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BLS soll nach Olten fahren, aber nicht nach Basel

Das Fernverkehrs-Monopol der SBB fällt. Die BLS soll neu die Regioexpress-Strecken Bern-Biel und Bern-Olten fahren.

Nur der SBB-Zug fährt nach Basel: Züge der BLS und der SBB beim Bahnhof Wankdorf. (Archiv)
Nur der SBB-Zug fährt nach Basel: Züge der BLS und der SBB beim Bahnhof Wankdorf. (Archiv)
Franziska Rothenbühler

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat heute bekannt gegeben, wie die Fernverkehrslinien in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren betrieben werden sollen. Dabei soll die SBB den «überwiegenden» Teil des Basis-Netzes abdecken. Die Berner BLS erhält die Konzession für die Strecken Bern-Biel und die Linie Bern-Burgdorf-Olten. Damit erhält erstmals eine zweite Bahngesellschaft neben der SBB Konzessionen für Fernverkehrslinien. Die neuen Konzessionen sollen ab Ende 2019 gelten.

Die BLS hatte unter anderem auch ein Gesuch eingereicht für die Strecken Brig-Basel und Interlaken - Basel. Diese Strecken fallen aber mit dem Vorschlag des BAV nicht in die Zuständigkeit der BLS. Es hätten Unsicherheiten bestanden bezüglich verfügbarem Rollmaterial der BLS und der vorhandenen Infrastruktur.

Im Raum Bern stünden grössere Projekte an, etwa der Ausbau in Bern-West, so BAV-Direktor Peter Füglistaler. Das BAV habe nicht das Risiko eingehen wollen, dass gewisse Strecke nicht befahren werde könnten. Bei einer nächsten Konzessionsvergabe in zehn Jahren könnten diese Unsicherheiten kleiner sein.

Wie an der Medienkonferenz der BLS heute morgen bekannt wurde, könnte die BLS die Intercity-Linien nach Basel und Interlaken erst zwei Jahre später als ursprünglich angekündigt in Betrieb nehmen. Die Strecke Basel-Brig würde sie ab 2025 statt 2023 befahren, die Strecke Basel-Interlaken erst 2024 statt 2022 – weil vorher das nötige Rollmaterial nicht zur Verfügung steht. Bei einer zehnjährigen Konzession, die 2029 abläuft, wäre dies zu spät, so Füglistaler.

«Mehrbahnen-Modell» führt zu Konkurrenz

Dass die BLS dennoch zwei Strecken bekommen soll, begründet Füglistaler mit dem «Mehrbahnen-Modell», welches zu Konkurrenz und bereits zu Verbesserungen geführt habe. «Dass die Fernverkehrszüge weiterhin begleitet werden, ist sicher auch eine Folge dieses Druckes».

Die Angebote auf den Strecken, welche nun die BLS erhalten soll, seien gleichwertig gewesen. «Wir hätten auch Argumente gebraucht, die Linien nicht der BLS zuschlagen zu wollen», so Füglistaler. Die BLS habe nun die Möglichkeit, sich zu bewähren.

Direkt von Bern nach Chur

Im weiteren wird die SOB im Auftrag der SBB die Linie Chur-Bern und die Gotthard-Bergstrecke betreiben. Damit erhält Bern neu eine Direktverbindung nach Chur. Die Linie Bern-Neuenburg-La Chaux-de-Fonds gilt neu als Fernverkehrslinie mit Begleitung durch Zugspersonal. Diese Linie, bisher von der BLS als Regionallinie betrieben, soll neu die SBB übernehmen.

Der Vorschlag des BAV geht nun in die Vernehmlassung bei Kantonen, Verkehrsverbünden und Transportunternehmen. Der definitive Entscheid soll Mitte Juni fallen.

BLS mit Ambitionen

Der – nun teilweise erfolgreiche – Angriff der BLS auf das Fernverkehrs-Monopol der SBB begann Anfangs 2017. Damals wurde bekannt, dass die BLS Ansprüche stellt auf Fernverkehrslinien, die Bern und das Berner Oberland direkt mit den Flughäfen Zürich und Basel sowie dem Jura verbinden sollen. Im Herbst 2017 wurde klar, dass sich die beiden Bahnen nicht auf eine Zusammenarbeit einigen wollen. Sowohl BLS als auch SBB reichten je ein Konzessionsgesuch ein.

Die SBB wollten die Konzession für den gesamten Fernverkehr behalten. Der Schweizer Fernverkehr sei eine eigentliche «S-Bahn-Schweiz», ein in sich geschlossenes System, das nicht für mehrere Anbieter geeignet sei. Zudem sprechen die SBB von Mehrkosten von 20 bis 30 Millionen Franken für Bund und Kantone sowie einen um 100 Millionen Franken tieferen eigenen Gewinn, sollte die BLS die gewünschten Fernverkehrslinien erhalten.

Für die Stadt Bern hat der Streit zwischen den Bahnen noch eine weitere Komponente. Eine Zusammenarbeit hätte – so zumindest die Argumentation der SBB – den Bau der BLS-Werkstätte im Chliforst überflüssig gemacht. Weil die BLS aber auf einer eigenen Konzession beharrte, war es nach Ansicht der SBB eine Zusammenarbeit nicht möglich, etwa mit gemeinsam genutzten Werkstätten in Biel.

Schliesslich kam im vergangenen Februar auch eine Arbeitsgruppe um den künftigen BLS-Verwaltungsrat Beat Antener zum Schluss, dass die Werkstätten in Biel für die BLS keine valide Option seien.

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