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Starterlaubnis für KrisenjetBoeing 737 Max darf in den USA wieder abheben

Der Krisenjet erhält in den USA die Starterlaubnis zurück. Auch in Europa könnte es nach mehr als eineinhalb Jahren bald so weit sein.

Eine geparkte Boeing 737 Max in Renton im US-Bundesstaat Washington. (13. November 2020)
Eine geparkte Boeing 737 Max in Renton im US-Bundesstaat Washington. (13. November 2020)
Foto: David Ryder (Getty Images)

Nach zwei Abstürzen mit Hunderten Toten hatten die Behörden den Unglücksjet 737 Max von Boeing aus dem Verkehr gezogen. Nun hat der Flugzeugbauer die Starterlaubnis zurück.

Das Startverbot für Boeings Unglücksflieger 737 Max ist nach mehr als anderthalb Jahren aufgehoben worden. Voraussetzung dafür ist unter anderem die Installation einer neuen Steuerungssoftware an den Flugzeugen, wie die US-Flugaufsicht FAA am Mittwoch in Washington mitteilte. Der Krisenjet war im März 2019 im Zuge zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden. Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm. Boeing hatte die Probleme eigentlich bereits nach dem ersten Absturz beheben wollen. Doch es traten wiederholt weitere Mängel auf, sodass es letztlich rund 20 Monate dauerte, bis die FAA das Flugverbot für die 737 Max aufhob.

Europa hat Zustimmung bereits signalisiert

Europas Luftfahrtbehörde EASA hatte bereits Mitte Oktober erklärt, dass die 737 Max wieder ausreichend sicher sei und damit ihre Zustimmung zu einer Wiederzulassung signalisiert. Experten rechnen damit, dass die europäischen und andere internationale Aufsichtsbehörden nach der FAA-Entscheidung ebenfalls zügig grünes Licht geben werden. Schweizer Airlines sind dadurch nicht direkt betroffen, da keine von ihnen Maschinen der 737 Max in ihrer Flotte führt. Allerdings flogen diverse ausländische Airlines die Schweiz mit dem Typ von aussen an, bevor ihnen der Betrieb verboten wurde.

Neben der EASA hatten Kanadas und Brasiliens Aufseher bereits bei Teilen des Wiederzulassungsverfahrens mit der FAA kooperiert. Bis die 737 Max wieder voll in den Betrieb starten kann, dürfte es trotzdem noch etwas dauern. Zunächst müssen die letzten Wartungsarbeiten und Piloten-Trainings abgeschlossen werden.

Das 737-Max-Desaster hat Boeing auch finanziell stark unter Druck gebracht. Der Airbus-Erzrivale konnte die 737 Max – sein bis zu den Abstürzen bestverkauftes Modell – wegen der Flugverbote seit Frühjahr 2019 nicht mehr an Kunden ausliefern. Zahlreiche Aufträge wurden storniert, Boeing entstanden etliche Milliarden an Sonderkosten. In den drei Monaten bis Ende September fiel bereits der vierte Quartalsverlust in Folge an. Der Konzern reagiert auf die klamme Finanzlage mit drastischen Sparmassnahmen und will seine Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130’000 senken. Zum Vergleich: Anfang 2020 hatte Boeing noch etwa 160’000 Beschäftigte.

Auch wenn die Wiederzulassung der 737 Max für Boeing eine grosse Erleichterung ist, blickt der US-Flugzeugriese weiter äusserst schwierigen Zeiten entgegen. Die Corona-Pandemie, die weite Teile des Luftverkehrs lahmgelegt und viele Fluggesellschaften in Finanznot gebracht hat, dürfte noch deutlich länger belasten. Der Konzern rechnet mit einer Durststrecke, die die Nachfrage nach Flugzeugen dauerhaft dämpfen wird. Boeing geht davon aus, dass es etwa drei Jahre dauern wird, um das Niveau von 2019 wieder zu erreichen. Bis die Luftfahrtbranche zu ihrem langfristigen Wachstumstrend zurückkehre, dürften fünf oder sogar mehr Jahre vergehen.

sda/red

19 Kommentare
    Alejandro Galan

    Es bleibt für mich (wie üblich ein Detail) ein Rätzel, weshalb eine grosse Mehrheit aller publizierten Fotos des Flugzeuges zeigen das Flugzeug von Vorne (leicht von der Seite) oder von Hinten aus leicht von der Seite oder von Oben und fast nie von der Seite oder von Unten (leicht von der Seite. Mit diesen Fotos kann man fast nie die tatsächliche Position und Stelle der Triebwerke sehen. Gemäss Gespräche von Jens Koennen mit Flugzeugspezialisten und Ingenieure, die Max hat effizientere Triebwerke, die größer als üblich Triebwerke sind und deshalb sie müssen weiter vorne an den Flügeln montiert werden. Eine solche Änderung würde Millionen kosten, weil die gesamte Struktur des Flugzeuges neu entworfen und entwickelt werden muss. Es ist nicht bekannt, ob solche Änderung gemacht wurde. Andere Journalisten erklären, dass Airbus etwa nutzt bei der A320 drei Sensoren, die den sogenannten Anstellwinkel des Flugzeugs übermitteln. Nach Angaben der europäischen Aufsicht Easa hat Boeing bereits zugesagt, das in Zukunft realisieren zu wollen. Trotzdem, am Ende betrachtet Boeing die Verwendung von 3 Sensoren als nicht nötig, weil eine bekannte Technologie (???) kommt bereits beim Langstreckenjet 787 zum Einsatz kommt und nennt sich dort „Synthetic Airspeed“. Bei der Max hat man aus Kostengründen darauf verzichtet (???) Wie üblich Watson! Am Ende die Sparnisse werden sowieso mit Menschenleben kompensiert, wie üblich wenn der Mensch nur ein Kostenfaktor ist.