Die Lions spielen wieder ZSC-Hockey

Rikard Grönborg scheut sich nicht vor harten Personalentscheiden, unter ihm haben die Zürcher aber den Spass wiederentdeckt.

Rikard Grönborg kann sehr laut werden, aber er hat den ZSC Lions wieder Spass am Eishockey vermittelt. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Rikard Grönborg kann sehr laut werden, aber er hat den ZSC Lions wieder Spass am Eishockey vermittelt. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

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Der Finish der ZSC Lions vor der einwöchigen Nationalteam-Pause war sinnbildlich für ihren Neustart unter Rikard Grönborg. Es ist vieles noch nicht perfekt, doch sie haben ihren Siegeshunger und ihre Zuversicht wiederentdeckt. Am Samstag in Ambri nach 40 Minuten 1:2 zurückliegend, schafften sie noch die späte Wende zum 3:2-Erfolg. Natürlich spielt auch Glück mit, wenn man 19 Sekunden vor Schluss das Siegestor schiesst wie in der Valascia Marcus Krüger, der Spezialist für Last-Minute-Tore. Doch man kann sein Glück auch erzwingen. In den letzten Minuten erarbeiteten sich die Zürcher Chance um Chance, bis das Tor endlich fiel.

Captain Patrick Geering bringt den Unterschied gegenüber der verpatzten vergangenen Saison auf den Punkt: «Letztes Jahr spielten wir oft, um nicht zu verlieren. Jetzt spielen wir wieder, um zu gewinnen.» Die verzagte, auf Kontrolle basierende Spielweise, die Serge Aubin im letzten Herbst lange predigte, ist abgelöst worden durch ein angriffiges, temporeiches Eishockey skandinavischer Prägung. Und diese optimistische Grundhaltung hat abgefärbt auf die Einstellung der Spieler und ihr Selbstvertrauen: Sie wollen kreieren, Tore schiessen, den Gegner unter Druck setzen, trauen sich das auch zu und lassen sich nicht beeindrucken, wenn sie einmal in Rückstand liegen. Sechsmal drehten sie in der Meisterschaft schon ein Spiel.

Ähnlich wie Marc Crawford

Man könnte es auch so ausdrücken: Die ZSC Lions spielen wieder ZSC-Eishockey. Sie waren in der jüngeren Zeit stets dann erfolgreich, wenn sie das Spiel und das Tempo bestimmten, ihre Gegner mit diesem überforderten. Und sie haben ja auch die Breite, um dieses Spiel über vier Linien durchzuziehen. Grönborgs Philosophie ist jener seines Vor-Vor-Vor-Vor-Gängers Marc Crawford ähnlich. Er fördert Kreativität, ermutigt auch Verteidiger dazu, sich immer wieder den Angriffen anzuschliessen. Denn heutzutage, so ist er überzeugt, könne man den Gegner nur dann richtig unter Druck setzen, wenn alle fünf Spieler mitmachen würden.

Der neue Trainer strahlt Souveränität und Ruhe aus.
Aber er kann in der ­Garderobe auch sehr laut ­werden.

Mit über 3,5 Toren pro Partie sind die Zürcher offensiv die Nummer 1, ohne ihre defensive Stabilität aufs Spiel zu setzen. Angriff ist die beste Verteidigung. Aber natürlich braucht man dafür auch die richtigen Spieler. Die Verpflichtung von Garrett Roe war ein Glücksgriff. Der Amerikaner tritt in Zürich noch dominanter auf als in Zug, ist der Dynamo des ZSC-Spiels und reisst die anderen mit. Roe ist der erste Center, den die Zürcher seit Auston Matthews (2015/16) vermisst hatten. Und auch Marcus Krüger dürfte für die Mannschaft nur noch wichtiger werden. Er mag kein heraus­ragender Skorer sein, aber er pflegt die kleinen Dinge, die im Eishockey so wichtig sind.

Den Spass am Spiel wiederentdeckt

Mit 2,11 Punkten pro Spiel sind die Zürcher zur Nationalteam-Pause Leader und stehen klar besser da als im Vorjahr (1,6 Punkte und Rang 7). Die Liga ist aber so ausgeglichen, dass sie sich nicht ausruhen können. Ein, zwei schlechte Wochen würden genügen, damit sie sich bereits im breiten Mittelfeld wiederfinden würden. Die vielleicht wichtigste Aufgabe Grönborgs in den nächsten Monaten ist es, eine allfällige Genügsamkeit sofort zu bekämpfen. Hört man den Spielern zu, ist die Gefahr noch nicht gross, dass sie sich zufriedengeben. Die traumatische letzte Saison dürfte ihnen Lektion genug gewesen sein.

Kommt dazu, dass Grönborg nicht nur wegen seines imposanten Auftretens, sondern auch wegen seines reichen Know-hows und seines Palmarès eine Respektsperson ist. Der Schwede strahlt eine ansteckende Souveränität und Ruhe aus. Er kann aber, so hört man, in der Garderobe sehr laut werden. Und er ist konsequent. Das bekam Verteidiger Dave Sutter zu spüren, der den Ansprüchen des Trainers nicht genügt und in seinem dritten ZSC-Jahr fast nur noch überzählig ist. Das ist sehr unangenehm für Sutter, aber auch ein Zeichen an die anderen.

Eishockey ist ein hartes Spiel, aber es ist vor allem ein Spiel, und das sollte Spass machen. Die ZSC Lions haben diesen Spass unter Grönborg wiederentdeckt.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 04.11.2019, 10:16 Uhr

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