Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur stillen ImpfaktionBundesrat setzt seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel

Am Freitagnachmittag hat der Bundesrat im Stillen begonnen, sich impfen zu lassen. Diese Aktion sollte nicht publik werden. Dieses Vorgehen wirft Fragen auf.

Es darf gerätselt werden: Wer aus dem Bundesratszimmer hat schon den ersten Piks bekommen? War es etwa der Bundespräsident selbst, Guy Parmelin (mit der schwarzen Maske), der sich am Freitag gegen Covid-19 impfen liess?
Es darf gerätselt werden: Wer aus dem Bundesratszimmer hat schon den ersten Piks bekommen? War es etwa der Bundespräsident selbst, Guy Parmelin (mit der schwarzen Maske), der sich am Freitag gegen Covid-19 impfen liess?
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

«Naiv» ist noch das Netteste, was zu dieser Aktion (zum Bericht) gesagt werden kann. Denn solche Hinterzimmervorgänge kommen eher früher als später an die Öffentlichkeit zu viele Personen sind daran beteiligt. Das müssten die Magistraten und ihr Heer von Kommunikationsberatern inzwischen wissen.

Verheerend sind jedoch die Signale, welche die Landesregierung damit aussendet. Zwar haben verschiedene Bundesräte in den vergangenen Wochen mehr oder weniger klar ein Impfbekenntnis abgelegt. Aber weshalb haben sich jetzt noch nicht alle Bundesräte impfen lassen? Gibt es halt doch Skeptiker unter ihnen, oder wollen die jüngeren Amtsträger den älteren den Vortritt lassen und mit der eigenen Impfung noch etwas zuwarten?

Jetzt produziert die Landesregierung vor allem viele Fragezeichen, welche die Impfgegner mit Handkuss ausschlachten werden.

Mit ihrem Vorgehen befeuert die Landesregierung jetzt öffentliche Spekulationen über mögliche Beweggründe. Noch im Dezember deklamierte Vizekanzler André Simonazzi, die Bundesräte liessen sich impfen, um ein Zeichen zu setzen. Damit solle die Bevölkerung motiviert werden, bei der Impfkampagne mitzumachen. Jetzt produziert die Landesregierung vor allem viele Fragezeichen, welche die Impfgegner mit Handkuss ausschlachten werden. So lässt sich die Impfbereitschaft sicher nicht erhöhen – auch wenn der Bundesrat die Impfung als einen der zentralen Pfeiler zur Bekämpfung der Corona-Pandemie definiert hat.

Und weshalb lassen sich die Magistraten impfen, obwohl derzeit erst über 75-Jährige dran sind? Halten sie sich für derart unersetzlich? Wollen sie nicht ins Homeoffice verbannt werden, wie das derzeit vielen passiert? Auch bei diesen Fragen hätten klärende Worte notgetan. Es ist ja durchaus nachvollziehbar, dass die Regierung handlungsfähig bleiben will und das am besten mit gesunden Bundesräten geht.

Man wolle keine unnötige Show aufziehen, heisst es aus dem Bundesratszimmer. Hinstehen, unbequeme Fragen klären und sich vielleicht in einem unvorteilhaften Moment ablichten lassen, das ist kein Bühnenstück sondern wäre die richtige Antwort gewesen, um der verunsicherten Bevölkerung Halt zu geben.

195 Kommentare
    Reinhild Asmuth

    Natürlich verhindern Impfungen gefährliche Krankheiten.

    Ich verstehe bereits kaum, wie Eltern ihre Kinder, die noch nicht fähig sind selber zu entscheiden, nicht impfen lassen können. Die meisten Eltern dieser Eltern wurden wahrscheinlich geimpft.

    So erinnere ich mich, 1944 in Köln geboren, dass wir damals sämtliche Kinderkrankheiten ohne viel Medis durchstehen mussten. So hatte ich Diphtheritis und erinnere mich, wie schwach und elend man sich dann fühlt. Auch Kinder spüren den Tod.

    Natürlich unterstütze ich möglichst freie Entscheide der Menschen, doch bei Pandemien gelten vielleicht andere Voraussetzungen, als bei Einzelfällen in normalen Zeiten.

    Heute geht es um Leben und Gesundheit der ganzen Gesellschaft und dazu ist ein Mindest- Prozentsatz Impfwilliger vorausgesetzt.