Kommt es in der SVP zum Anti-Markwalder-Coup?

Es knallt bei den Bürgerlichen im Berner Ständerats-Rennen: Adrian Amstutz (SVP) verweigert Christa Markwalder (FDP) die Unterstützung.

Am Sonntag reichte es noch nicht für das Ständeratsmandat: Christa Markwalder verfolgte die Auszählung der Resultate in Bern. Foto: Nicola Philipp.

Am Sonntag reichte es noch nicht für das Ständeratsmandat: Christa Markwalder verfolgte die Auszählung der Resultate in Bern. Foto: Nicola Philipp.

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Adrian Amstutz ist in der Berner SVP eine wichtige Figur: Bis zu den Wahlen war er Nationalrat, lange als Fraktionspräsident, auf nationaler Ebene leitete er den Wahlkampf der SVP. Nun stellt er sich gegen die Strategie der eigenen Kantonalpartei: Auf Facebook empfiehlt Amstutz, für den zweiten Wahlgang nur den SVP-Kandidaten Werner Salzmann zu wählen und die zweite Linie auf dem Wahlzettel – entgegen der Abmachung mit der FDP – leerzulassen.

Geschrieben hat er diesen Aufruf am Dienstagnachmittag, wie auf Facebook ersichtlich ist, also nachdem sich SVP und FDP über eine Doppelkandidatur einig wurden.

Es sei seine persönliche Haltung, dass wer Salzmann wählen wolle, einzig Salzmann aufschreiben dürfe, sagt Amstutz auf Anfrage. Dies folgere er aus vergangenen Ständeratswahlkämpfen – unter anderem seinem eigenen von 2011 und demjenigen von Albert Rösti 2015.

Dort sei die SVP in den zweiten Wahlgängen jeweils «ausgebootet» worden – weil die «anderen so genannt bürgerlichen Parteien» verdeckt die linken Kandidaten unterstützt hätten.


Der Post von Adrian Amstutz

Für seinen Aufruf, FDP-Kandidatin Christa Markwalder nicht zu unterstützen, erhält der ehemalige Nationalrat zumindest auf Facebook regen Zuspruch. Dort allerdings vor allem, weil Markwalder zu EU-freundlich empfunden wird.

«Ich kann niemanden daran hindern, mich zu unterstützen», sagt SVP-Kandidat und Kantonalpartei-Präsident Werner Salzmann zu Amstutz’ Aufruf. Er sei aber zuversichtlich, dass an der Delegiertenversammlung vom 30. Oktober neben ihm auch Christa Markwalder mitgetragen werde.

Markwalder irritiert, Grivel gelassen

Es sei kein Geheimnis, dass Adrian Amstutz und sie das Heu nie auf der gleichen Bühne gehabt hätten, sagt FDP-Kandidatin Christa Markwalder. Allerdings: «Zum jetzigen Zeitpunkt wäre Zurückhaltung gefordert.» Amstutz' Aufforderung sei dem bürgerlichen Ticket «sicher nicht dienlich». Die FDP habe sich zum Doppelticket verpflichtet. Das erwarte sie nun auch von der SVP. Schliesslich gehe es darum, eine Durchmarsch der Linken zu verhindern.

FDP-Parteipräsident Pierre-Yves Grivel dagegen gibt sich gelassen. Das sei die persönliche Meinung von Amstutz, sagt er. Die FDP sei weiterhin der Meinung, dass Salzmann und Markwalder gewählt werden sollen.

Adrian Amstutz Haltung sei nachvollziehbar, sagt Nationalrat Erich Hess. Die Doppelstrategie der Parteileitung sei zwar insofern richtig, weil man damit auch FDP-Wähler mobilisieren könne. Allerdings spreche Amstutz ein bekanntes Problem an. Vielfach habe die bürgerliche Zusammenarbeit zwischen SVP und FDP nicht wie abgemacht funktioniert. «FDP-Wähler haben in der Vergangenheit die SVP-Kandidaten oft gestrichen oder nicht aufgeschrieben.»

