Barack Obama und Joe Biden als Mordermittler

Krimi der Woche: Der ehemalige US-Präsident und sein Vize sind die Hauptfiguren im lustigen Roman «Hope Never Dies».

Als Autor veröffentlichte Andrew Shaffer verschiedene Bücher, darunter «The Day of the Donald. Trump Trumps America!», und unter dem Pseudonym Fanny Merkin die «Fifty Shades of Grey»-Parodie «Fifty Shames of Earl Grey». Foto: Andrew Shaffer

Als Autor veröffentlichte Andrew Shaffer verschiedene Bücher, darunter «The Day of the Donald. Trump Trumps America!», und unter dem Pseudonym Fanny Merkin die «Fifty Shades of Grey»-Parodie «Fifty Shames of Earl Grey». Foto: Andrew Shaffer

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Der erste Satz
An dem Abend, als alles begann, war meine Laune so finster wie irisches Guinness.

Das Buch
Das ist ziemlich schräg: Im Krimi «Hope Never Dies» ermitteln zwei bekannte amerikanische Politiker aus der realen Welt – Barack Obama und Joe Biden, der ehemalige US-Präsident und sein Vize. Und bei dem einen Mal bleibt es nicht: Während der erste Band auf Deutsch erschien, hat Autor Andrew Shaffer in den USA bereits einen zweiten Obama-Biden-Roman nachgelegt, und es sollen noch mehr folgen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Joe Biden, der als Icherzähler fungiert. «Ich war nicht länger Vizepräsident und genoss keine offiziellen Befugnisse mehr. Ich war nur ein alter Mann. Mit den dunklen Gestalten, die wir jagten, konnte ich nicht Schritt halten, weder körperlich noch mental – und sollte das Spiel drehen und wir plötzlich die Gejagten sein, hätte ich mit meinem kaputten Knie keine Chance.»

Biden, ein Eisenbahnfan, ist auch unter dem Spitznamen Amtrak-Joe bekannt, da er jahrzehntelang mit dem Amtrak-Zug von Wilmington, Delaware, nach Washington, D.C., pendelte; in Wilmington ist sogar der Bahnhof nach ihm benannt. Nun ist ein Zugschaffner, mit dem sich Biden angefreundet hatte, tot aufgefunden worden – überfahren von genau diesem Zug. Die Polizei will den Fall rasch als Suizid oder allenfalls als Unfall abhaken, doch Biden glaubt nicht daran. Zusammen mit Barack Obama, der heute ja auch Zeit hat, beginnt er dem Fall selbst nachzugehen.

Und plötzlich stecken die beiden Politiker mitten in einer Drogenschmuggelgeschichte. Nicht ganz unkritisch merkt Biden an: «Während meiner und Baracks Amtszeit hatte sich die Opioidabhängigkeit zu einem grossen Problem entwickelt. Als wir merkten, wie gross, war es zu spät. Die Verbreitung hatte epidemische Ausmasse angenommen.»

Als Kriminalgeschichte ist «Hope Never Dies» leichte Kost. Doch Shaffer erzählt mit viel Witz, und es gibt immer wieder amüsante Anspielungen auf tatsächliche Ereignisse und andere echte Personen. Über Obamas gepanzertes SUV-Ungetüm sagt Biden, dass es das Benzin schlucke, «wie unser Oberster Twitterer die Diet Coke in sich hineinkippte». Aber vor allem die zahlreichen neckischen Frotzeleien zwischen den beiden Protagonisten und Bidens Blick auf Obama machen das Buch zu einer kurzweiligen Unterhaltung. Wenn etwa Obama der Kassiererin in einem Laden noch rasch die Welt erklären will und die junge Frau fasziniert an seinen Lippen hängt, beschreibt Biden Obamas Überzeugungskraft so: «Fünf Minuten mit Barack genügten, und ein Atheist sang Kirchenlieder.»

Bereits in diesem Buch, das im Original 2018 erschienen ist, liebäugelt Joe Biden vorsichtig mit einer Präsidentschaftskandidatur. Doch er weiss, dass selbst der beste Plan scheitern kann: «Fragen Sie Hillary.»

Zudem lernen wir, dass in den Ostküstenstaaten der USA Autofahrer, die sich an das Tempolimit halten, als «Soziopathen» gelten. Und angesichts eines vollgepinkelten WC-Sitzes in einer öffentlichen Toilette lässt Shaffer seinen Icherzähler Biden kommentieren: «Warum manche Männer nicht richtig zielen können, habe ich nie verstanden. Und die Hälfte davon hat zu Hause eine Handfeuerwaffe herumliegen – eine gruselige Vorstellung.»

Die Wertung

Der Autor
Andrew Shaffer, geboren 1978 in Cedar Rapids im US-Bundesstaat Iowa, besuchte den Iowa Writer’s Workshop, ein renommiertes Creative-Writing-Programm an der University of Iowa, und studierte Comedy an der Improvisationsschule The Second City in Chicago. Er ist Gründer und kreativer Leiter der Grusskartenfirma Order of St. Nick, zu deren Spezialitäten atheistische Weihnachtskarten gehören. Zudem betreibt er den Verlag 8th Circle Press, der die Bücher seiner Frau, der Schriftstellerin Tiffany Reisz, herausgibt.

Als Autor veröffentlichte er verschiedene Bücher, darunter «The Day of the Donald. Trump Trumps America!», und unter dem Pseudonym Fanny Merkin die «Fifty Shades of Grey»-Parodie «Fifty Shames of Earl Grey».

«Hope Rides Again» ist der Anfang einer Serie von Krimis mit Barack Obama und Joe Biden; in den USA ist im letzten Sommer der zweite Band «Hope Rides Again» erschienen. Andrew Shaffer lebt in Lexington, Kentucky, wo er am Carnegie Center for Literacy and Learning lehrt und Autoren betreut.


Andrew Shaffer: «Hope Never Dies. Ein Fall für Obama und Biden» (Original: «Hope Never Dies. An Obama Biden Mystery», Quirk Books, Philadelphia 2018). Aus dem Englischen von Eva Bonné. Droemer, München 2019, 318 S., ca. 23 Fr.

Alle weiteren Besprechungen finden Sie in der Collection «Krimi der Woche».

Erstellt: 27.12.2019, 07:06 Uhr

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