Stromer noch nicht aus den Startblöcken kommen, fahren Schweizer Biker noch immer auf grosse Maschinen ab. Rund ein Drittel der Neukäufe fielen auf Motorräder mit mehr als 1000 ccm Hubraum. Stimmen Sie dem zu?
Ich sehe keinen Grund, warum sich dieser Trend nicht fortsetzen sollte. Neben den von Ihnen angesprochenen Absatzzahlen zeigen aus meiner Sicht vor allem die aktuellen Modellpaletten der Hersteller, dass die Nachfrage nach Motorrädern mit viel Hubraum ungebrochen ist.

Was macht die Faszination eines so grossen Motorrads aus, obwohl man in der Schweiz nicht mehr schneller als 120 km/h fahren kann?
Die Grösse des Motors hat keinen direkten Zusammenhang zur Geschwindigkeit. Motorräder mit grossem Hubraum glänzen vor allem mit einem hohen Drehmoment. Das steigert den Fahrspass, ohne die gesetzlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten zu müssen.

Der andere Trend sind Retro-Bikes: Welches ist Ihr Favorit?
Es gibt eine Vielzahl von Retro-Bikes, die mir sehr gut gefallen. Ich persönlich stehe aber eher auf echte Oldtimer, wie meine Benelli 750. Auch wenn ich mir bei der einen oder anderen Panne die moderne Technik eines Retro-Bikes gewünscht hätte.

Sie sind seit zehn Jahren Messeleiter der Swiss-Moto. Was hat sich seit Ihrer ersten Messe grundsätzlich verändert?
Vor meiner Zeit als Messeleiter der Swiss-Moto habe ich auf Ausstellerseite den Auftritt von BMW Motorrad organisiert. Aus diesem Grund war für mich in erster Linie wichtig, dass die Swiss-Moto stärker auf die Bedürfnisse der Aussteller sowie der gesamten Branche ausgerichtet wird. Mittlerweile sind wir viel mehr als eine reine Ausstellung – wir sind heute ein Sprachrohr für die Branche und bieten ein einzigartiges Gesamterlebnis für alle Töfffans aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland.

Und was sind Ihre persönlichen Highlights der diesjährigen Swiss-Moto?
In erster Linie natürlich die Neuheiten der über 400 angemeldeten Marken. Mir persönlich liegt aber vor allem die Hommage an Luigi Taveri, den grössten Helden des Schweizer Motorsports, am Herzen. Aber auch die Sonderschau über das Töffparadies Schweiz, bei welcher wir die schönsten Töfftouren und Alpenpässe zeigen – und zwar inszeniert mit Augmented-Reality-Technologie auf der grössten je produzierten Luftbildkarte der Schweiz mit über 200 Quadratmetern. Und last but not least kann man bei uns das teuerste Motorrad der Welt betrachten – die 1,888 Millionen Franken teure Harley-Davidson Blue Edition, eine Zusammenarbeit von Bündnerbike und dem Uhren- und Schmuckhaus Bucherer.

21. bis 24. Februar 2019, Messe Zürich, Hallen 1 bis 7, www.swiss-moto.ch

Erstellt: 18.02.2019, 17:31 Uhr

Der 45-jährige Yves Vollenweider steht der grössten Schweizer Zweiradmesse seit 2008 vor.

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