Sie könne die Haltung Amstuz’ nachvollziehen, sagt auch Nationalrätin Andrea Geissbühler. Die Erfahrung der mangelnden Unterstützung seitens der FDP habe man in der Vergangenheit öfters gemacht. Dennoch glaubt sie: «Die Zusammenarbeit mit der FDP ist wahrscheinlich der richtige Weg». Viele FDP-Wähler im Kanton Bern seien nicht so weit von der SVP-Linie entfernt und könnten sich durchaus hinter Salzmann stellen.

Sollte die Delegiertenversammlug der SVP in einem Coup gegen die Parteileitung dennoch beschliessen, nur Salzmann zu unterstützen, dürfte dies durchaus Gehör finden bei den SVP-Wählern. Im ersten Wahlgang zeigten sie nämlich die grösste Disziplin. So war Salzmann der Name, der am meisten allein auf dem Wahlzettel zu finden war – ganz gemäss der SVP-Empfehlung für den ersten Wahlgang.

Für grössere Ansicht auf die Grafik klicken.

Hier geht es zum Kommentar über die SVP-Provokation gegen die FDP: Das bürgerliche Drama nimmt seinen Lauf

Erstellt: 24.10.2019, 11:38 Uhr

EVP bechliesst Stimmfreigabe

Weder für das linke noch für das bürgerliche Päckchen liessen sich die Delegierten der EVP am Donnerstagabend an ihrer Versammlung begeistern. Aus diesem Grund teilte die Evangelische Volkspartei am Donnerstag mit, man werden für den zweiten Wahlgang um die Berner Ständeratssitze Stimmfreigabe beschliessen. Weder mit der Politik der linken Kandidierenden Hans Stöckli (SP) und Regula Rytz (Grüne) noch mit der von Werner Salzmann (SVP) und Christa Markwalder (FDP) sei man einverstanden, teilt die Präsidentin der EVP, Christine Schnegg, mit. Am Sonntag, 17. November, findet der zweite Wahlgang statt. In den Ständerat gewählt sind die zwei Personen, die im zweiten Wahlgang am meisten Stimmen erhalten (relatives Mehr). (lok)

St. Gallen: FDP und SVP gegen SP-Rechsteiner

Im Kanton St. Gallen haben sich FDP und SVP für den zweiten Wahlgang in den Ständerat auf eine Kandidatur von Nationalrat Roland Rino Büchel (SVP) geeinigt. Nationalrat Marcel Dobler von der FDP verzichtet.

Damit kommt es im Kanton St. Gallen wohl zu einem Dreikampf um die beiden Ständeratssitze. Bisher treten Benedikt Würth (CVP), Paul Rechsteiner (SP) und Roland Rino Büchel an. Anmeldeschluss ist allerdings erst am Freitagmittag.

Büchel tritt in erster Linie gegen Paul Rechsteiner an. Niemand wolle glauben, wie links Rechsteiner wirklich stehe. «Das ist die Kategorie Wermuth oder Molina», sagte Büchel.

An der Medienorientierung wurde auch bekanntgegeben, dass die FDP-Leitung den SVP-Kandidaten offiziell unterstützen wird. Marcel Dobler erklärte, dass er zugunsten der ungeteilten bürgerlichen Standesstimme im Ständerat auf den zweiten Wahlgang verzichte. Am Sonntag war er bereits als Nationalrat wiedergewählt worden.

Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang sieht so aus: Roland Rino Büchel hatte mit 45'941 Stimmen den dritten Platz erreicht. Er lag damit 18'136 Stimmen hinter dem zweitplatzierten bisherigen Ständerat Paul Rechsteiner (SP). Weitere knapp 15'000 Stimmen hinter Büchel hatte sich Marcel Dobler platziert. Am meisten Zuspruch erhielt Benedikt Würth von der CVP mit 70'594 Stimmen. Würth blieb nur 505 Stimmen unter dem absoluten Mehr.

Ihren Verzicht auf den zweiten Wahlgang erklärt haben die Grüne Franziska Ryser, die in den Nationalrat gewählt wurde, die Grünliberalen sowie die BDP. Der zweite Wahlgang findet im Kanton St. Gallen am 17. November statt. (sda)

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