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Rassismus im FernsehenBBC streicht «Little Britain» und Folge von «Fawlty Towers»

«The Germans» enthalte rassistische Beleidigungen. Darsteller John Cleese kritisiert die Verantwortlichen der Entscheidung als «dumm».

John Cleese als Basil Fawlty und Ballard Berkely als Major Gowen in der «Fawlty Towers»-Folge «The Germans».
John Cleese als Basil Fawlty und Ballard Berkely als Major Gowen in der «Fawlty Towers»-Folge «The Germans».
Foto: BBC

Der britische Streaming-Anbieter UKTV hat eine Folge der Comedy- Serie Fawlty Towers aus dem Programm genommen. «The Germans», berühmt unter anderem für eine Szene, in der John Cleese als Basil Fawlty Hitler imitiert, im Stechschritt durch das Hotel marschiert und den Satz «Don't mention the war» skandiert, enthalte rassistische Beleidigungen, schrieb der Sender auf Twitter. Man nehme die Episode deshalb aus dem Programm, um sie zu prüfen. Man wolle sich Zeit nehmen, alle Optionen zu berücksichtigen, heisst es dort weiter.

Was genau den Anstoss zu dem Schritt gegeben hat, ist noch unklar. Ein Sprecher von UKTV, Teil der BBC-Familie, sagte zunächst, man wolle keine Details kommentieren. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es um ein Gespräch zwischen Basil Fawlty und dem latent senilen Hotelgast Major Gowen (Ballard Berkeley) geht. Gowen benutzt während der Unterhaltung eine Reihe von rassistischen Ausdrücken, während er eine Anekdote um das West Indies Cricket Team erzählt – eine Mannschaft, die sich aus Spielern mehrerer englischsprachigen Karibik-Nationen zusammensetzt.

John Cleese bezeichnet Verantwortliche als «dumm»

Gemäss englischen Medien wurde die Szene, in der Major Gowen die Ausdrücke benutzt, bereits am vergangenen Sonntag aus der Folge gekürzt. Nun ist die gesamte Episode entfernt worden. Es handelt sich um eine von zwölf in den 1970er Jahren produzierten «Fawlty Towers»-Folgen. Die Szene mit den deutschen Gästen gehört zu den beliebtesten der Serie.

John Cleese, einstiges Mitglied der Comedy-Gruppe Monty Python, zeigte sich schwer verärgert über die UKTV-Entscheidung, The Germans zu entfernen. Wer nicht sehe, dass Rassismus dort kritisiert und nicht befürwortet werde, sei schlicht «dumm». Zu den Dingen, die er in den vergangenen 180 Jahren gelernt habe, gehöre, dass Menschen sehr unterschiedlichen Humor hätten, so der Schauspieler weiter. Einige würden verstehen, dass man sich über einen Menschen lächerlich mache, dem man Unfug in den Mund legt.

Auch Little Britain wird gestrichen

Der jüngste Schritt steht in einer Reihe ähnlicher Vorgänge. Das amerikanische Streaming-Portal HBO Max hatte den Filmklassiker «Vom Winde verweht» vorläufig aus dem Programm genommen (der Film fand sich kurz darauf in den Amazon-Charts wieder). Später kündigte man an, den Film von 1939 nur noch mit Erklärungen zu dessen rassistischen Vorurteilen und der problematischen Darstellung von Sklaverei zu zeigen. «Er wird mit einer Erläuterung seines historischen Kontexts und einer Distanzierung von den rassistischen Darstellungen ins Programm wiederaufgenommen werden», hiess es in einem Statement vom Dienstag.

Ebenfalls diese Woche entfernte die BBC die Comedy-Serie «Little Britain» – produziert in den Jahren 2003 bis 2006 – aus ihrer Mediathek. «Die Zeiten haben sich geändert», hiess es zur Begründung. Die Parodie der Komiker David Walliams und Matt Lucas war im Zuge der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd erneut in die Kritik geraten, weil die Darsteller auch schwarze und asiatische Charaktere mimten. Auch die Serie «Come Fly with me» von David Walliams und Matt Lucas wurde aus dem Programm entfernt.

Im deutschsprachigen Fernsehen wurde die Serie in der Synchronisation von Oliver Kalkofe und Oliver Welke ausgestrahlt. Auch die Streamingdienste Netflix und BritBox entfernten die Sketche aus ihrem Angebot im Vereinigten Königreich.

David Walliams und Matt Lucas  stellten in ihren Serien oft Frauen dar.
David Walliams und Matt Lucas stellten in ihren Serien oft Frauen dar.
Foto: BBC

In Grossbritannien ist die Debatte um Inklusion und Diversität im Fernsehen um einiges institutionalisierter als etwa in deutschsprachigen Ländern. So soll dort seit einigen Jahren die Initiative «Diamond» (Diversity Analysis Monitoring Data) von BBC, Channel 4, ITV, Sky und auch Produktionsfirmen in Serien und Filmen ein realistischeres Gesellschaftsabbild gewährleisten, also zum Beispiel mehr lesbische oder schwarze Charaktere statt nur weisser Heterofiguren.

anf/sz/biaz

25 Kommentare
    Burkard Markus

    Sender und Streamingdienste nehmen indexierte Filme aus ihrem Programm. Hm. Wie in der McCarthy-Ära. Das Absurde: Von genau den Leuten gefordert, die ganz bestimmt nicht in dieser Zeit gelebt haben wollten.

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    Allerdings seh ich einen Lichtschimmer am Horizont: Ich seh eine grosse Zukunft für den Schwarzmarkt voraus. Wie früher Schmuddelfilme unter der Ladentheke gehandelt wurden, wird man bald die indexierten John-Cleese-Filme weiterreichen. Herjeh, ich dachte immer, der Kindergarten wäre eine kurze Phase im Leben eines jeden Menschen.

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    Die Welt als Kindergarten. Mit herumhüpfenden brabbelnden Teletubbies. Und alle haben sich soooooo lieb.