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Kantonsrat verlangt Plan«Beim Veloverkehr treten wir seit Jahren an Ort»

Der Regierungsrat soll Zahlen zum Veloverkehr liefern. Und er soll sagen, wie er die Fahrradinfrastruktur ausbauen will.

Der Regierungsrat soll Veloschnellstrassen einrichten. Pilotversuch einer Velostrasse an der Ecke Scheuchzerstrasse/Sonneggstrasse im Jahr 2016 in Zürich.
Der Regierungsrat soll Veloschnellstrassen einrichten. Pilotversuch einer Velostrasse an der Ecke Scheuchzerstrasse/Sonneggstrasse im Jahr 2016 in Zürich.
Foto: Urs Jaudas

Es ist ziemlich genau zehn Jahre her, dass der Kantonsrat beschloss: Der Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr soll steigen. Und zwar deutlich. Doch dieses Ziel liegt nach Ansicht des Kantonsrats in weiter Ferne. Nun soll der Regierungsrat handeln. Das verlangen die 124 Kantonsräte, die ein Postulat von David Galeuchet (Grüne, Bülach) überwiesen haben.

Konkret soll der Regierungsrat erstens belastbare Zahlen beschaffen, und zweitens soll er einen Massnahmenplan vorlegen. Es sei schon bedenklich, sagte Galeuchet, dass der Kanton offensichtlich nicht einmal über genaue Zahlen zum Veloverkehr verfüge: «Kann es sein, dass der Regierungsrat das Velo als Lösung für die Verkehrsprobleme unterschätzt?» Vor allem der Ausbau von Veloschnellstrassen sei zentral, so Galeuchet.

«Man hat oft das Gefühl, jene, die Velowege planen, sollten erst mal selbst Velo fahren lernen.»

Daniel Heierli, Grüne

Fraktionskollege Daniel Heierli (Zürich) sagte, Experten aus echten Velostädten wie Kopenhagen und Amsterdam reagierten mit Heiterkeit oder Kopfschütteln, wenn sie die Zürcher Infrastruktur zu Gesicht bekämen: «Velostreifen, die dort aufhören, wo man sie am ehesten braucht. Velorouten, die übers Trottoir geführt werden. Unfallschwerpunkte wegen falsch geführter Velostreifen: Man hat oft das Gefühl, jene, die Velowege planen, sollten erst mal selbst Velo fahren lernen.»

Sonja Gehrig (GLP, Urdorf) sah die Lage ähnlich. Im ganzen Kanton Zürich seien weit über tausend Schwachstellen im Velonetz bekannt. Es sei Zeit, dass die Regierung handle: «Viel lieber als ein Bericht wäre es uns aber, wir würden sofort anfangen, die Schwachstellen zu beseitigen.» Der Bericht dürfe keine Ausrede sein, erneut zwei Jahre verstreichen zu lassen.

«Nur mit einem weiteren Bericht wird kein Meter Veloweg zusätzlich gebaut.»

Ulrich Pfister, SVP

Nicht nur die Grünen und die GLP, auch SP, EVP, CVP und FDP unterstützten das Anliegen. Farid Zeroual (CVP, Adliswil) argumentierte mit der wachsenden Zahl an E-Bikes: «Der Handlungsbedarf ist nicht nur ausgewiesen, er wird in den nächsten Jahren sogar eher grösser.»

Gegen das Postulat stellte sich einzig die SVP, obwohl Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) bereit war, es entgegenzunehmen. Ulrich Pfister (SVP, Egg) fand, der Kanton mache schon viel für den Veloverkehr. Es seien zahlreiche Projekte geplant, es gebe einen Velonetzplan und eine Koordinationsstelle. «Nur mit einem weiteren Bericht wird kein Meter Veloweg zusätzlich gebaut», so Pfister.