Kneubühl: «Sie fixierten mich auf dem Bett»

Der «Amokrentner von Biel» sitzt seit sieben Jahren in Haft. In einem Interview äussert Peter Hans Kneubühl schwere Vorwürfe gegen die Behörden.

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Peter Hans Kneubühl hat im Jahr 2010 als «Amokrentner von Biel» für Schlagzeilen gesorgt: Er verbarrikadierte sich in seinem Haus, schoss auf Einsatzkräfte und hielt die Polizei während seiner zehntägigen Flucht auf Trab. Das Gericht hat ihn als schuldunfähig eingestuft und ordneten eine stationäre Therapie an. Im Gefängnis hat er dem «Bieler Tagblatt» (Artikel ist kostenpflichtig) ein Interview gegeben.

«Ich bin in einer Einzelzelle, weil ich allein sein will», sagt er. «Jeden Tag kann ich eine Stunde in einem kleinen Innenhof auf dem Dach spazieren gehen.» Diese Zeit nutze er für Gespräche, sie seien der Höhepunkt des Tages. «Momentan bin ich der einzige Schweizer in der Gruppe.» Er versteht sich als Ratgeber und helfe den anderen, vor allem bei Sprachproblemen.

Zwei Deziliter Wasser pro Tag

Mehrmals ist Kneubühl in den Hungerstreik getreten. Er bezeichnet sich selbst jedoch nicht als «Selbstmordkandidaten». Sein Ziel: Er wollte zurück in das Regionalgefängnis Thun.

In der Justizvollzugsanstalt Thorberg hörte er das erste Mal auf zu essen. Während zwanzig Tagen trank er nur einen bis zwei Deziliter Wasser pro Tag. Die Betreuung während seines Hungerstreiks beschreibt Kneubühl als «relativ gut». «Man liess mich nicht einfach so verrecken.»

Als er zu schwach wurde, kam er ins Inselspital. Nach mehreren Tagen Behandlung wurde er in eine geschlossene Abteilung der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD), die Akutstation Etoine, verlegt.

«Sie hielten mich an Armen und Beinen»

Kneubühl erhebt schwere Vorwürfe: Das Amt für Justizvollzug (AJV) habe angeordnet, ihm zwangsweise Psychopharmaka zu verabreichen. «Sicherheitsleute packten mich, hielten mich an Armen und Beinen und fixierten mich auf dem Bett.» Ärzte hätten ihm eine Infusion gesteckt, um ihn mit den Medikamenten zu versorgen. Tatsächlich liegen der Zeitung Dokumente vor, in denen von einer «ärztlichen Behandlung ohne Zustimmung des Patienten» die Rede ist.

Das AJV will die Äusserungen nicht im Detail kommentieren. «Die im Interview gemachten Aussagen entsprechen den persönlichen Erinnerungen und Einschätzungen von Herrn Kneubühl, die sowohl vom AJV als auch von den UPD zur Kenntnis genommen wurden.» Wie das «Bieler Tagblatt» schreibt, ist die zwangsweise Verabreichung von Psychopharmaka unter Juristen umstritten.

Nach dem insgesamt dritten Hungerstreik befindet sich Peter Hans Kneubühl im Regionalgefängnis Thun. Er verweigert jegliche Therapie. Eine Freilassung ist deshalb bis auf Weiteres nicht in Sicht. (woz)

Erstellt: 24.10.2017, 13:15 Uhr

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