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Geldblog: Marktschrei(b)erBei Geberit gehts weiter nach oben

Roche schlägt Novartis +++ Emmi stapelt tief +++ Ascom voll im Trend

Jona, PK der Geberit zur neuen Produktionshalle, in der schon gearbeitet wird, Produktionsstrasse zur Qualitäts Kontrolle. 10.11.2011 Bild: Sabine Rock
Jona, PK der Geberit zur neuen Produktionshalle, in der schon gearbeitet wird, Produktionsstrasse zur Qualitäts Kontrolle. 10.11.2011 Bild: Sabine Rock
Foto: Sabine Rock

Geberit: kaufen

Europas führender Sanitärtechniker Geberit bleibt ein Phänomen. Ich staune immer wieder, wie es das Unternehmen fertigbringt, die extrem hohe operative Profitabilität nicht nur zu halten, sondern gar noch zu steigern. Selbst in der Corona-Krise ist es Geberit gelungen, trotz eines im ersten Semester geringeren Umsatzes, die operative Marge (gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen, Ebitda) auf geradezu traumhafte 31,5 Prozent zu steigern. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Geberit die Krise gut meistert. Das Halbjahresergebnis hat aber nicht nur mich, sondern auch den Markt positiv überrascht. Entsprechend ist der Kurs der Geberit-Aktien steil nach oben gerichtet, die Scharte aus dem Corona-Crash im März ist längst mehr als kompensiert. Die Titel sind derzeit, auf Basis der Gewinnschätzung für das kommende Jahr, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 bewertet. Damit sind sie im historischen Vergleich nicht überbewertet – sie gehören ins Portfolio.

Emmi: dosiert kaufen

Und noch ein Unternehmen begeistert mich immer wieder: Emmi. Die Luzerner hätten gute Voraussetzungen, als langweiliger Milchverarbeiter unter dem stets hohen Preisdruck in einer stark reglementierten Branche zu leiden. Aber das Gegenteil ist der Fall, selbst in der Krise. Bereits früh war klar, dass Emmi von der starken Nachfrage nach Milch und Käse im Detailhandel profitieren würde. Doch dass sich Caffè Latte dem negativen Trend im Ausserhausgeschäft entziehen würde, sahen viele Beobachter nicht so voraus. Statt auf dem Weg zum Büro tranken die Leute den kalten Kaffee anscheinend auch zu Hause vor dem Computer. Insbesondere im wichtigen britischen Markt war das Wachstum intakt. Damit übertraf Emmi auch meine Erwartungen einmal mehr. Zwar stapelt Chef Urs Riedener für das Gesamtjahr wie gewohnt tief, das Zielband für den Gewinn werde wohl angesichts der schwierigen Wirtschaftslage nur am unteren Rand erreicht. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen sich weiterhin gut schlagen wird. Die Aktien notieren auf Vorkrisenniveau und sind damit kurzfristig etwas beschränkt, aber langfristig nicht zu teuer.

Roche: kaufen

Immer wieder höre ich, dass Pharmakonzerne doch eigentlich zu den Profiteuren der gegenwärtigen globalen Gesundheitskrise gehören sollten. In der Schweiz scheint das zumindest für die Zulieferer zu stimmen: Die Aktien von Lonza und der kleineren Bachem aus dem Baselbiet gehören seit Jahresbeginn zu den absoluten Überfliegern. Bei beiden Unternehmen erwarten die Marktteilnehmer – ich eingeschlossen – ein sehr starkes Wachstum, auch über die gegenwärtige Lage hinaus. Die Performance der grossen zwei Player am Pharmamarkt, Roche und Novartis, ist dagegen durchzogener. Notiert der Genussschein Ersterer seit Jahresbeginn noch knapp im Plus, haben die Aktien von Novartis in derselben Periode rund 14 Prozent an Wert verloren – Dividenden nicht eingerechnet. Dabei konnte Roche mit mehreren Nachrichten mit Bezug zu Covid-19 punkten. Ihre Diagnostiksparte ist die weltweit grösste Anbieterin von Corona-Tests. Zwar haben beide Konzerne langfristig eine volle Pipeline und damit grosses Potenzial. Doch Roche sind zumindest kurzfristig vorzuziehen und weniger riskant.

Ascom: halten

Im Fall von Ascom wurde erst durch die Krise aus einer Verliereraktie eine Gewinnerin. Auch nach der vielerorts zu beobachtenden positiven Gegenreaktion zum Corona-Schock im März kletterten die Titel weiter nach oben: Sie haben sich in den letzten drei Monaten um zwei Drittel verteuert. Nicht nur konnten Healthcare-Aktien generell profitieren, als Anbieterin von Kommunikationstechnik für Spitäler profitiert Ascom auch von der beschleunigten Digitalisierung – die Aufträge für das Spitalhandy Myco III haben sich gehäuft. Zwar befindet sich Ascom noch im Turnaround, und CEO Jeannine Pilloud muss die Verkaufsmannschaft auf Vordermann bringen, was Zeit braucht. Doch es scheint gewiss, dass das zweite Semester deutlich besser ausfallen wird und es wieder für einen Gewinn reichen wird. Das Kurs-Rally ist nicht unbegründet, nimmt aber schon viel Positives vorweg. Die langfristigen Treiber wie die Digitalisierung des Gesundheitswesens sind intakt. Doch im Sinne eines Rebalancing des Portfolios finde ich es angebracht, jetzt einen Teil der Gewinne zu realisieren und den Rest weiterlaufen zu lassen.

Poenina: halten

Die Lieferanten und Installateure von Heizungen, Lüftungen, Klima- und Elektrotechnik sagen nahezu einstimmig, dass sie das erste Halbjahr trotz Pandemie gut überstanden hätten. So auch Poenina. Der Ostschweizer Haustechniker musste zwar auch mit den Problemen zurechtkommen, doch komplett geschlossene Baustellen spielten keine grosse Rolle. Der Umsatz ging im Vergleich zur Vorjahresperiode mehr als 6 Prozent zurück, höhere Personalkosten wurden von niedrigerem Materialaufwand kompensiert, und am Ende blieb ein Gewinn von 3,4 Millionen Franken übrig. Die weiteren Aussichten seien sehr, sehr gut, hörte ich von Verwaltungsratspräsident Marco Syfrig. Das liegt auch an der energischen Akquisitionsstrategie des Unternehmens. Vor zwei Jahren hatte Poenina die zum damaligen Zeitpunkt etwa gleich grosse Inretis übernommen und rasch in die eigene Struktur integriert. Ende Juni vollzog sie nun die Fusion mit der ungefähr halb so grossen Caleira-Gruppe. Ich bin mir sicher, dass die Integration auch diesmal reibungslos verlaufen wird mit entsprechend positiven Wirkungen auf alle Finanzkennzahlen.

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.