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Kopf des TagesChina empfiehlt Gallensaft der Bären gegen Covid-19

Der Malaienbär wird wegen eines angeblichen Wundermittels gefangen und gequält. Dabei lässt es sich längst synthetisch herstellen.

Der Gallensaft des Malaienbären ist in China ein begehrtes Heilmittel.
Der Gallensaft des Malaienbären ist in China ein begehrtes Heilmittel.
Foto: M. Lohmann

Tagsüber schlafen sie gerne in Bäumen, nachts streifen sie durch asiatische Bergwälder und fressen Insekten. Doch frei leben die Malaienbären mit ihren kurzen schwarzen Haaren und den runden Ohren nur selten: wegen ihres Gallensafts. In China gibt es Gallenwein, Halsbonbons mit Gallensaft-Extrakt, Shampoo, Malaienbären-Energydrinksund vor allem gibt es «Tan Re Qing». Das traditionelle chinesische Heilmittelneben Kräutern meist mit dem Gallensaft des Malaienbären oder des Kragenbären angereichertsoll fast alles heilen: Augenbeschwerden, Krämpfe, Leberschäden. Jetzt hat es die chinesische Gesundheitskommission auf eine Liste derjenigen Medikamente gesetzt, die gegen das Coronavirus helfen sollen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existiert bis heute kein Heilmittel gegen Covid-19. Es gebe lediglich Wirkstoffe, welche die Symptome lindern, Hustensaft und Schmerzmittel etwa. Der Gallensaft des Malaienbären enthält Ursodeoxycholsäure. Dieser Inhaltsstoff findet sich auch in Medikamenten, die man in Schweizer Apotheken kaufen kann, und hilft etwa gegen Gallensteinleiden. Dafür wird jedoch keinem Bären ein Katheter in die Gallenblase gespiesst. Ursodeoxycholsäure lässt sich seit Jahrzehnten synthetisch herstellenund ist dann genauso wirksam.

«Gallenfarmen» sind erlaubt

In China ist es verboten, die Galle von frei lebenden Malaienbären zu beschaffen. Erlaubt ist es hingegen in sogenannten Gallenfarmen. Die Tiere leben dort laut Tierschutzorganisationen in engen Käfigen, unterernährt, und nagen sich wegen der starken Schmerzen ihre Kiefer an den Eisenstäben wund. Die Züchter suchen die Gallenblase per Ultraschall, stechen sie an und entnehmen das «Wundermittel» ohne Betäubung mit einem Katheter. Noch begehrter als der Gallensaft aus der Gefangenschaft ist derjenige von freien Tieren, weil er reiner und nicht mit Urin oder Blut kontaminiert sei. Wildjäger beschaffen ihn illegal.

Diverse Tierschutzorganisationen sind empört. Dass China «Tan Re Qing» als Corona-Heilmittel anpreise, befeuere den Handel mit illegalen Produkten und die Misshandlungen der Bären. Die Organisation Vier Pfoten spricht von extremer Tierquälerei und kritisiert die Gesundheitskommission Chinas. Diese hat soeben den Handel mit Wildtieren eingeschränkt und Märkte für Wildtiere verboten. Sie schloss ausserdem Farmen, die etwa Wildfleisch von Pfauen oder Stachelschweinen produzieren, weil diese das Coronavirus weiterverbreiten. Den Verkauf und Konsum von Wildtieren zu medizinischen Zwecken hat sie aber vom Verbot ausgenommen.

Heilmittel mit Pulver von Nashornhörnern

Bernd Schildger, der Direktor des Berner Tierparks Dählhölzli, kritisiert diesen Widerspruch. Dem «Bund» sagte er: «Das Problem ist die Käfighaltung der Tiere.» Ob diese zum Verzehr oder zur Gewinnung von vermeintlichen Medikamenten gehalten werden, spiele keine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sei die gleiche.

Auf der Liste der chinesischen Gesundheitskomission finde sich neben «Tan Re Qing» auch «Angong Niuhuang Wan», schreibt «National Geographic». Das sind Pillen, die Fieber lindern sollen. Eine traditionelle Zutat dieses Heilmittels ist Nashornhörner-Pulver. Weil diese Zutat streng verboten ist, müsse das Medikament mit Büffelhorn hergestellt werden. So sagt es das chinesische Gesetz.

61 Kommentare
    Roberto Fischer

    Die WHO wird das sicher nicht bestätigten und laut applaudieren.