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Ticker zur ersten FernsehdebatteBiden zu Trump: «Sie sind der schlimmste Präsident»

Donald Trump und Joe Biden haben das erste TV-Duell bestritten. Es war ein chaotischer Schlagabtausch mit Ausfälligkeiten. Eine Blitzumfrage sieht einen knappen Sieger. Die Nacht im Rückblick.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das erste TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden war über weite Strecken eine heftige und chaotische Debatte.
  • Im Zentrum standen die Corona-Krise, das Gesundheitswesen, die Zukunft des Supreme Court und die Auswirkungen des Falls George Floyd.
  • Immer wieder fiel Trump Biden ins Wort, dieser verlor irgendwann die Geduld: «Kannst du mal den Mund halten, Mann», fuhr der Demokrat den Republikaner an.

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So chaotisch war das TV-Duell zwischen Trump und Biden
In Cleveland (Ohio) standen sich in der Nacht auf Mittwoch die beiden Bewerber Donald Trump und Joe Biden um die US-Präsidentschaft gegenüber. Es war ein heftiges Wortgefecht. (Video: 20 Minuten)

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Zusammenfassung des TV-Duells

In der ersten Debatte des diesjährigen Präsidentschaftswahlkampfs haben sich Donald Trump und Joe Biden heftig attackiert. Angesichts von mehr als 200'000 Corona-Toten in den USA warf der Demokrat Biden dem republikanischen Amtsinhaber vor, dem Kampf gegen die Pandemie nicht gewachsen zu sein. Trump habe schon im Februar um die Gefahr durch Covid-19 Bescheid gewusst, aber nichts gemacht. «Und er hat noch immer keinen Plan.» Insgesamt stellte er dem Präsidenten ein verheerendes Zeugnis seiner Regierungszeit aus: «Sie sind der schlimmste Präsident, den Amerika je hatte», sagte Biden in Richtung Trump. Der Präsident konterte, er habe einen «grossartigen Job» gemacht, auch in der Corona-Krise, dies wollten ihm die «verlogenen Medien» aber nicht zugestehen. Er habe in 47 Monaten mehr für die USA geleistet als Biden in 47 Jahren, sagte Trump.

«Kannst du mal den Mund halten, Mann»: Joe Biden zu Donald Trump.
«Kannst du mal den Mund halten, Mann»: Joe Biden zu Donald Trump.
Foto: Keystone

Gleich zu Beginn des auf 90 Minuten angesetzten Wortgefechts beharrte Trump darauf, den durch den Tod der Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg freigewordenen Posten am Supreme Court noch vor der Wahl am 3. November neu zu besetzen. «Wir haben die Wahl gewonnen und deswegen haben wir das Recht, sie auszuwählen», erklärte der Präsident. Er sei auf vier und nicht auf drei Jahre gewählt worden. Herausforderer Biden forderte hingegen, mit der Besetzung der Richterstelle bis Februar 2021 zu warten, «weil wir mitten in einer Wahl sind, die bereits begonnen hat».

Beide Kandidaten stritten zudem über Themen, die schon bald dem Supreme Court zur Entscheidung vorgelegt werden könnten. Trump warf Biden vor, seine Partei strebe eine sozialistische Gesundheitsversicherung an. Mit Blick auf die von Ex-Präsident Barack Obama eingeführte Gesundheitsversorgung sagte Trump: «Obamacare ist eine Katastrophe, das ist zu teuer.» Biden konterte mit einer Frontalattacke gegen Trump, warf ihm Lügen vor und sagte, Trump sei keine Hilfe für die vielen Menschen, die auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung angewiesen seien.

«Wir glauben an Recht und Ordnung. Und du tust dies nicht»: Donald Trump zu Joe Biden.
«Wir glauben an Recht und Ordnung. Und du tust dies nicht»: Donald Trump zu Joe Biden.
Foto: Keystone

Biden hielt Trump im Weiteren vor, er habe nach dem Tod von George Floyd infolge eines brutalen Polizeieinsatz versucht, «rassistischen Hass zu erzeugen». Trump reagierte mit der Anschuldigung, Biden habe die Black Community, die Gemeinschaft der Schwarzen in den USA, schlechter behandelt als jeder andere. Zu den teilweise gewaltsamen Unruhen im Anschluss an den Tod von Floyd in Minneapolis sagte Trump, die Regierung habe dort wieder für Ruhe gesorgt, «weil wir an Recht und Ordnung glauben. Und du tust dies nicht, Joe».

