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Twitter-Queen mag nicht mehrChrissy Teigen lässt 14 Millionen Follower auflaufen

Das Model ist berühmt für schlagfertige Tweets, Trump hatte sie sogar blockiert. Nun zieht sie sich von der Plattform zurück. Twitter habe für sie mehr Nach- als Vorteile.

Sagt Twitter Tschüss: Chrissy Teigen, hier bei einer Oscarparty im Februar 2020.
Sagt Twitter Tschüss: Chrissy Teigen, hier bei einer Oscarparty im Februar 2020.
Foto: Getty Images

Model, Moderatorin und Kochbuchautorin Chrissy Teigen hat am Mittwochabend ihren Abschied von Twitter angekündigt und den Account darauf deaktiviert. Ihr Rückzug kommt überraschend – schliesslich wird, beziehungsweise wurde, die 35-jährige US-Amerikanerin gern als Königin der Social-Media-Plattform bezeichnet.

Denn Teigen ist ein Phänomen: Sie hat den viralen Tweet perfektioniert. Immer wieder machten ihre pointierten Kürzestbotschaften die Runde, insbesondere ihre berüchtigten Seitenhiebe gegen Donald Trump sorgten für Aufsehen. Rund 14 Millionen Menschen folgten ihr zuletzt – darunter auch der amtierende US-Präsident Joe Biden.

Doch nun hat Teigen ausgetwittert.

Schlagfertig und ungefiltert

So schrieb Teigen am Mittwoch in einem Twitter-Thread: «Seit über zehn Jahren seid ihr meine Welt. Ich verdanke dieser Welt, die wir hier erschaffen haben, ehrlich gesagt so viel. Ich betrachte so viele von euch wirklich als meine echten Freunde. Aber es ist Zeit für mich, auf Wiedersehen zu sagen.» Sie sei nicht mehr der gleiche Mensch wie damals, als sie mit Twittern angefangen habe.

Was ist mit der witzigen, selbstbewussten Twitter-Koryphäe passiert?

Teigen hatte sich mit ihrer Onlinepräsenz auf Twitter eine Marke aufgebaut. Mit Schlagfertigkeit und teils sehr ungefilterten Einblicken in ihren Alltag hob sie sich von anderen Promis ab. Auch für ihren sarkastischen Humor wird sie geliebt. So erzählt Teigen, die mit Hit-Sänger John Legend verheiratet ist, dass sie immer einen Zettel in der Hosentasche trage, auf dem «John war es» steht. «Für den Fall, dass ich umgebracht werde. Ich will nicht, dass er nochmals heiratet.»

Doch Teigen konnte auch ernst: Sie twitterte unverblümt über Tabuthemen und scheute sich nicht, viel von sich preiszugeben. So sprach sie offen über ihre künstlichen Befruchtungen (ihre Kinder wurden durch In-vitro-Fertilisation gezeugt), ihre Körperbehaarung oder ihre Alkoholabstinenz. Teigen twitterte vor 13,7 Millionen Menschen, woran sich andere gar nicht erst herantrauen.

Die Twitter-Gefechte mit Trump

Berühmt-berüchtigt wurde sie als ausgesprochene Kritikerin Trumps. Mit ihm lieferte sie sich immer wieder Twitter-Gefechte. Als der damalige US-Präsident twitterte, «Wir müssen das ‹Böse› aus unserem Land fernhalten!», antwortete Teigen: «Um wie viel Uhr sollen wir dir ein Uber bestellen?»

Teigens Sticheleien gingen Trump irgendwann unter die Haut – er holte zum Gegenangriff aus. In einer seiner mitternächtlichen Twitter-Tiraden beschwerte sich Trump darüber, dass seine Initiative für eine Gesetzesreform von prominenten Befürwortern, darunter «dem langweiligen Musiker John Legend und seiner vulgären Frau», nicht richtig gelobt würde. 2017 blockierte der damalige US-Präsident das Model.

«Ich fühle mich, als ob mich jeder hassen würde.»

Chrissy Teigen auf Twitter

Auch der amtierende US-Präsident Joe Biden hat Teigens Macht auf Twitter zementiert. Er folgt lediglich zwölf Personen – darunter Chrissy Teigen. Spätestens dann war klar: Ihr muss man einfach folgen.

Hasskommentare nach Fehlgeburt

Doch der Rummel um Teigen hat auch seine Schattenseiten – das Model bekommt auf Social Media viele hasserfüllte Kommentare. Als sie letztes Jahr eine Fehlgeburt erlitt, teilte sie ihre Trauer und ihren Schmerz via Instagram mit der ganzen Welt. Teigen und ihr Ehemann veröffentlichten ein Foto, auf dem sie weinend im Spitalbett zu sehen ist.

Für diesen Einblick in ihr Privatleben wurde Chrissy Teigen stark kritisiert. Viele Nutzer fanden den Post «übergriffig». Teigen wurde sogar zur Zielscheibe von QAnon-Anhängern – sie beschuldigten sie unter anderem, Teil des Pädophilenrings des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu sein.

Jetzt war es zu viel. Nach dem heftigen Gegenwind und dem schrecklichen Verlust zog sich Teigen zurück und fiel nach eigenen Aussagen in ein Loch. Erst vergangene Woche schrieb sie auf Twitter: «Ich fühle mich, als ob mich jeder hassen würde.»

Nun hat sie einen Schlussstrich gezogen und Twitter verlassen. In ihren letzten Tweets macht sie ihre Follower darauf aufmerksam, welche Macht Worte haben. Sie habe es nicht geschafft, zu lernen, «wie man die Negativität ausblendet». Dann verabschiedet sich Teigen auf ihre Art: «Ich bin einfach ein sensibler Scheisser, okay!? Ich will nicht so sein! Ich bin es einfach! Aber ich liebe euch, und ich schätze unsere gemeinsame Zeit, das tue ich wirklich. Ich hasse euch auch

Verschwinden wird Teigen nicht. Ihr Instagram-Account mit 34 Millionen Followern ist immer noch aktiv.

10 Kommentare
    Andi Oberholzer

    Trump hatte sie sogar blockiert. Das ist aber eine Leistung, ich ziehe den Hut.

    «Ich fühle mich, als ob mich jeder hassen würde.» - das hat sie nun davon, nachdem sie ihr Leben jahrelang vor Millionen unbekannter Menschen ausgebreitet hat.