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Ende eines KultflugzeugsBoeing stellt Produktion von legendärem «Jumbo-Jet» 747 ein

Beim krisengebeutelten US-Flugzeugbauer wird 2022 die letzte Maschine des ikonischen Flugzeugtyps vom Band laufen.

Die «Königin der Lüfte» schrieb Geschichte in der kommerziellen Luftfahrt: Die erste Boeing 747 hebt am 09. Februar 1969 zum Erstflug ab.
Die «Königin der Lüfte» schrieb Geschichte in der kommerziellen Luftfahrt: Die erste Boeing 747 hebt am 09. Februar 1969 zum Erstflug ab.
Foto: Keystone/EPA/Boeing
Eine Boeing 747 fliegt mit dem Spaceshuttle Discovery auf dem Rücken nach dessen Ausmusterung über Washington. Foto: AP Photo/J. Scott Applewhite
Eine Boeing 747 fliegt mit dem Spaceshuttle Discovery auf dem Rücken nach dessen Ausmusterung über Washington. Foto: AP Photo/J. Scott Applewhite
KEYSTONE
Das waren noch Zeiten: Die Verabschiedung des letzten Jumbo-Jet 747 unter Schweizer Flagge, aufgenommen am 10. Januar 2000 im Flughafen in Kloten.
Das waren noch Zeiten: Die Verabschiedung des letzten Jumbo-Jet 747 unter Schweizer Flagge, aufgenommen am 10. Januar 2000 im Flughafen in Kloten.
Foto: Christoph Ruckstuhl (Keystone)
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Es ist das Ende einer legendären Flugzeug-Ära: Der US-Flugzeugbauer Boeing stellt die Produktion des berühmten «Jumbo-Jets» 747 ein. Die letzte neue Maschine mit dem charakteristischen Buckel soll in etwa zwei Jahren das Werk nahe Seattle verlassen. Das teilte das Unternehmen heute Mittwoch mit. Über das Aus des Kultfliegers wurde seit längerem spekuliert.

Faszination Planespotting: Dutzende Flugzeugfans pilgern an den Flughafen Zürich für die Boeing 747 E4 der US Air Force. (Archiv)

Absatzkrise wegen Corona

Schwer getroffen von der Pandemie drosselt der Boeing die Produktion seiner Erfolgsreihen 787 und 777 weiter. Zudem werde das Hochfahren der 737-MAX-Herstellung verschoben, kündigte das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen für das zweite Quartal an. Die fielen schlechter aus als erwartet: Der Umsatz stürzte um 25 Prozent auf 11,81 Milliarden Dollar ab. Analysten hatten dagegen mit Erlösen von 13,16 Milliarden Dollar gerechnet. Die Corona-Krise hatte die Luftfahrt weltweit fast zum Erliegen gebracht und damit viele Fluggesellschaften an den Rande des Bankrotts getrieben, so dass Passagierjets derzeit nur schwer abzusetzen sind.

Dennoch sieht Boeing aktuell keinen Grund, sich über die Anleihemärkte weiteres Geld zu beschaffen. Man halte sich die Option zwar offen, erklärte der Konzern. Derzeit verfüge Boeing jedoch noch über knapp zehn Milliarden Dollar Kredit, die noch nicht angetastet worden seien. Konzern-Chef Dave Calhoun sagte, das Unternehmen arbeite eng mit den Fluggesellschaften und den Zulieferern zusammen, um die Krise zu bewältigen. «Der Luftverkehr hat sich immer als widerstandsfähig erwiesen – genau wie Boeing», erklärte Calhoun.

Die Produktion der 787 solle 2021 auf sechs Jets pro Monat verringert werden, kündigte der Boeing-Chef an. Es ist bereits die dritte Absenkung gegenüber dem Output vor einem Jahr, als der Dreamliner mit einer Rekordrate von 14 Maschinen im Monat vom Band lief. Auch die Herstellung der 777 und der 777X solle weiter auf dann zwei Jets im Monat gedrosselt werden. Zuletzt hatte der Konzern Pläne angekündigt, die Produktion der beiden Modelle von aktuell fünf auf drei Maschinen monatlich zu senken.

Boeing kämpft zusätzlich zu der Pandemie mit dem seit 16 Monaten bestehenden Flugverbot für die 737 MAX nach zwei Abstürzen des Modells. Es werde länger als 2021 dauern, das monatliche Produktionsziel von 31 737-MAX-Jets zu erreichen, räumte Calhoun in. Die Kapazitäten sollten nun voraussichtlich erst ab Anfang 2022 hochgefahren werden.

reuters/step