Immer wieder fiel Trump seinem Gegner während des TV-Duells ins Wort, was diesen irgendwann die Geduld verlieren liess: «Kannst du mal den Mund halten, Mann», fuhr der Demokrat den Republikaner an. An anderer Stelle sagte er: «Es ist schwer, bei diesem Clown überhaupt zu Wort zu kommen.» Auch mit Moderator Chris Wallace geriet Trump wegen seiner Einwürfe aneinander. «Ich bin der Moderator der Debatte, und ich möchte, dass Sie mir erlauben, meine Frage zu stellen», sagte Wallace an den Präsidenten gerichtet. Trump entgegnete: «Ich schätze, ich debattiere mit Ihnen, nicht mit ihm. Aber das ist okay, ich bin nicht überrascht.»

CBS-Blitzumfrage nach dem Duell

Die erste Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat eine grosse Mehrheit der Amerikaner vor allem als anstrengend empfunden. In einer Blitzumfrage des Senders CBS sah eine knappe Mehrheit den demokratischen Herausforderer Joe Bilden als Sieger im Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump.

Befragt nach ihrem überwiegenden Gefühl beim Anschauen der Debatte antworteten in der CBS-Blitzumfrage mehr als zwei Drittel (69 Prozent), die Diskussion habe sie vor allem verärgert. Nur 31 Prozent fühlten sich davon unterhalten. In der Umfrage mit mehreren Antwortmöglichkeiten gaben zudem 19 Prozent an, sie seien nach der Sendung pessimistisch. Lediglich 17 Prozent erklärten, die Debatte sei für sie informativ gewesen.

Den Ton der Diskussion, bei der vor allem der republikanische Amtsinhaber Trump seinem Herausforderer wiederholt ins Wort fiel, empfanden 83 Prozent der Befragten als negativ, nur 17 Prozent als positiv.

Auf die Frage, wer die Debatte gewonnen hat, nannten 48 Prozent Biden und 41 Prozent Trump. Rund zehn Prozent bewerteten den Ausgang als unentschieden.

Das Duell in voller Länge im Video
Ende des Showdowns

Nach rund 90 Minuten ist das erste TV-Duell zu Ende. Die Debatte verlief weitgehend chaotisch, weil etwa Trump immer wieder seinen Herausforderer unterbrach. Auch persönliche Angriffe gehörten zum Schlagabtausch, der in Cleveland, Ohio, stattfand.

Im Präsidentschaftswahlkampf gibt es insgesamt drei TV-Debatten zwischen Trump und Biden. Das zweite Streitgespräch ist für den 15. Oktober (16. Oktober, 3 Uhr MESZ) in Miami im Bundesstaat Florida geplant. Die letzte TV-Debatte vor der Wahl soll am 22. Oktober (23. Oktober, 3 Uhr MESZ) in Nashville (Tennessee) stattfinden.

Streit um Briefwahl

Gegen Ende des ersten TV-Duells zwischen Trump und Biden geht es um die Sicherheit der Wahlen. Trump wiederholt seine Aussage, dass es bei der Briefwahl zu Betrug kommen werde. «Ich hoffe, dass es eine faire Wahl sein wird», sagt Trump. «Aber dann werden Tausende von Stimmzetteln manipuliert. Das kann ich nicht akzeptieren.»

Briefwahlen laufen korrekt ab: Joe Biden.
Briefwahlen laufen korrekt ab: Joe Biden.
Foto: Keystone

Biden ruft die Amerikaner dazu auf, so zu wählen, «wie es euch am besten passt», ob per Briefwahl oder direkt an der Wahlurne. Trump versuche, die Bürger von der Stimmabgabe abzuhalten. Daher sage er selbst: «Kommt und wählt, wählt, wählt!» Er werde jedenfalls jedes Ergebnis akzeptieren, ob er die Wahl nun gewinnen oder verlieren werde, sagt Biden.

Auf die Frage von Moderator Chris Wallace, ob die Kandidaten nach der Wahl auf ihre Anhänger einwirken wollten, um mögliche Unruhen zu verhindern, antwortet Trump, er werde seine Anhänger dazu aufrufen, die Auszählung der Stimmen genau zu beobachten. Solche «Poll Watchers» seien «eine sehr sichere, eine gute Sache».

«Verheerende Regierungsbilanz»

Trump und Biden liefern sich über weite Strecken der TV-Debatte einen heftigen Schlagabtausch, wobei es auch zu Ausfälligkeiten kommt. Der US-Präsident fällt seinem Herausforderer immer wieder ins Wort. «Es ist schwer, bei diesem Clown überhaupt zu Wort zu kommen», sagt Biden. Der Demokrat bescheinigt dem Präsidenten eine verheerende Regierungsbilanz. «Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte.» Trump mache die USA nur schwächer, kränker und gespaltener.

