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Zuger RohstoffkonzernBundesanwaltschaft ermittelt gegen Glencore

Der Rohstoffkonzern soll beim Kauf von Schürfrechten in der Demokratischen Republik Kongo unsauber vorgegangen sein. In die Affäre könnte gar der Ex-Präsident des Landes involviert sein. Der Konzern will mit den Behörden kooperieren.

Die Ursache für das Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Glencore: Die Katanga-Mine in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2012.
Die Ursache für das Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Glencore: Die Katanga-Mine in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2012.
Simon Dawson/Bloomberg via Getty Images

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore steht unter Korruptionsverdacht. Die Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt gegen den Konzern. Beim Verfahren geht es um die Frage, ob Glencore genügend unternommen habe, um Korruption in der Demokratischen Republik Kongo zu verhindern. Die BA hat bereits im letzten Jahr ein Verfahren gegen Unbekannt eröffnet, nun richtet sich eine zweite Untersuchung direkt gegen Glencore.

«Im Juni 2020 hat die BA in diesem thematischen Zusammenhang ein zweites Strafverfahren eröffnet. Dieses richtet sich gegen die Glencore International AG wegen des Verdachts der Strafbarkeit des Unternehmens», so eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Sie nimmt damit Stellung auf eine Anfrage dieser Zeitung, die mehrere Tage unbeantwortet blieb. Der Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar ZG teilt mit, dass er mit den Behörden kooperieren werde.

Konkret geht es darum, wie Glencore 2007 die Schürfrechte an einer Kupfermine im Kongo erworben hat. Der Firma wird vorgeworfen, viel zu günstig zu den Rechten gekommen zu sein. Dabei habe sie mit dem schwerreichen israelischen Geschäftsmann Dan Gertler zusammengearbeitet. Dieser ist im Kongo sehr einflussreich, aber auch besonders umstritten, so haben etwa die USA Sanktionen gegen ihn verhängt. Das US-Schatzamt schreibt in einer Mitteilung vor zwei Jahren, dass Gertler sein Vermögen durch undurchsichtige und korrupte Bergbau- und Ölgeschäfte im Kongo angehäuft habe. Da heisst es: «Gertler hat seine enge Freundschaft mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Joseph Kabila dazu genutzt, als Mittelsmann für den Verkauf von Bergbau-Lizenzen zu fungieren, so dass multinationale Unternehmen ihre Geschäfte mit dem kongolesischen Staat über Gertler abwickeln mussten.»

Joseph Kabila: Der ehemalige Präsident der Demokratischen Republik Kongo.
Joseph Kabila: Der ehemalige Präsident der Demokratischen Republik Kongo.
AFP

Auslöser der Ermittlungen gegen Glencore ist eine Strafanzeige der NGO Public Eye. So teilt die Bundesanwaltschaft mit, dass sie deswegen schon im Mai 2019 ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Bestechung fremder Amtsträger eröffnete. Dieses sei aber nicht gegen Glencore gerichtet. «Dieses Strafverfahren wird gegen unbekannte Täterschaft geführt, nicht gegen bestimmte natürliche und oder juristische Personen», so eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. «Dass die Schweizer Behörden nun endlich ermitteln, war längst überfällig», so ein Sprecher von Public Eye.

Die Untersuchung der Schweizer Behörden ist nicht die erste wegen der Schürfrechte im Kongo. Bereits haben die Behörden in Grossbritannien und den USA deswegen ein Verfahren eröffnet. Die Katanga-Mine machte kürzlich Schlagzeilen, weil der dort abgebaute Kobalt, ein Nebenprodukt der Kupferförderung, für die Herstellung von E-Auto-Batterien sehr gefragt ist.