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Trainingsstart bei den GrasshoppersBei GC wird jetzt Portugiesisch gesprochen

Die Grasshoppers starteten am Montag in die neue Saison. Es fehlt Nassim Ben Khalifa, dafür sind ein fünfköpfiges Trainerteam aus Portugal und ein weit gereister Schweiz-Chinese da.

Klare Anweisungen: João Pereira in seinem ersten Training als GC-Chefcoach.
Klare Anweisungen: João Pereira in seinem ersten Training als GC-Chefcoach.
Foto: Manuel Geisser (Geisser Fotografen)

GC hat in diesem Jahr schon einmal zum Trainingsstart geladen. Es war der 11. Mai, ein kleiner Neubeginn, das erste Mal nach der Corona-Pause. Der Trainer hiess Goran Djuricin, der Captain Veroljub Salatic.

Als am Montag um 10 Uhr die erste Trainingseinheit der Saison 2020/21 Fahrt aufnimmt, scheint das bereits länger her zu sein als diese fast 100 Tage. Es ist wieder einmal vieles anders bei den Grasshoppers, diesmal ist es ein grösserer Neubeginn. Djuricin ist weg, sein Nachfolger Zoltan Kadar rückte zurück in die zweite Reihe, er ist wieder Assistent. Und Salatic ist auch gegangen, mit ihm weitere Routiniers wie Mychell Chagas, Oliver Buff und Andreas Wittwer.

Dafür ist ein breit aufgestelltes Trainerteam in Niederhasli angekommen. Es dirigiert auf Englisch, das R rollt. Untereinander sprechen sie Portugiesisch. João Pereira, ein Mann, dessen Arme meist verschränkt sind und dessen Blick streng ist, ist der neue Chef. Vier weitere Männer rufen seine Anweisungen über den Platz, sie heissen João Gião, Gilberto Freitas, Bruno Ferreira und Lino Godinho. Etwas aussen vor ist bei all diesen Umstellungen Zoltan Kadar. Er, der bereits unter Djuricin Einheiten leitete und zwischenzeitlich Cheftrainer war, sitzt eineinhalb Stunden auf der Bank und gibt den stillen Beobachter.

Unter wachsamen Augen: João Pereira beobachtet Yannick Scheidegger, Fabio Fehr, Marcin Dickenmann und Djibril Diani beim Aufwärmen.
Unter wachsamen Augen: João Pereira beobachtet Yannick Scheidegger, Fabio Fehr, Marcin Dickenmann und Djibril Diani beim Aufwärmen.
Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Ein solch grosser Staff ist für die meisten Spieler etwas Neues. Nach dem Training sagt Petar Pusic, er habe nicht erwartet, dass er gleich so viele neue Coachs bekomme. Schlecht findet er das nicht, «als Spieler wird man so mehr auf individuelle Dinge angesprochen». Ganz automatisch geht noch nicht alles, viele Übungen sind neu, nicht immer weiss jeder, was er zu tun hat. Und Namen wie Scheidegger und Dickenmann bereiten den Portugiesen Probleme. Sie werden Zeit bekommen, diese zu lernen. Pereira hat bereits bei seiner Präsentation angekündigt, dass das Team mehr Zeit auf dem Campus verbringen wird als bisher. Das beginnt schon beim gemeinsamen Morgenessen vor der ersten Einheit. Zudem bekommen die Spieler die Übungen am Vorabend, sie sollen sich vorbereiten.

Ein neues Gesicht: Ming-Yang Yang aus Basel

Praktisch zeitgleich mit Beginn des Trainings gibt GC eine weitere Verpflichtung bekannt. Ming-Yang Yang stösst zu den Grasshoppers. Ein zentraler Mittelfeldspieler von schmächtiger Statur. Der Basler mit chinesischem Pass debütierte bereits mit 18 in der Super League, damals als Spieler von Lausanne. Dazwischen liegen Jahre des Wechselns, er spielte in Winterthur und zuletzt bei Jumilla, einem spanischen Drittligaverein. Ausgeliehen von seinem Stammclub, den Wolverhampton Wanderers aus England.

Um 10 Uhr wurde sein Transfer kommuniziert, kurz darauf trainierte er erstmals: Ming-Yang Yang.
Um 10 Uhr wurde sein Transfer kommuniziert, kurz darauf trainierte er erstmals: Ming-Yang Yang.
Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Dieser frühere Arbeitgeber liegt sehr nahe, schliesslich gehören sowohl die Grasshoppers als auch die Wolves zum Konstrukt um den chinesischen Konzern Fosun. GC-Besitzerin Jenny Wang ist die Ehefrau von Wolverhamptons Eigentümer und Fosun-Präsident Guo Guangchang. Nicht wenige befürchten, dass GC zu einer Art Farmteam der Engländer werden könnte. Sportchef Bernard Schuiteman, bis vor kurzem noch in der Scoutingabteilung Wolverhamptons tätig, kennt den Spieler aus seiner Zeit in England, betont aber, dass Yangs Vertrag ohnehin auslief, «er hat eigentlich nichts mehr mit Wolverhampton zu tun».

Neben Yang sind auch die Zuzüge Shkelqim Demhasaj, Dominik Schmid und Oscar Correia dabei. Es werden sich wohl noch mehr zu ihnen gesellen, auch Schuiteman weiss um das noch sehr junge Kader, das Pereira momentan zur Verfügung hat. Mit 26 Jahren ist Goalie Mirko Salvi der älteste Spieler, der am Montag mittrainiert. Schuiteman sucht Spieler mit Erfahrung, sagt aber auch: «Erfahrung heisst nicht, dass jemand 30 sein muss. Es gibt auch 25-Jährige, die wissen, wo es langgeht.» Es würden bald weitere Verstärkungen dazukommen.

Reichlich Erfahrung würde Nassim Ben Khalifa mitbringen. Der Stürmer ist der grosse Abwesende am Montag, sein Vertrag lief Ende Saison 2019/20 aus. Die Verhandlungen laufen, Schuiteman sagt: «Ich bin ganz guter Dinge, wir hoffen auf eine Einigung.» Aus anderen Ecken ist aber auch zu hören, dass der 28-Jährige in die Super League will. Und das nicht erst in einem Jahr.