Trump sei ein Rassist, sagt Biden

Ein weiteres Thema des TV-Duells sind die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus sowie die Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen. Trump gibt sich als konsequenter Verfechter von «Law and Order». Im Weiteren erklärt er, dass er mehr für die afroamerikanische Bevölkerung gemacht habe als jeder andere Präsident. Biden widerspricht vehement. Trump sei vielmehr ein Rassist. Der Kandidat der Demokraten hält Trump vor, er habe nach dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai versucht, «rassistischen Hass zu erzeugen».

Er sieht sich als Verfechter von «Law and Order»: Donald Trump.
Er sieht sich als Verfechter von «Law and Order»: Donald Trump.
Foto: Keystone

Trump weigert sich, Rechtsradikale und bewaffnete rechte Gruppen eindeutig zu verurteilen. «Fast alles, was ich sehe, ist vom linken Rand, nicht vom rechten Rand.» Auf Drängen von Morderator Wallace sagt Trump, diese Gruppen sollten sich zurückhalten. Er distanziert sich aber nicht direkt von ihnen, sondern greift die linke Antifa an.

«Trump ist Putins Welpe»

Thema der TV-Debatte ist auch Russland, das sich eine zweite Amtszeit Trumps erhofft. Biden beschuldigt Trump, Kreml-Chef Wladimir Putin nicht die Stirn zu bieten. «Er ist Putins Welpe», sagt Biden. Trump weigere sich immer noch, sich zu den angeblichen Kopfgeldern Russlands auf US-Soldaten in Afghanistan zu äussern. US-Medien hatten von entsprechenden Kopfgeldern berichtet.

Reaktionen auf Twitter

In den sozialen Medien wird das TV-Duell zwischen Trump und Biden rege kommentiert. Der ehemalige CIA-Direktor John O. Brennan (2013-2017) zieht ein vernichtendes Fazit über den Präsidenten. Auf Twitter bezeichnet er Trump als «verachtenswerten, ignoranten Idioten».

Zu Wort meldet sich auch Mary L. Trump, die Nichte des Präsidenten, die kürzlich ein Enthüllungsbuch («Too Much and Never Enough: How My Family Created the World’s Most Dangerous Man») veröffentlicht hat. Sie macht klar, dass ihr Onkel ein Lügner ist.

Laura Ingraham, Moderatorin des Trump-freundlichen Senders Fox News, meint, dass Biden keine Antworten liefern wird. «Weil er weiss, dass seine radikalen Pläne unpopulär sind.»

Trump lobt seine Wirtschaftspolitik

Als der Zustand der US-Wirtschaft thematisiert wird, lobt Trump sich selber. Er habe so viele Jobs geschaffen wie kein anderer Präsident in der Geschichte der USA. In seiner Replik wendet sich Biden direkt an die Wählerinnen und Wähler. In der Corona-Krise sei es Millionären und Milliardären wie Trump gut ergangen, «aber Ihr Leute zuhause, wie geht es Euch?». Trump wiederholt seine Darstellung, dass er die beste Wirtschaft in der Geschichte des Landes aufgebaut habe, bevor das Coronavirus sie weitgehend zum Stillstand gebracht habe. Jetzt baue er sie wieder auf. Biden entgegnet: «Man kann die Wirtschaft nicht in Ordnung bringen, bevor man die Corona-Krise löst.»

Die 750-Dollar-Steuer-Frage

Zur Sprache kommt auch der Enthüllungsbericht der «New York Times» über die Finanzen von Trump. Moderator Wallace stellt eine zentrale Frage an den Präsidenten: «Stimmt es, dass Sie in den Jahren 2016 und 2017 nur 750 Dollar an Steuern bezahlt haben?» Trump antwortet ausweichend: «Ich habe Millionen an Steuern gezahlt.» Trump sagt aber auch: «Ich möchte keine Steuern zahlen.»

