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Kampagne zur Konzerninitiative«Christliche Frauen» protestieren gegen Kirchen

In einem offenen Brief kritisieren CVP-Fraktionschefin Andrea Gmür und weitere Politikerinnen das Engagement der Kirchen für die Konzerninitiative. Gmür geht damit gegen ihren eigenen Schwager, den Basler Bischof, vor.

«Es ist nicht der Auftrag der Kirche als Institution, aufwendige und teure politische Kampagnen zu organisieren»: Die Luzerner CVP-Ständerätin Andrea Gmür.
«Es ist nicht der Auftrag der Kirche als Institution, aufwendige und teure politische Kampagnen zu organisieren»: Die Luzerner CVP-Ständerätin Andrea Gmür.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Die Kirchen zeigen sich im Abstimmungskampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) äusserst aktiv. Prominentester kirchlicher Befürworter ist der Basler Bischof Felix Gmür. Als Stiftungsratspräsident des Hilfswerks Fastenopfer, eine der mittragenden Organisationen des Volksbegehrens, macht er Werbung für dieses.

Nun hat seine Schwägerin, die Luzerner CVP-Ständerätin und -Fraktionschefin Andrea Gmür, einen offenen Brief an die Kirchen lanciert. Er trägt den Titel « Frauen gegen Konzernverantwortungsinitiative KVI» und enthält heftige Kritik an die Adresse der Kirchen. So heisst es darin: «Es ist nicht der Auftrag der Kirche als Institution, aufwendige und teure politische Kampagnen zu organisieren, in welchen die einen Gläubigen gegen die anderen ausgespielt werden…» Die Kirche sei keine politische Partei, sondern eine Gemeinschaft von Gläubigen.

Die Erstunterzeichnerinnen des Briefes, der am Samstag in verschiedenen Zeitungen als Inserat geschaltet wird, sind mehrheitlich prominente Politikerinnen aus dem bürgerlichen Lager: etwa FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi, die Nationalrätinnen Marianne Binder-Keller (CVP) und Esther Friedli (SVP), aber auch die Grünliberale Isabelle Chevalley. Sie bezeichnen sich selber als «christliche Frauen aus der ganzen Schweiz».

Keine schlechteren Christinnen

Gmür und ihre Mitstreiterinnen gestehen den Kirchen zu, sich aktiv in die Politik einzubringen und für ihre Werte einzustehen. Aber: «Mit ihrer einseitigen Parteinahme, der teuren kirchlichen Kampagne und der Mission von der Kanzel für die Initiative» vermittelten sie den Eindruck, es gäbe nur einen einzigen Weg, christliche Grundsätze zu verwirklichen. Die Triage in gute und weniger gute Christen sei unstatthaft. Die Frauen verwahren sich auch gegen die Sichtweise der Kirchen, «welche alle unsere Schweizer Unternehmen mit ausländischer Tätigkeit unter Generalverdacht stellt, sie würden im Ausland notorisch Menschenrechte verletzen».

Das Bild von Bischof Felix Gmür wurde offenbar schon aus der Galerie des kirchlichen Unterstützungskomitees entfernt.

Gegenüber dieser Zeitung betont Ständerätin Gmür, dass alle Unterzeichnerinnen Christinnen seien. Für alle sei das Ziel der Initiative völlig unbestritten, der nun vorgegebene Weg aber nicht praktikabel und viel zu stark emotional aufgeladen. Ein gangbarer Weg wäre für alle der Gegenvorschlag des Ständerats, der die Anliegen der Initiative aufnehme und bei einem Nein automatisch in Kraft trete.

Offenbar hat der offene Brief bereits bewirkt, dass das Bild von Bischof Felix Gmür aus der Galerie des kirchlichen Unterstützungskomitees entfernt wurde. Er stehe aber nach wie vor hinter der Initiative, lässt er mitteilen. Gmür ist auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Diese allerdings unterstützt die Initiative, anders als von den Initianten suggeriert, nicht geschlossen. Sie liess lediglich verlauten, die Mitglieder der Bischofskonferenz teilten «die Sorgen der KVI». Sprecherin Encarnacion Berger-Lobato hat die Initianten vergeblich gebeten, dies entsprechend zu kommunizieren. Denn was die KVI selber anbelangt, sind die Bischöfe gespalten.

163 Kommentare
    Michèle Kottelat

    Die Befürworter der Initiative sind entweder ausgediente Politiker (Anne Seydoux, Delémont), Stunkmacher (Martin Landolt, Glarus), oder junge Politschmecker (Benjamin Berner, Bern. Gerade mit der grassierenden Pandemie (Schweiz ganz oben) sollten wir uns nicht überall einmischen, und den Teufel mit der Bürokratie verbrudern.