Adieu, Moutier – comme c’est dommage

Der Wechsel Moutiers zum Jura war nicht eine kühle Rechnung, sondern ein emotionaler Entscheid, kommentiert Patrick Feuz.

Ein Entscheid fürs Gemüt: Moutier wechselt den Kanton.

Ein Entscheid fürs Gemüt: Moutier wechselt den Kanton. Bild: Franziska Rothenbühler

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Das Städtchen Moutier will weg vom Kanton Bern – das ist zu akzeptieren. Der Trennungsentscheid ist der Schlusspunkt eines langwierigen Verfahrens, auf das Berner, Jurassier, ja gar alle Schweizer stolz sein können. Mit einer Kaskade von Volksabstimmungen auf verschiedenen Staatsebenen wurde der Jura-Konflikt im Lauf der Jahrzehnte schrittweise entschärft. Der Kantonswechsel Moutiers ist der letzte Abschnitt auf diesem demokratisch modellhaften Weg. Viele andere Länder schaffen es nicht, Streitereien zwischen Sprachgruppen und Kulturräumen vernünftig zu regeln.

Um Wurzeln, Sprache und Identität ging es bei der Moutier-Abstimmung. Wirtschaftlich wird es den Wegziehenden im Kanton Jura kaum besser gehen, womöglich sogar schlechter. Die Infrastruktur könnte leiden. Der Wechsel zum Jura war nicht eine kühle Rechnung, sondern ein Entscheid fürs Gemüt. Die Flucht in den Jura, zu den Gleichsprachigen, bietet emotionalen Halt in einer globalisierten Welt, die Grenzen und Identitäten unter Druck setzt. Wie haben doch die Separatisten geworben? «Le cœur a ses raisons.»

Moutiers Wechsel ist ein Brexit à la jurassienne. Er passt zum Megatrend der Renationalisierung. Wobei die Ironie unübersehbar ist: Die Loslösung des Juras von Bern 1978 und die Schaffung des eigenen Kantons waren ein progressives Projekt, ein Aufbruch, der die Schweiz durchschüttelte. Der ethnische Nationalismus der heutigen Separatisten hingegen zeugt von nostalgisch-wehmütiger Sehnsucht nach einer klaren kulturellen Identität, nach einem Ort der Verheissung.

Nüchtern betrachtet, bietet der Kanton Bern keinen Grund zum Wegzug. Er ist längst nicht mehr die arrogante Kolonialmacht, für die ihn die früheren Separatisten hielten. Bern ist vielfältig, offen, ein guter Ort zum Leben – auch wegen seiner Zweisprachigkeit, die durch Moutiers Wegzug nun geschwächt wird. Schade. Die sprachliche Mehrheit im Kanton Bern darf jetzt nicht trotzig reagieren: Wir müssen den Französischsprachigen im Kanton jetzt umso mehr zeigen, dass sie zu uns gehören. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.06.2017, 17:56 Uhr

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