«Trump hat keinen Plan gegen Corona»

Biden geht Trump frontal an. Der Präsident trage die Verantwortung für über 200'000 Corona-Tote und sieben Millionen von Infizierten in den USA. Trump habe früh über die Gefahren von Corona gewusst. «Aber Trump hat gewartet und gewartet und gewartet. Und er hat bis heute keinen Plan», sagt Biden. Trump stellt das alles anders dar. Seine Regierung habe einen sehr guten Job gemacht und noch höhere Opferzahlen verhindert. Dies wollten ihm die «verlogenen Medien» allerdings nicht zugestehen. Zudem werde bald ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen, sagt Trump. Den Optimismus über den baldigen Impfstoff teilt Biden gar nicht. Das werde noch lange gehen.

Gegenseitige Vorwürfe: Donald Trump und Joe Biden.
Gegenseitige Vorwürfe: Donald Trump und Joe Biden.
Foto: Keystone

Zum Thema Corona decken Trump und Biden einander mit Vorwürfen ein. Dabei streiten sie auch über den Nutzen des Maskentragens. Trump macht sich erneut lustig darüber, dass Biden wegen der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit stets eine Maske trägt.

Schlagabtausch um Obamacare

Laut Biden sind «die Frauenrechte und Obamacare in Gefahr», wenn Amy Coney Barrett neue Richterin am Supreme Court wird. Trump lässt die Argumente von Biden nicht gelten. Sein Gegner wolle eine sozialistische Gesundheitsversorgung, behauptet Trump. Und weiter: «Obamacare ist eine Katastrophe, das ist zu teuer.»

Biden kontert entschieden. Trump wolle den Krankenversicherungsschutz für 20 Millionen Amerikaner abschaffen. Er wirft ihm Lügen vor und sagt, Trump sei keine Hilfe für die vielen Menschen, die auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung angewiesen seien. Das sei rücksichtslos, vor allem angesichts der laufenden Corona-Krise mit sehr vielen Kranken. Die Pandemie ist das nächste Thema des TV-Duells.

Das TV-Duell beginnt

Moderator Chris Wallace eröffnet die TV-Debatte. Er erklärt den Ablauf des Duells. Es geht um sechs Themen à je 15 Minuten. Das erste Thema ist der Supreme Court und Richterin Amy Coney Barrett, die auf Ruth Bader Ginsburg folgen soll. In seiner ersten Stellungnahme kritisiert Biden, dass die Neubesetzung für das Oberste Gericht schon vor der Wahlen erfolgen soll. Er fordert hingegen, mit der Besetzung der Stelle bis Februar 2021 zu warten, «weil wir mitten in einer Wahl sind, die bereits begonnen hat».

Trump lobt seine Kandidatin für den Supreme Court in den höchsten Tönen. Weiter sagt der Präsident zu seiner Nominierung der konservativen Richterin: «Wir haben die Wahl gewonnen und deswegen haben wir das Recht, sie auszuwählen.»

Bald gehts los

Um 3 Uhr (MESZ) beginnt das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden. Als Themen für das Streitgespräch wurden unter anderem die Corona-Krise, die Sicherheit der Wahl und die Lage der US-Wirtschaft festgelegt. Zur Sprache kommen dürften aber auch die jüngsten Enthüllungen der «New York Times» zu Trumps Finanzen.

Rivalen treffen in Cleveland ein

Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden sind in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio angekommen. Dabei war Mister President in Beisein seiner Gattin Melania.

Am Flughafen von Cleveland angekommen: Melania und Donald Trump.
Am Flughafen von Cleveland angekommen: Melania und Donald Trump.
Foto: Keystone

Vor der mit Spannung erwarteten Debatte schrieb Biden am Dienstag auf Twitter: «Sie verdienen einen Präsidenten, der Ihnen die Wahrheit sagt.» Dazu veröffentlichte er ein kurzes Video, in dem dem republikanischen Amtsinhaber Trump Lügen vorgeworfen werden.

Streit um Ohren-Inspektion

Vor der ersten Debatte vor der Präsidentschaftswahl ist ein Streit um angebliche elektronische Ohrstecker der Kandidaten und andere Verfahrensfragen entbrannt. Das Wahlkampfteam von Amtsinhaber Donald Trump warf dem Team von Herausforderer Joe Biden am Dienstag vor, einer Ohren-Inspektion zunächst zugestimmt, am Dienstag aber einen Rückzieher gemacht zu haben. Das Trump-Team schürte damit den Verdacht, Biden lasse sich Antworten von seinen Mitarbeitern einflüstern, wofür es keine Belege gibt.

Trumps Team teilte auch mit, Biden habe es abgelehnt, sich vor der Debatte auf Medikamente testen zu lassen. Trump hat mehrfach den Verdacht geäussert, dass Biden Fragen nicht spontan selber beantwortet und dass sein Verhalten bei öffentlichen Auftritten auf den Konsum leistungssteigernder Substanzen hinweise. Belege dafür hat der republikanische US-Präsident nicht vorgelegt.

