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Das neue Zuschauer-RankingBern mit grösstem Minus, Langnau mit kleinster Kulisse

Die Pandemie sorgt dafür, dass der SCB seinen Status als Zuschauerkrösus an den ZSC verlieren wird. Im Emmental sind nur noch 2700 Fans zugelassen.

Ende Feuerwerk: Die imposante Stehrampe in Bern ist nicht Corona-kompatibel.
Ende Feuerwerk: Die imposante Stehrampe in Bern ist nicht Corona-kompatibel.
Foto: Christian Pfander

In der Champions Hockey League hat es der SC Bern noch nie in den Halbfinal geschafft. Dennoch schmückt er sich gerne mit dem Label «Top of Europe». In der vergangenen Saison war Bern zum 19. Mal in Folge der Club mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas – selbst wenn der Wert wegen des Geisterheimspiels zum Abschluss gegen Gottéron noch unter die Grenze von 16’000 fiel.

Nun sorgt Corona für eine neue Hierarchie, wird der SCB punkto Zuschauer kaum mehr «Top of Switzerland» sein – geschweige denn «Top of Europe». Mit den neuen Vorgaben – maximal zwei Drittel der verfügbaren Sitzplätze dürfen besetzt werden – avancieren die ZSC Lions punkto Fassungsvermögen zur Nummer eins. Hinter den Schwergewichten aus Zürich und Bern folgen im temporären Kapazitäts-Ranking die Westschweizer Clubs aus Lausanne, Fribourg und Genf.

Ligadirektor Denis Vaucher sagt: «Wir hätten uns gewünscht, alle Sitzplätze nutzen zu dürfen. Die meisten Clubs verlieren allein durch die Umwandlung der Steh- in Sitzplätze bereits rund ein Viertel ihrer Kapazität.» Es gilt die Rechnung: je mehr Stehplätze in der Halle, desto grösser der Platzverlust.

Fünf Teams schöpfen weniger als die Hälfte aus

Am heftigsten zu spüren kriegt dies der SCB. Die imposante Stehrampe mit bis zu 10’000 Fans ist vorerst passé. Ab Anfang Oktober kann die Postfinance-Arena nur noch mit 38 Prozent des eigentlichen Volumens belegt werden.

Auch Langnau, die Tessiner Vertreter Ambri und Lugano sowie Rapperswil werden weniger als die Hälfte der ursprünglichen Kapazität ausschöpfen können. Ambri-Präsident Filippo Lombardi rechnet mit einem Defizit von 3 Millionen Franken. Wobei in der Leventina immerhin alle Saisonkarten-Inhaber einen Platz haben werden. Die Langnauer können gemäss Geschäftsführer Peter Müller gegenüber den Kunden nur drei Viertel der Leistungen erbringen. Und der SCB hat fast doppelt so viele Saisonkarten abgesetzt, wie Sitzplätze verfügbar sind. Eine Rotation ist angedacht. Geschäftsführer Marc Lüthi sagt: «Jeder Inhaber einer Saisonkarte hat in der Qualifikation Anrecht auf 25 Heimspiele. Kann er diese nicht besuchen, werden die verpassten Spiele auf die nächste Saison überschrieben.» Im Budget für die kommende Spielzeit hat Lüthi einen Verlust von 5 Millionen Franken einkalkuliert.

Ambri und Filippo Lombardi werden in der Valascia nicht einmal die Hälfte der Kapazität ausschöpfen können.
Ambri und Filippo Lombardi werden in der Valascia nicht einmal die Hälfte der Kapazität ausschöpfen können.
Foto: Alessandro Crinari (Keystone)

Die ZSC Lions sind insofern privilegiert, als es im Hallenstadion keine Stehplätze gibt und mit der künftigen Kapazität (7500) alle Saisonkarten-Besitzer berücksichtigt werden können. Doch auch sie rechnen mit fehlenden Einnahmen von rund 2 Millionen Franken.

«Im Moment basiert unser Handeln auf brutalen Zahlen, nicht auf Sentimentalitäten.»

Marc Lüthi, Geschäftsführer SC Bern

Stellvertretend für viele sagt deshalb Ambri-Präsident Lombardi: «Ohne öffentliche Unterstützung und eine Sparrunde bei den Löhnen wird es nicht möglich sein, dass alle Clubs überleben.» Für Marc Lüthi ist ein Lohnverzicht der Spieler ebenfalls unabdingbar. «Im Moment basiert unser Handeln auf brutalen Zahlen, nicht auf Sentimentalitäten. Sport ist wichtig, wir wollen unterhalten – aber nun steht die Existenzsicherung im Zentrum.»

Anpassungen im Hilfspaket

Zurzeit werden im Parlament die Bedingungen des Bundeskredits ein weiteres Mal diskutiert. Zur Erinnerung: Im Frühling wurden 150 Millionen Franken in zwei Tranchen fürs Eishockey gesprochen, die Darlehen allerdings an strenge Bedingungen geknüpft.

Nun hoffen einige Clubvertreter gar auf die Umwandlung der Kredite in direkte Subventionen. Das dürfte eine Utopie sein. Vielmehr stehen bei den Anpassungen des Hilfspakets drei Punkte zur Diskussion: Verzicht auf Solidarhaftung, Darlehen mit Rangrücktritt und eine längere Rückzahlungsfrist.