Warum im Herbst der Wind kommt

Jörg Kachelmann erklärt, weshalb mit den kürzeren Tagen auch die ersten Stürme kommen – und sagt, warum die kommende Woche spannend wird.

Kalter Norden, warmer Süden: Die ersten Herbststürme stehen bevor. Foto: Keystone

Kalter Norden, warmer Süden: Die ersten Herbststürme stehen bevor. Foto: Keystone

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Wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden, ist es im Idealfall Zeit für die ersten Herbststürme – die ersten Versuche stehen bevor.

Um Weststürme bei uns zu bekommen, brauchen wir zügige Westwinde in der Höhe – und um die zu bekommen, brauchen wir möglichst grosse Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd. Kalter Norden, warmer Süden. Es ist kein Zufall, dass ein erstes kräftiges Sturmtief in den Norden Mitteleuropas zieht an einem Tag, an dem es in Nordeuropa kälter, ums Mittelmeer wärmer als im Durchschnitt ist:

Das erste Sturmtief schwächt sich schon über Finnland ab, das nächste lauert schon westlich von Irland:

Die Schwierigkeit bei solch zügigen Lagen ist die Vorhersage der genauen Position des Tiefs mehrere Tage im Voraus. Entsprechend gibt es immer noch grössere Unsicherheiten – das erste Tief für Montag ist im Moment noch gar nicht sichtbar, weil alles so schnell geht.

Zusätzliche Schwierigkeit: Bei uns kommen diese Tiefs vom Atlantik, und da gibt es weniger Wetterstationen als über dem Land, die uns während des Tiefs begleiten könnten. Als komplizierendes Element kommen im Herbst zudem oft Hurrikane ins Gesamtkunstwerk dazu. Mitte kommender Woche erwischt beispielsweise «Lorenzo» die Azoren in Portugal – die ja eigentlich schulbuchmässig ein Hoch verdient hätten:

Auf den Bergen der Inseln werden Windgeschwindigkeiten bis zu 270 km/h erwartet:

Wellenhöhen von bis zu 20 Meter Höhe können katastrophale Auswirkungen haben, falls sich der Hurrikan an die Zugbahn hält:

Das ist aber alles andere als sicher. Hier sehen Sie die Unsicherheiten in der Zugbahn:

Grafik vergrössern durch Klick, Update alle 12 Stunden hier.

Sogenannte Ensemble-Vorhersagen reflektieren die Unsicherheit eine Modellprognose, wenn es weiter in die Zukunft geht. Man variiert dabei die Ausgangsbedingungen der Modellvorhersage ganz leicht und erhält dann über 50 verschiedene Ergebnisse – je ähnlicher sie sich sind, desto sicherer ist die Vorhersage.

Betrachtet man die Ensemble-Vorhersage für Ponta Delgada in den Azoren, sieht man, dass Mitte der Woche Volltreffer durch Lorenzo denkbar sind, die Mehrheit der Lösungen aber schwächere Szenarien bevorzugt:

Windböen Ponta Delgada, Portugal

Ähnlich (aber lange nicht so schlimm) sieht es für Zürich, Bern und Basel aus. Hier sind die stürmischen Tage schon sicherer definiert, weil es nicht wie bei einem Hurrikan auf nur 100 km Distanz zwischen 250 und 50 km/h Wind gibt.

Windböen Zürich

Windböen Bern

Windböen Basel

So oder so: Es wird eine spannende Woche. Falls Sie diesen Beitrag als Tourist auf den Azoren lesen, verlassen Sie diese rechtzeitig oder haben Sie einen Plan, wo Sie überleben.

Erstellt: 27.09.2019, 11:55 Uhr

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