Der Präsident, wie er leibt und lebt: Donald Trump bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen.
Der Präsident, wie er leibt und lebt: Donald Trump bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen.
Foto: Keystone

Ein Biden-Sprecher hatte zu dem von Trump geforderten Medikamententest bereits vor wenigen Tagen erklärt: «Wenn der Präsident denkt, dass er seine Argumente am besten mit Urin vorbringen kann, braucht er sich keinen Zwang anzutun.» Biden selber reagierte am Dienstag mit Humor. «Es ist der Abend der Debatte, also halte ich meine Ohrhörer und Leistungssteigerer bereit», schrieb er auf Twitter. Daneben stellte er ein Foto mit einem iPhone-Kopfhörer und einem Becher Eis. Biden ist ein erklärter Fan von Eiscreme.

Trumps Wahlkampfteam teilte am Dienstag auch mit, Bidens Mitarbeiter hätten um mehrere Pausen während der 90-minütigen Debatte gebeten, «die Präsident Trump nicht benötigt, weswegen wir dieses Ersuchen abgelehnt haben». Trump (74) hat mehrfach den Geisteszustand seines 77-jährigen Herausforderers in Frage gestellt, den er als «Sleepy Joe» (schläfrigen Joe) bezeichnet.

Biden veröffentlicht Steuererklärung

Wenige Stunden vor dem ersten TV-Duell im US-Präsidialwahlkampf hat der demokratische Herausforderer Joe Biden die Kontroverse über die Finanzen von Amtsinhaber Donald Trump befeuert. Biden und seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Kamala Harris, veröffentlichten am Dienstag ihre Steuererklärungen für 2019. Das Wahlkampf-Team der Demokraten forderte Trump auf, mit der eigenen Erklärung nachzuziehen. Der Republikaner hält entgegen den Geflogenheiten in der US-Politik seine Unterlagen seit Jahren unter Verschluss. Zuletzt war das Thema in den Vordergrund des Wahlkampfs gerückt, nachdem die Zeitung «New York Times» berichtet hatte, Trump habe in den vergangenen Jahren kaum oder keine Bundessteuern gezahlt.

Aus der Erklärung von Joe Biden und seiner Ehefrau Jill geht hervor, dass sie für das vergangene Jahr mehr als 346'000 Dollar an Steuern und andere Zahlungen an den Bund abgeführt haben. Das gemeinsame Jahreseinkommen betrug demnach fast 985.000 Dollar. Die Bidens beantragten eine Rückzahlung von fast 47'000 Dollar, die sie nach ihrer Darstellung zu viel bezahlt hätten. Trump zahlte nach Darstellung der «New York Times» in zehn der 15 Jahre bis 2017 gar keine Bundessteuern. Seine entsprechende Last in den Jahren 2016 und 2017 habe jeweils 750 Dollar betragen. Trump hat die Darstellung zurückgewiesen und erklärt, er habe «viele Millionen Dollar an Steuern» gezahlt. In den USA werden Bundes- und Landessteuern getrennt erhoben.

Die Biden-Seite veröffentlichte am Dienstag auch die Steuererklärung seiner Kandidatin für das Vizepräsidentenamt, Kamala Harris. Demnach kamen Harris und ihr Ehemann Doug Emhoff, ein Anwalt, 2019 vor Abzügen auf ein Gesamteinkommen von knapp 3,3 Millionen Dollar, worauf Steuern von knapp 1,2 Millionen Dollar fällig wurden.

Legendäre TV-Duelle der US-Geschichte

Nixons Schweiss, Fords Aussetzer, Reagans Witz, Trumps Angriff: Die TV-Debatten im US-Präsidentschaftswahlkampf haben immer wieder denkwürdige Momente geliefert. Ein Blick zurück mit Videos. Lesen Sie zum Thema auch den Artikel «Biden ist ein Boxer, Trump ein Wrestler», der auf die Geschichte der Wahlkampf-Duelle in den USA eingeht.

Trump-Biden-Debatte mit sechs Themen

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist die Zeit der mit Spannung erwarteten TV-Debatten gekommen. Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden treffen heute Nacht (3 Uhr, MESZ) in der Stadt Cleveland aufeinander. Die sechs Themen wurden bereits vor einer Woche festgelegt. Der Bericht der «New York Times» über die Finanzen von Trump, der aktuell die Gemüter erhitzt, dürfte es also eher auf Umwegen in das rund 90-minütige TV-Duell schaffen.

