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Gemeinsame Initiative mit der EUBeim Wasserstoff ist die Schweiz dabei

Bundesrätin Simonetta Sommaruga drängt zusammen mit den Energieministern von sechs EU-Staaten Brüssel zu einem Aktionsplan für die Nutzung von Wasserstoff.

Eine Wasserstoff-Tankstelle für Lastwagen, bisher nur als Pilotprojekt in der Schweiz.
Eine Wasserstoff-Tankstelle für Lastwagen, bisher nur als Pilotprojekt in der Schweiz.
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Es kommt selten vor, dass die Schweiz zusammen mit EU-Staaten einen Appell an die EU-Kommission richtet. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat gemeinsam mit den Energieministern von sechs EU-Staaten eine politische Erklärung unterzeichnet, in der unter anderem Brüssel aufgefordert wird, einen Aktionsplan für die Nutzung von Wasserstoff auszuarbeiten.

Die Schweiz ist seit 2011 als Beobachterin im sogenannten pentalateralen Energieforum dabei, zusammen mit den Gründerstaaten Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg sowie Österreich. Das Potenzial von Wasserstoff müsse genutzt werden, um das von der EU angestrebte Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, schreibt die Gruppe. Die Länder betonen, die Zusammenarbeit in Sachen Wasserstoff ausbauen zu wollen.

Erst Pilotprojekte

Der Schwerpunkt soll auf erneuerbarem Wasserstoff liegen, die Umwandlung von Wasser in Brennstoff also mit Wind- beziehungsweise Sonnenenergie oder Wasserkraft erfolgen. Vor allem im Transportsektor und in der Industrie wird das Potenzial gesehen, Kohle, Öl und Gas durch sogenannten grünen Wasserstoff zu ersetzen. Bisher fehlt es aber nicht nur am Vertrauen in die neue Energie oder an der Infrastruktur, um zum Beispiel in Zukunft bestehende Gasnetzwerke umzunutzen. In der Schweiz gibt es erst einzelne Pilotprojekte – etwa im Transportgewerbe.

Die Gruppe drängt die EU-Kommission, zeitnah einen Fahrplan für den Ausbau von Wasserstoffenergie zu präsentieren. Dies, um Europa eine Position als Avantgarde zu sichern. Die Wertschöpfung soll in Europa geschehen, die Wasserstofftechnik nicht auf andere Kontinente abwandern. Nötig sei ein Rechtsrahmen, gemeinsame Standards und im Rahmen des Forschungsprogramms «Horizon Europe» Mittel für die Forschung. Kurios an der Erklärung ist die Fussnote zum Abschnitt über den Arbeitsauftrag an die EU-Kommission, in der sich die Schweiz distanziert: «Die Schweiz als Nicht-Mitglied ruft die EU-Kommission nicht dazu auf, beim Wasserstoff zu handeln, unterstützt aber den Inhalt des Aufrufs.»

Ersatz für Stromabkommen

Das Energieforum der Penta-Staaten sei für die Schweiz als informeller Rahmen sehr wertvoll, um sich an der Diskussion zu beteiligen und Positionen einzubringen, heisst es von Schweizer Seite. Dies, solange es kein Strom- oder Energieabkommen mit der EU gebe. Ein praktisch ausverhandelter Entwurf liegt seit Jahren wegen des ungelösten Streits um das institutionelle Rahmenabkommen auf Eis. Allerdings könnte es der Schweiz beim Wasserstoff so ergehen wie bei der Integration des EU-Strommarktes. Auch hier waren die Penta-Staaten treibende Kraft. Als es dann mit der Koppelung der Strommärkte konkret wurde, musste die Schweiz mangels Stromabkommen draussen bleiben.

Die EU-Kommission kündigte am Montag an, am 8. Juli ihre Wasserstoffstrategie zu präsentieren. Ähnlich wie bei der sogenannten Batterieallianz wird es um Industriepolitik gehen, also um den Versuch, eine Zukunftstechnologie zurückzuholen beziehungsweise in Europa anzusiedeln.