90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Neue Argumente für die Waffenschutz-Initiative: Nirgends sonst in Europa begehen so viele Menschen Suizid mit Schusswaffen wie in der Schweiz.

Vom Sturmgewehr geht eine grosse Gefahr aus.

Vom Sturmgewehr geht eine grosse Gefahr aus. Bild: Keystone

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In der Debatte um die Heimaufbewahrung der Armeewaffen wird darüber gestritten, wie gross das Leid tatsächlich ist, das durch das Sturmgewehr im Schrank verursacht wird. Die Bürgerlichen, die an der Heimabgabe mehrheitlich nicht rütteln wollen, relativieren dabei mit Verweis auf fehlende Statistiken die Gefahren.

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat gestern nun Zahlen zu den Suiziden veröffentlicht. Demnach scheiden in der Schweiz jährlich ungefähr 1300 Menschen freiwillig aus dem Leben. Rund ein Fünftel, 260 Menschen, begehen Suizid mittels Schusswaffen – bei den Männer-Suiziden ist es sogar jeder vierte. Bei rund einem Drittel dieser Schusswaffen-Suizide wird die Dienstwaffe benutzt. Gegen 90 Menschen nehmen sich somit pro Jahr mit dem Sturmgewehr oder der Ordonnanzpistole das Leben.

Votum für Waffeninitiative

Die Schweiz hält damit einen traurigen Europa-Rekord: In keinem anderen europäischen Land begehen so viele Menschen Suizid mittels Schusswaffen wie in der Schweiz. Die Obsan-Studie hält fest, dass in vielen Ländern durch gesetzliche Regelungen «eine Reduktion der Suizide erzielt werden konnte». Dabei geht es unter anderem um die Lagerung von Waffen.

Das liest sich als deutliche Aufforderung an den Gesetzgeber, die heutige Heimabgabe aufzugeben – und als Votum für die hängige Waffenschutz-Initiative. Bundesrat und Parlament haben die in den letzten Jahren immer wiederkehrende Forderung der Linken, die Waffen im Zeughaus wegzuschliessen, mehrfach abgelehnt. Deshalb wurde eine Volksinitiative lanciert, die Ende Februar mit 106000 Unterschriften eingereicht wurde.

Prävention ist möglich

Dass die Zahl der Suizide beeinflusst werden kann, zeigt sich laut der Studie an den Unterschieden in den Kantonen. In Kantonen mit nur wenigen hohen Brücken gibt es nur wenig Suizide durch Sprung in die Tiefe. «Diese Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der Suizide keine fixe Grösse darstellt, sondern durch Präventionsmassnahmen günstig beeinflusst werden kann.»

Seit 1990 wird ein leichter Rückgang der Anzahl Suizide registriert, vor allem bei den Männern. So ist die Zahl der Selbsttötungen von über 1500 auf 1300 pro Jahr zurückgegangen. Bei den Männern wurden 1991 noch 1140 Suizide registriert, 2006 waren es noch 863. Bei den Frauen liegt die Zahl unverändert bei jährlich rund 400. Der Rückgang der Suizide wird auch international registriert. Die Gründe dafür sind laut Studie unklar.

(Der Bund)

Erstellt: 29.05.2009, 07:27 Uhr

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