Allerdings könnte zumindest ein Thema Biden die gute Gelegenheit bieten, Trump nach seinen niedrigen Steuerzahlungen und angeblichen Schulden von 421 Millionen Dollar zu fragen. Weiterer aktueller Punkt: die Neubesetzung am Obersten Gericht. Trump hat die konservative Juristin Amy Coney Barrett als Nachfolgerin der verstorbenen Liberalen-Ikone Ruth Bader Ginsburg nominiert. Biden fordert, dass erst der Sieger der Präsidentenwahl am 3. November den Posten besetzen soll.

Moderiert wird die Debatte vom Fernsehjournalisten Chris Wallace. Der 72-Jährige steht aktuell für den Trump-freundlichen Sender Fox News vor der Kamera, war aber zuvor lange bei NBC und ABC im Einsatz. Sein Ziel sei, so «unsichtbar wie möglich zu sein», sagt Wallace. Er wolle die Kandidaten dazu bringen, über die zentralen Themen zu diskutieren – «damit die Leute zuhause ein Gefühl dafür bekommen, warum sie für einen von ihnen stimmen wollen».

«Er weiss nicht, wie man über Fakten debattiert»: Joe Biden über Donald Trump.
«Er weiss nicht, wie man über Fakten debattiert»: Joe Biden über Donald Trump.
Foto: Keystone

Weitere Themen sind die Corona-Krise, die Sicherheit der Wahlen, die Lage der US-Wirtschaft und die Ausschreitungen in Städten am Rande von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Ihre Botschaften dazu haben beide Kandidaten in den vergangenen Wochen bereits oft verbreitet. Spannender dürfte werden, wie beide in dem TV-Duell miteinander umgehen. Trump nannte Biden oft «schläfriger Joe». Er behauptete, dass der 77-Jährige schon zu besten Zeiten nicht besonders schlau gewesen sei und sorgte für Lacher bei seinen Fans mit dem Spruch: «Er weiss gar nicht, dass er lebendig ist.»

Doch nach Medienberichten vermuten einige in Trumps Wahlkampfteam, dass der 74-jährige Präsident seinem Gegenspieler damit einen Gefallen getan hat. Er legte die Planke so tief, dass Biden die Trump-Anhänger schon mit minimalen Anstrengungen übertreffen kann. Trump ruderte in den vergangenen Tagen zurück: Biden sei ein Profi, das seit Jahrzehnten in Debatten erprobt sei («Im Senat tun sie nichts anderes.») Er dagegen habe eher wenig Erfahrung mit so etwas.

Schlagabtausch vor der Debatte

Bei einer Art Fernduell vor zwei Wochen – Fragestunden, bei denen sich die Kandidaten Fragen von Wählern stellten – machte Biden eine solidere Figur. Er legte mehr Empathie an den Tag und ging konkreter auf die einzelnen Fragen ein – während Trump über weite Abschnitte seine bekannten Positionen abspulte. Seine grössere Stärke in den Duellen mit Hillary Clinton vor vier Jahren war allerdings auch eher die Kunst, einen frechen schlagfertigen Kommentar einzuwerfen.

Patriotismus ist Pflicht: Aufbau der Bühne des Rededuells in Cleveland.
Patriotismus ist Pflicht: Aufbau der Bühne des Rededuells in Cleveland.
Foto: Keystone

Wie intensiv sich die Kandidaten auf die Debatte vorbereiten, blieb unklar. Die Website «The Hill» berichtete, dass Biden Wortgefechte mit seinem früheren Stabschef Ron Klain in der Rolle Trumps durchspiele. Trump liess durchblicken, dass er eher allgemein über Antworten zu den Themen mit seinen Beratern spreche.

Den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch gab es auch schon in den Tagen vor dem Duell. «Er weiss nicht, wie man über Fakten debattiert, er ist nicht so smart», sagte Biden über Trump. Der Präsident forderte mehrfach einen Medikamententest der Kandidaten - weil Bidens Verhalten angeblich auf leistungssteigernde Substanzen hinweise. Eine Wahlkampfmanagerin von Biden stichelte schliesslich zurück: «Wenn der Präsident denkt, dass er seine Argumente am besten mit Urin vorbringen kann, braucht er sich keinen Zwang anzutun.» (sda)

87 Kommentare
    Helga Andersen

    Hoffen wir das Biden nicht schlimmer wird sollte er gewinnen. Farbloser ist er alle weil.